Irfaan Ali – Präsident im Zeitalter des Erdöls

Irfaan Ali
Wird hofiert: Der Präsident des ölreichen Guyanas, Irfaan Ali (rechts), bei der Organisation Amerikanischer Staaten im September 2023. Foto: Flickr/Juan Manuel Herrera/OAS (CC BY-NC-ND 2.0)

(Georgetown, 27. August 2025, prensa latina).- Als Präsident Guyanas ist Mohamed Irfaan Ali die zentrale Figur der Exekutive des kleinen Landes in der südamerikanischen Karibik. Seine Führungsrolle wurde durch den sogenannten Ölboom begünstigt, der ihn zum Architekten einer Agenda der wirtschaftlichen Transformation in Guyana gemacht hat.

Ali wurde 2020 zum Präsidenten gewählt, bei Amtsantritt war er mit 43 Jahren eines der jüngsten Staatsoberhäupter der Welt. Der ausgebildete Ökonom mit einem Master der University of the West Indies und einem Doktortitel in Stadt- und Regionalplanung machte innerhalb der linkspopulistischen Progressive People’s Party (PPP/C) eine steile politische Karriere.

Er war zunächst Minister für Wohnungsbau und Wasser und später Minister für Tourismus, Handel und Industrie unter den Regierungen von Bharrat Jagdeo und Donald Ramotar. Seine Regierung war von dem Versprechen geprägt, eine „Guyanisierung“ der Ölindustrie, massive Investitionen in Straßen, Brücken, Energie und Bildung und die direkten Verteilung der Öleinnahmen zugunsten der Bevölkerung durchzuführen.

Kritiker*innen werfen ihm jedoch vor, das traditionelle Modell der PPP/C fortzusetzen, insbesondere, was die Verwaltung der Öleinnahmen angeht. Ali behauptet seine Rolle als modernisierender Anführer und Profiteur des Ölreichtums, war allerdings mit komplexe Fragestellungen der Ressourcenverwaltung, Ungleichheit und der historischen politischen Spaltung des Landes konfrontiert.

Favorit bei den Wahlen am 1. September

Dass Irfaan Ali und die PPP/C bei den Wahlen am 1. September als Favoriten ins Rennen gehen, liegt an zwei Schlüsselfaktoren: das enorme Wirtschaftswachstum dank des genannten Ölbooms und die bestens geölte (!) Politikmaschinerie im Land.

Ein weiterer Vorteil ist der Zugang zu staatlichen Ressourcen, den Öleinnahmen und der Fähigkeit, mehr für den Wahlkampf ausgeben zu können als seine Konkurrenten. Das ermöglichte es ihm, die Medien mit Werbung und Versprechen für weitere Investitionen zu versorgen.

Opposition uneinig

Ein weiterer wichtiger Faktor zu seinen Gunsten ist die berüchtigte Uneinigkeit der Opposition, die von inneren Kämpfen, dem Fehlen einer kohärenten Botschaft und der verbreiteten Auffassung, keine glaubwürdige Regierungsalternative anbieten zu können, geprägt ist.

Trotz dieser Vorteile ist die Regierung von Ali nicht frei von Risiken; dazu gehört der Umstand, dass ein bedeutender Teil der Bevölkerung das Gefühl hat, nicht direkt von den Öleinnahmen zu profitieren und unter den hohen Lebenshaltungskosten leidet. Die PPP/C steht auch in der Kritik, die Macht zentralisiert und ihre Anhänger*innen bei der Vergabe öffentlicher Aufträge bevorzugt zu haben.

Guyana will Souveränität über den Esequibo verteidigen

Außenpolitisch sieht es die PPP/C als oberste Priorität an, die Souveränität über den Esequibo mit Hilfe des Internationalen Gerichtshofs und diplomatischer Allianzen zu verteidigen, insbesondere durch eine Vertiefung der wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Beziehung zu den Vereinigten Staaten.

Die Wahlen am 1. September werden laut lokalen Analyst*innen eine Abstimmung über die Amtsführung von Irfaan Ali sein, obwohl alle Umfragen und Analyst*innen einen Sieg der PPP/C vorhersagen. Das wahrscheinlichste Ergebnis ist nicht, ob sie gewinnen, sondern wie hoch. Ein deutlicher Sieg würde sein Mandat stärken, um seine Agenda für Ausgaben und Infrastruktur fortzusetzen.

Allerdings könnte eine niedrige Wahlbeteiligung oder der Verlust einiger Schlüsselbezirke als Warnzeichen für die Unzufriedenheit in der Gesellschaft interpretiert werden, die unter der Oberfläche des Ölbooms brodelt.

Die eigentliche Herausforderung für die PPP/C wird nicht der Wahlsieg sein, sondern die wirtschaftlichen Erwartungen und die sozialen Spaltungen in der kommenden Wahlperiode zu managen, um sicherzustellen, dass sich der makroökonomische Reichtum in einen greifbaren und von der Mehrzahl der Bevölkerung wahrgenommenem Wohlstand niederschlägt.

CC BY-SA 4.0 Irfaan Ali – Präsident im Zeitalter des Erdöls von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Nachrichtenpool Lateinamerika
Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir dir die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in deinem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von dir, wenn du auf unsere Website zurückkehrst, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für dich am interessantesten und nützlichsten sind.