
(Tegucigalpa, 23. November 2025, radio progreso).- Honduras wählt am 30. November einen neuen Präsidenten – inmitten eines tief polarisierten politischen Klimas, wachsender Gewalt und eines Wahlsystems, das viele als überholt empfinden. Drei Kandidat*innen haben realistische Chancen; zwei politische Modelle stehen sich unversöhnlich gegenüber. Und dennoch bleibt die Hoffnung vieler Menschen ungebrochen.
Ein Land im Krisenmodus
Seit fast drei Jahren gilt in Honduras ein Ausnahmezustand. Die Regierung begründet ihn mit der Bekämpfung von Banden und organisiertem Verbrechen – doch Kritiker*innen warnen, die Maßnahme habe weder die Gewalt noch die Straflosigkeit spürbar reduziert. Gleichzeitig ist das Vertrauen in Wahlbehörden und Parteien gering. Dennoch bereiten sich im ganzen Land Wahlkampfteams darauf vor, ihre Stimmen zu mobilisieren.
In La Lima trifft sich die Bewegung Vamos Honduras zu einem ihrer letzten Planungstreffen. Aktivist Mario Esteves sagt, Ziel sei es, „die liberalen Stimmen zu verteidigen und die Regierung bei den Urnen zu schlagen“. Er unterstützt Salvador Nasralla, der für die Liberalen antritt.
Nasralla: „Alternative“ mit wirtschaftsliberalem Kurs
Der Sportkommentator Salvador Nasralla inszeniert sich als politischer Außenseiter – obwohl er schon mehrfach kandidierte. Er verspricht Korruptionsbekämpfung, weniger Staat und ein

investitionsfreundliches Klima. Viele seiner Positionen erinnern an libertäre Vorbilder wie Javier Milei oder Nayib Bukele.
Nasralla sagt, Tausende Unternehmen würden gern in Honduras investieren, hielten sich aber wegen fehlender Rechtssicherheit zurück. Sein Programm fokussiere auf Arbeit, Sicherheit und Transparenz – und auf einen Bruch mit der bisherigen Sozialpolitik.
Im Lager der Rechten tritt Nasry Asfura von der Nationalen Partei an, die eng mit der Ära des wegen Drogenhandels verurteilten Ex-Präsidenten Juan Orlando Hernández verknüpft ist.
Moncada: Fortsetzung der „Refundación“
Die dritte relevante Kandidatin ist Rixi Moncada, Anwältin und ehemalige Ministerin der linken Regierungspartei Libre. Sie steht für die Fortführung der Reformagenda von Präsidentin Xiomara Castro – und dafür, dass nach Jahrzehnten männlicher Dominanz erneut eine Frau an der Spitze des Staates stehen könnte.
Moncada spricht von der Refundación, der „Neugründung“ des Landes. Was das konkret bedeutet, bleibt oft unklar. Doch die Soziologin Mercy Ayala betont: Viele Menschen erwarteten dringend wirtschaftliche Entlastung und mehr soziale Gerechtigkeit. Moncada verspreche ein gerechteres Steuersystem und strengere Regeln für Bergbau- und Wasserkraftprojekte, auch wenn die bisherige Regierung hier wenig erreicht habe.
Drei Kandidat*innen, zwei Modelle
Für den Jesuiten und Menschenrechtsverteidiger Ismael Moreno – bekannt als Pater Melo – stehen sich in Wahrheit nur zwei politische Projekte gegenüber: Libre repräsentiere zumindest auf dem Papier eine Abkehr vom extraktivistischen Wirtschaftsmodell und Steuerprivilegien für große Unternehmen. Liberale und Nationale Partei hingegen setzten beide auf Bergbau, Steuerbefreiungen und eine umfassende Öffnung für internationale Investitionen – häufig zulasten der Arbeiter*innen. Damit gehe es in dieser Wahl um die grundsätzliche Richtung des Landes.
Zwischen Hoffnung und Ernüchterung
Viele Menschen erwarten die Wahl mit Zuversicht. Sergio Mata, Arbeiter in einer Maquila-Fabrik in San Pedro Sula, sagt, er und seine Familie würden „ohne Angst“ wählen gehen und Moncada unterstützen. Unter Castro seien Krankenhäuser erweitert, Straßen gebaut und entlegene Regionen erstmals erreicht worden – auch wenn vieles unvollendet geblieben sei.
Für andere wie Mario aus dem liberalen Lager steht fest, dass Honduras nur durch einen Regierungswechsel wieder wachsen könne. Beide eint jedoch der Wunsch nach politischer Stabilität – und nach einem Wahlprozess, der glaubwürdig ist.
Demokratie unter Druck
Die Wahl findet in einem Land statt, dessen demokratische Institutionen von Korruption, Machtmissbrauch und der Stärke der Drogenbanden ausgehöhlt wurden. Für Pater Melo ist klar: Entscheidend sei nicht nur, wer gewinnt, sondern wie viel aktive Beteiligung die Bevölkerung zeige. Demokratie sei „mehr als ein Kreuz auf dem Stimmzettel“.
Honduras kennt keine Stichwahl. Gewählt ist, wer die meisten Stimmen erhält – auch mit weniger als der Hälfte. Genau das macht Reformen des Wahlrechts so dringend, sagen Analytiker*innen. Auch wenn die Wahlvorhersagen in Honduras notorisch unzuverlässig sind: Die aktuelle Regelung könnte Rixi Moncada nutzen, das sich das konservative und rechte Lager bei den Wahlen auf zwei Kandidaten aufteilen dürfte.
Wenn am 30. November gewählt wird, hoffen viele Honduraner*innen, dass sich ihr Land auf einen neuen Kurs bewegt – egal unter welcher Regierung. Ob die Wahl diese Erwartungen erfüllen kann, hängt nicht nur von den drei Kandidat*innen ab. Sondern auch davon, ob die honduranische Gesellschaft ihr demokratisches Potenzial zurückgewinnt.
Zu diesem Artikel findet ihr einen Podcast bei Radio onda.
Honduras vor der Richtungswahl von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

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