Gipfel ohne Spitzen – die CELAC-EU-Show von Santa Marta

CELAC-EU-Gipfel
Immerhin der brasilianische Staatschef Lula da Silva war zum CELAC-EU-Gipfel gekommen. Andere Spitzenpolitiker*innen wollten sich lieber nicht die Finger verbrennen, mutmaßlich aufgrund von Drohuungen der USA gegen Kolumbien. Foto: Flickr/Ricardo Stuckert / PR(CC BY-SA 4.0)

(Santa Marta, 11. November 2025, poonal).- Sonne, Strand, Palmen – und ein Gipfel, der nach großem Auftritt klang, aber eher nach diplomatischem Kurzurlaub wirkte. Zur IV. Gipfelkonferenz zwischen der Europäischen Union und der lateinamerikanischen CELAC kamen am 9. November Vertreter*innen aus 60 Ländern nach Santa Marta in Kolumbien – aber kaum Staats- und Regierungschef*innen. Viele, wie auch Deutschland, schickten nur ihre Außenminister.

Offiziell ging’s wie üblich um große Themen: Demokratie, Menschenrechte, Klimawandel, Energie, Migration, künstliche Intelligenz, und was sonst noch in ein 52-Punkte-Dokument passt. Die sogenannte „Declaración de Santa Marta“ wurde schließlich auch verabschiedet – mit vielen schönen Worten über Multilateralismus und globale Kooperation.
Doch die Schlagzeile lautete: „Wer alles nicht da war.“ Denn auffällig viele Spitzen blieben einfach fern – aus Europa wie aus Lateinamerika. Selbst EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen sagte ab.

Der Geist von Donald Trump

Warum? Nun, der Geist von Donald Trump schwebte über der Karibik. Der US-Präsident hat seit Monaten Streit mit Kolumbiens Gustavo Petro – den er als „narco-kommunistisch“ beschimpfte, während Petro regelmäßig zurückkeilt. Und nun bleiben nicht nur Merz und andere europäische Regierungschefs fern, selbst Gabriel Boric aus Chile und Claudia Sheinbaum aus Mexiko kamen nicht. Einige Analyst*innen sprechen von politischem Druck aus Washington, den Gipfel „nicht zu hoch zu hängen“, andere von vorauseilendem Kuschen vor Trump.

Und so saß Gastgeber Petro mit einer Handvoll Gleichgesinnter und vielen zweitrangigen Regierungsvertreter*innen zusammen, um den Multilateralismus zu retten – während Merz, von der Leyen und oder Boric lieber „den Ball sehr flach hielten“.

Kolumbien spricht von „historischem“ Treffen

Trotzdem verkauft Bogotá den Gipfel als Erfolg. „Ein historisches Treffen“, „ein Sieg des Dialogs“ – so der Ton der kolumbianischen Regierung. Der Energieminister sprach gar davon, Kolumbien habe „die Mythen gebrochen“ und Lateinamerika als gleichberechtigten Partner präsentiert.

Nun ja. Auf dem Papier ja – im Bild eher nicht. Denn eine Partnerschaft auf Augenhöhe sieht anders aus, wenn die eine Seite kaum auftaucht und die andere versucht, möglichst nicht zu viele Fotos von sich in die sozialen Medien zu stellen.

Immerhin: 58 von 60 Ländern unterschrieben die gemeinsame Erklärung. Nur Venezuela und Nicaragua verweigerten ihre Zustimmung – aus Protest gegen Formulierungen zu Ukraine und Gaza. Am Ende bleibt also ein Papier voller Versprechen – und ein leiser Nachgeschmack: Wenn der Multilateralismus zur schlecht besuchten Strandparty wird, ist es vielleicht nicht mehr gut um die gute alte europäisch-lateinamerikanische Partnerschaft bestellt.

CC BY-SA 4.0 Gipfel ohne Spitzen – die CELAC-EU-Show von Santa Marta von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

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