Indigener Aktivist in Mexiko verschleppt, Täter weiter straffrei

Wohin gehen die Verschwundenen? Foto: Mal de Ojo via flickr, CC BY-NC-SA 2.0.

(Mexiko-Stadt, 26. August, Amerika21).-Der indigene Aktivist Sergio Rivera Hernández gilt seit dem 23. August 2018 als gewaltsam verschwunden. An diesem Tag haben Augenzeugen gesehen, wie Rivera absichtlich angefahren und anschließend von bewaffneten Männern mit einem Pick-up-Truck verschleppt wurde. Anlässlich des siebten Jahrestages des Verbrechens protestierte die Zapatistische Indigene Agrarbewegung (MAIZ) gegen die Straflosigkeit in diesem Fall: Rivera habe „das Leben, das Wasser und das Wort seines Volkes verteidigt“, schrieb MAIZ.

Rivera führte in seiner Gemeinde Zoquitlán den Widerstand gegen ein Wasserkraftprojekt in der Sierra Negra des Bundesstaates Puebla an. Das Projekt sollte das mexikanische Bergbauunternehmen Autlán mit Strom versorgen. Autlan, der größte Produzent von Manganerz Nordamerikas und wichtiger Zulieferer der Autoindustrie, initiierte das Wasserkraftprojekt ohne die Befragung der Nahua-Bevölkerung. Diese protestierte gegen das Projekt am Fluss Coyolapa, da sie gravierende ökologische Auswirkungen befürchtete. Der Widerstand formierte sich in Vollversammlungen mit mehreren tausend Bewohnern in der abgelegenen Bergregion. Letztlich konnten die mächtigen Lokalbehörden den Widerstand nicht brechen, das Unternehmen zog sich zurück. Kurz darauf geschah das Verbrechen gegen Rivera, einer der sichtbarsten Köpfe des Protests.

MAIZ beschreibt den Prozess gegen die Täter, der bis heute andauert. Kurz nach der Tat wurden drei Männer festgenommen und aufgrund von Aussagen von Augenzeugen angeklagt. Die drei Angeklagten standen im Dienst der Lokalbehörden unter dem damaligen Bürgermeister von Zoquitlán, Fermín González León. Zwei Jahre nach der Tat wurden sie jedoch vom Richter Mario Cortés Aldama wegen angeblich fehlender Beweise freigesprochen. Der Prozess war von Unregelmäßigkeiten begleitet, so verweigerte der Richter den indigenen Zeugen einen Übersetzer. Seit 2023 wird der Prozess neu aufgerollt, jedoch unter demselben Richter und unter noch schlechteren Vorzeichen, da „alle Zeugen mit dem Tod bedroht wurden“, so MAIZ. Trotz der Anzeigen der Morddrohungen garantiere die Staatsanwaltschaft ihre Sicherheit nicht, weshalb die Zeugen nicht vor Gericht erschienen sind.

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