So sicher wie zu Hause – persönliche Daten im Internet schützen

Bild: SocialTIC

Um die Ausbreitung des Coronavirus zu stoppen, setzten viele Regierungen auf Maßnahmen wie die digitale Kontaktverfolgung. Diese Maßnahmen brachten zum Teil starke Einschränkungen der Privatsphäre für die Bevölkerung mit sich. Von den meisten Menschen wurden diese als ihr notwendiger Beitrag zur Pandemie-Bekämpfung angesehen und akzeptiert. Doch was passiert, wenn das dabei den Regierungen und Behörden entgegen gebrachte Vertrauen missbraucht wird? Radio Matraca ist einem solchen Fall aus Deutschland nachgegangen.

Ende November letzten Jahres stürzte vor einer Mainzer Kneipe ein Mann so schwer, dass er später an den Verletzungen verstarb. Einige Tage später erhielten weitere Gäste des Lokals einen Anruf von der Polizei. Sie sollten als Zeugen aussagen. Die Kontaktdaten hatten die Beamten über die im Frühjahr 2021 zur Kontaktverfolgung beim Auftreten von Corona-Infektionen in Bars, Restaurants oder auf öffentlichen Veranstaltungen eingeführte LucaApp erhalten. Als das Anfang Januar bekannt wurde, sorgte es für Aufregung unter Datenschützer*innen. Denn die über die App gesammelten Daten dürfen ausschließlich zur Nachverfolgung von Infektionsketten durch die Gesundheitsämter genutzt werden.

Ein paar Wochen später führte das ZDF eine Umfrage unter Datenschutzbeauftragten und Staatsanwält*innen durch. Diese ergab, dass deutsche Strafverfolgungsbehörden in mindestens 100 Fällen versucht hatten, auf Daten aus der LucaApp zuzugreifen – was illegal ist. Denn das Infektionsschutzgesetz, das die Nutzung der Daten zur Kontaktverfolgung regelt, verbietet deren Nutzung zu anderen Zwecken, wie Marit Hansen, Datenschutzbeauftragte von Schleswig-Holstein in einem Interview mit dem Deutschlandfunk bestätigt.

Geburtsfehler der LucaApp

Anke Domscheit-Berg ist Mitglied des Bundestages, Digitalpolitische Sprecherin der Fraktion „Die Linke“ und deren Obfrau im Ausschuss „Digitale Agenda“. Nach einer Ausschusssitzung im März 2021, auf der die LucaApp vorgestellt wurde, warnte sie bereits in ihrem Podcast Ausschussreport vor den vielen Problemen, die der Einsatz der App mit sich bringt.

Die App verbindet sich zum Beispiel beim Einchecken jedes Mal mit einem zentralen Server und frage darüber hinaus mehr Daten ab, als gefordert sind. Domscheit-Berg wies auch darauf hin, dass Experten für digitale Sicherheit die Architektur des zentralen Servers als anfällig für Hackerangriffe einstufen. Nichtsdestotrotz setzten 13 Bundesländer die App ein und zahlten zusammen über 20 Millionen Euro Lizenzgebühren für ein Jahr.

Digitalisierter Arbeitsalltag bringt neue Gefahren mit sich

Aufgrund der Pandemie hat sich der Arbeitsalltag für Millionen Menschen verändert. Homeoffice und Videokonferenzen sind jetzt wichtiger Bestandteil der täglichen Routine. Doch mit der Nutzung von neuen Kommunikationsplattformen und Tools zur digitalen Zusammenarbeit gehen eine Reihe von Bedrohungen für die digitale Sicherheit einher. Denn bei jeder Suche, bei jedem Klick hinterlassen wir Spuren im Netz, die wertvolle Informationen sind und sich zu Geld machen lassen.

Auch in Mexiko steigt daher die Sorge um die Datensicherheit. Haydeé Quijano ist Sprecherin von SocialTIC, einer mexikanischen NGO, die sich vor allem der Aufklärung über Risiken bei der Nutzung digitaler Technologien widmet. Quijano warnt davor, beim Arbeiten am Computer nur sich und den Bildschirm zu sehen. Denn unsere Daten reisen durch ein weltweites Netz, welches von großen Firmen kontrolliert wird. Und bedauerlicher Weise vermarkten diese alles, was sie über uns erfahren. Jedes Mal, wenn wir surfen oder etwas suchen, erstellen diese Firmen ein Profil unserer Interessen. Dabei speichern sie sogar Angaben zu unserem Aufenthaltsort und zu den zum Surfen benutzten Geräten. Und all das geschieht mit Hilfe des Browsers, der Suchmaschine oder der sozialen Medien, die wir nutzen, erklärt Quijano weiter. Alle sammeln Informationen über uns. Quijano stuft das als auf Werbung spezialisierte Überwachung ein.

Schutz im digitalen Raum ist möglich

Deshalb ist es wichtig, bei allen Aktivitäten im digitalen Raum im Blick zu haben, welche Daten wir preisgeben. Ein erster Schritt ist es, herauszufinden welche Informationen wir teilen. Was ist öffentlich, was privat und was schützenswert? Wenn wir das wissen, können wir anfangen, unsere sensiblen Daten zu schützen und auch die richtigen Werkzeuge zum sicheren Surfen wählen.

Quijano empfiehlt zum Surfen einen sicheren Browser wie Firefox. Der respektiert die Privatsphäre, weil er von einer Organisation stammt, der Datenschutz wichtig ist. Chrome dagegen gehört zu Google und Google will Werbung verkaufen. Alternativen zum Suchen sind DuckDuckGo oder Brave, ergänzt Quijano. Auch diese beide Suchmaschinen respektieren die Privatsphäre und verkaufen keine Daten.

Darüber hinaus ist es wichtig zu verstehen, was es heißt, sicher im Netz unterwegs zu sein. Zuhause sorgen die Schlösser an den Türen für die Sicherheit, die Vorhänge vor den Fenstern für unsere Privatsphäre und zusammen schützen sie uns und alles, was wir in unserer Wohnung machen. Deshalb empfiehlt Quijano eine Reihe von Erweiterungen, sogenannte Plugins, im Browser zu installieren. Diese funktionierten wie die Schlösser und Vorhänge in der Wohnung und bieten uns zusätzliche Sicherheit beim Surfen im Internet.

LucaApp: Doch Einsatz bei Strafverfolgung?

Noch einmal zurück nach Deutschland. Fast wie um die schlimmsten Befürchtungen von Datenschützer*innen zu bestätigen, befürwortete die Justizministerin des Landes Brandenburg – Susanne Hoffmann – Anfang Februar die Nutzung der durch die LucaApp gesammelten Kontaktdaten durch Polizei und Justiz. Dies solle allerdings nur bei schweren Straftaten geschehen, sagte sie weiter. Die Macher*innen der App werden solche Vorschläge sicher erfreuen, denn die Mehrzahl der Bundesländer hatte die Verträge mit der Firma bereits gekündigt oder lässt sie auslaufen.

Zu diesem Thema gibt es auch einen Audiobeitrag von Radio onda

einen Audiobeitrag auf Spanisch von Radio Matraca

und einen Artikel auf Spanisch von Radio Matraca.

Service-Tipp: Mehr über digitale Sicherheit und Möglichkeiten des Schutzes im digitalen Raum könnt Ihr auf der Seite von SocialTIC erfahren. Informationen auf Deutsch findet Ihr bei Digitalcourage.

CC BY-SA 4.0 So sicher wie zu Hause – persönliche Daten im Internet schützen von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

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