Erstes interkulturelles Krankenhaus im Bau

Foto: ecupres

(Aluminé, 3. Dezember 2019, ecupres). – Im Bezirk Aluminé von Neuquén entsteht das interkulturelle Krankenhaus Ranguiñ Kien. Traditionelle Medizin und die Medizin der Mapuche werden hier Hand in Hand gehen und klassische Ärzt*innen mit traditionellen Heiler*innen zusammenarbeiten. Für Gemeinden, die nicht die westliche Medizin praktizieren, werden in Zukunft religiöse Zeremonien direkt vor ihrer Haustür angeboten, außerdem können sie dort traditionelle Kräuter und Tränke bekommen.

Das Krankenhaus wird das zweite seiner Art in Lateinamerika und das erste in Argentinien sein. Es wird in Ruca Choroi auf einer Fläche von 522 m2 gebaut werden und ist ein Gemeinschaftsprojekt des Gesundheitsamtes von Aluminé und den Mapuche-Gemeinden Aigo und Huenguihuel, die Arbeitskräfte stellen werden.

„Dies sind die Früchte von 15 Jahren gemeinsamer Erfahrung mit diesen Mapuche-Gemeinden. Auf diesem Weg nähern wir uns einer Beziehung zwischen Biomedizin und Mapuche-Medizin an. Beide haben ihren Wert und ihre Techniken. Die Idee ist, dass die beiden gegenseitig voneinander profitieren“, erklärt Fabián Gancedo, Arzt im Krankenhaus von Aluminé und zuständig für die ärztliche Versorgung auf dem Land.

Der erste Schritt war die Planung des Gebäudes, das sich auf dem Boden der Gemeinde Huenguihuel befinden wird. „Es wird Feuerstellen geben, Platz für die Heiler der Mapuche, für die speziellen Knochenheiler und für die Kräuterheiler. Außerdem wird es einen Ort für den Machi, die wichtigste Person in der Heilkunde der Mapuche, geben“, führt Gancedo aus.

Kulturelle Unterschiede

Ein Beispiel für die kulturellen Unterschiede zwischen westlicher Heilkunde und der der Mapuche ist die Orientierung der Klinikbetten nach Westen: „Der Westen, jenseits der Anden, ist für die Mapuche der Ort, an den das, was wir Geist nennen, nach seinem Tod kommt“ erklärt der Arzt. „Das hat die Patienten der indigenen Gemeinden oft belastet; es war, als würden sie auf den Tod vorbereitet werden.“

Die Eröffnung des Krankenhauses und das Zusammenspiel der beiden Heilkunden ist rechtlich in das Abkommen 169 der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) eingebettet: demnach wird das Recht der indigenen Gemeinden, ärztliche Behandlungen an ihre Traditionen und ihre Kultur anzupassen, respektiert.

Alternative Heilmethoden

Gancedo stellt sich vor, dass so ein Krankenhaus auch der traditionellen Medizin Lösungen bieten kann und stellt fest: „Bei vielen gesundheitlichen Problemen der Mapuche sind wir überfordert, weil jede Krankheit auch immer mit der Kultur zusammenhängt. Im Endeffekt erkranken die Menschen ja immer an dem, an das sie glauben.“

Lorenzo Loncón ist Kurier (werken) der Vereinigung der Mapuche von Neuquén. Außerdem ist er spezialisiert auf Pflanzen und ihren gesundheitlichen Gebrauch (lawentuchefe). Er meint: „In Argentinien können wir nicht über Machis sprechen, weil nach der Conquista der Wüste viele Anführer und deren spirituelle Vorbilder getötet wurden. Aber nicht nur Machis gab es, auch Ampifes, also Leute, die Visionen hatten. Diese wurden praktisch ausgelöscht.

Der Ursprung der Krankheiten

Die Machis müssen die Leute nur anschauen und schon wissen sie Bescheid, sie sind Spezialisten, suchen den Ursprung der Krankheit. Jede Person aus einer Mapuche-Gemeinde hat eine Ursprungskraft (newen): das kann ein Baum sein, ein Stein oder ein Stern. Der Machi kommt in Einklang mit diesem ganzen Kreislauf der Natur. Deswegen ist seine Rolle sehr wichtig, er sieht nicht nur das Physische, sondern auch das Spirituelle, während er die Ursache der Krankheit in deinem Ursprung und dem Territorium sucht. Deswegen ist das Volk der Mapuche eng damit verbunden.“

Loncón fügt hinzu: „Die Medizin der Mapuche wird weiterhin auf mündlicher Basis praktiziert. Die schnellste Art sie zu erlernen ist zuzuhören, den Geruch der Pflanzen zu riechen und sich zu merken, wozu diese gut sind.“

Über die Unterschiede zwischen der westlichen Medizin und der der Mapuche meint Loncón: „Das Grundprinzip der westlichen Medizin ist, alles zu trennen, den Mensch von der Natur und die Kultur von der Natur. Für uns gehört das alles zusammen. Über tausende von Jahren hat sich in der Medizin bewiesen, dass natürliche Heilmittel viel besser sind als chemische oder synthetische. Und außerdem sind all unsere Kulturen unterschiedlich, also muss auch die Medizin zur jeweiligen Kultur passen und jeder Kultur zugänglich sein. Die Natur macht uns dieses Angebot: sie ist den Menschen nah und wenn du sie pflegst, dann pflegt die Natur auch dich.“

Wissen teilen

„Ein weiterer Unterschied ist, dass für uns Medizin dazu da ist, geteilt zu werden, und nicht aus einem Patentsystem und immer teurer werdenden Produkten besteht. Wenn wir Wissen besitzen und einem Nachbarn helfen können, dann tun wir das, auch wenn er kein Mapuche ist.

Wir haben Pflanzen gegen Fieber die unfehlbar sind, du nimmst sie vor dem Schlafengehen und am nächsten Tag kannst du zur Arbeit oder in die Universität gehen. Ich kenne kein Medikament, das so effektiv und schnell wirkt“, schließt Loncón.

CC BY-SA 4.0 Erstes interkulturelles Krankenhaus im Bau von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

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