Mehrere Tote bei Konflikten um Stromprivatisierung

von Natasha Pitts

(Fortaleza, 24. März 2010, adital).- Im Rahmen der Konflikte rund um die unzureichende Stromversorgung der Bevölkerung durch das spanische Unternehmen Unión Fenosa ist es bisher zu zahlreichen Todesfällen in Guatemala gekommen. Am 22. März wurden fünf Personen in den Landkreisen von Ocós und San Pablo im Departement von San Marcos umgebracht. Innerhalb von weniger als drei Monaten hat der Kampf gegen die Privatisierung der Energieversorgung in San Marcos bereits sieben Menschenleben gefordert.

Carlos Noel Maldonado Barrios, 60 Jahre alt, Leonardo Maldonado, 78 Jahre, und Ana María Lorenzo Escobar, im Alter von 40 Jahren, wurden im Landkreis Ocós ermordet, nachdem sie sich gegen die Stromprivatisierung und den schlechten Service gewehrt hatten, den der spanische Stromversorger anbietet. Alle drei waren Aktivist*innen aus dem Ort Limoncitos und kämpften für die Verstaatlichung der Energieversorgung, die Verteidigung natürlicher Ressourcen wie Wasser und die Mitbestimmung der Bevölkerung.

Zu einem weiteren tödlichen Zwischenfall kam es in San Pablo, als zwei Personen versuchten, angebliche Mitarbeiter des Stromversorgers Distribuidora del Occidente (DEOCSA) daran zu hindern, Energietransformatoren zu stehlen. Nach dem Einsatz von Militäreinheiten wurde der Tod der beiden Personen festgestellt. Bis zum 23. März konnte nur Santiago Gamboa identifiziert werden.

Die vom Rat der Völker des Westens (Consejo de los Pueblos de Occidente) vorgelegte Zahl von sieben Toten in drei Monaten wurden nun von der bäuerlichen Organisation „Agrarplattform“ (Plataforma Agraria) aktualisiert, die von neun Todesopfern ausgeht. Diese beklagt außerdem, dass seit Beginn der Konflikte keine einzige Ermittlung begonnen worden sei, um die Todesumstände aufzuklären und die Verantwortlichen zu bestrafen.

Soziale Organisationen des Landes beschuldigen die Regierung Álvaro Arzú, die ehemals staatliche Stromversorgung an die spanische Unión Fenosa einfach übergeben zu haben, und beklagen, dass Staat und Behörden nicht im Sinne des Volkes, sondern gegen dieses handeln würden. „Wie lange noch werden Regierung, Parlamentarier*innen und Richter*innen anstatt auf die gerechtfertigten Klagen der Bevölkerung zu hören, weiter die nationale Souveränität an transnationale Unternehmen veräußern, ausschließlich im Interesse der Oligarchie im Land agieren und die Kriminalisierung sozialer Kämpfe erlauben?“, fragt der Rat der Völker des Westens.

Um den Konflikt zu beenden, die Rechte der guatemaltekischen Bevölkerung zu wahren und mehr Tote zu verhindern, fordert der Rat der Völker des Westens von den politischen Entscheidungsträger*innen dringend die Verstaatlichung der Stromversorgung in Guatemala. Außerdem fordert er die sofortige Umsetzung der Empfehlungen aus den Berichten der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und der Vereinten Nationen, in denen die Aussetzung der Bergbauaktivitäten im Land ebenso gefordert wird wie die Annullierung aller Lizenzen und Konzessionen zum Bergbau, die ohne Wissen und Einbezug der Bevölkerung vergeben wurden (siehe Poonal Nr. 888).

Um den Druck zu verstärken, arbeitet die Agrarplattform zusammen mit anderen sozialen Organisationen in Guatemala. Gemeinsam verfolgen sie das Ziel, die gegen die Bevölkerung gerichteten Aktionen der Regierung Álvaro Arzú anzuprangern und zu verurteilen. Die Agrarplattform fordert außerdem die Generalstaatsanwaltschaft dazu auf, die Ermittlung zu den Angriffen auf soziale Aktivist*innen zu übernehmen.

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