Lateinamerika und die Karibik besonders anfällig für Klimaveränderungen

(Fortaleza, 11. März 2009, adital-poonal).- Lateinamerika und die Karibik gehören zu den von den Folgen des Klimawandels am stärksten betroffenen Regionen der Erde. Zu diesem Ergebnis kommt der Bericht „Klimawandel und Entwicklung in Lateinamerika und der Karibik: eine Diagnose“, der am elften März von der UN-Wirtschaftskommission für Lateinamerika und die Karibik CEPAL (Comisión Económica para América Latina y el Caribe) in Chile veröffentlicht wurde.

Laut der Studie ist die Region besonders verletzlich gegenüber Klimaveränderungen, weil sie mit ihren zahlreichen Inselstaaten in einem Hurrikangebiet liege, in der Wasserversorgung für Städte und Landwirtschaft teilweise vom Schmelzwasser aus den Andengletschern abhänge und von Überschwemmungen sowie Waldbränden besonders betroffen sei. Die CEPAL empfiehlt, dass sich die Staaten Lateinamerikas auf die Anpassung an den Klimawandel konzentrieren sollten.

Eine Politik der Anpassung an den Klimawandel müsse mit Verlusten rechnen, beginnend beim Primärsektor der Rohstoffgewinnung bis hin zu den Staatsfinanzen. Die Politik müsse die wirtschaftlichen Auswirkungen von Umweltschäden wie Dürren, Überschwemmungen, Epidemien, Hitzewellen und Verlusten von Infrastruktur einplanen und beziffern. Wolle sich der Staat effektiv an den Klimawandel anpassen, müsse er die Herausforderung meistern, die Kosten zwischen privaten und öffentlichen Trägern aufzuteilen und die einzuleitenden Maßnahmen genau zu umreißen.

Der lateinamerikanische Anteil an den Treibhausgas-Emissionen ist relativ niedrig: Er macht 10,3 Prozent des weltweiten Anteils aus, wie Zahlen aus dem Jahr 2004 anzeigen. Obwohl der Anteil Lateinamerikas und der Karibik an den weltweiten Treibhausgas-Emissionen seit 1990 abnimmt, steigt der absolute Wert der Treibhausgas-Emissionen auch in dieser Region. Drei Hauptgründe identifiziert die Studie hierfür: Der gestiegene Energieverbrauch, die Landwirtschaft und die veränderte Bodennutzung, vor allem, wenn Regenwälder abgeholzt werden, um neue Nutzflächen zu erschließen. Der letztgenannte Punkt sei spezifisch für Lateinamerika, so die CEPAL. Es sei nötig, die Abholzungen zu reduzieren.

In der Studie wird weiter darauf hingewiesen, dass der Versuch, eine sauberere Industrie einzuführen, oft an der Angst scheitert, durch teurere Exportprodukte an Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren. Auf der anderen Seite „müssen die Entwicklungsländer sich darüber bewusst sein, dass eine Wettbewerbsfähigkeit, die auf den Erwerb von Treibhausgas-Emissionen basiert, beeinträchtigt wird, sobald eine Teuerung des Kohlenstoffausstoßes sich in wachsende Betriebskosten übersetzt“, so die CEPAL.

Die CEPAL hebt hervor, dass sich Lateinamerika und die Karibik in den Verhandlungen über den Klimawandel nicht angemessen einbrächten – dies trotz ihrer beschriebenen Anfälligkeit gegenüber Klimaveränderungen, ihrer Ausnahmerolle bezüglich der Abholzungen und obwohl die Länder der Region untereinander eine engere Bindung hätten, als in den meisten anderen Regionen der Erde, so die CEPAL-Kommission.

Das diese engeren Bindungen nicht beim Thema Klimawandel genutzt werden, sieht die Studie unter anderem in der Zugehörigkeit Mexikos zur OECD, sowie in der Mitgliedschaft Mexikos und Brasiliens zur G5 begründet, zu der sich die Länder im Jahr 2007 mit Südafrika, China und Indien zusammengeschlossen haben. Auf der anderen Seite hätten Lateinamerika und die Karibik schon vorher und angesichts der Heterogenität der G77 Probleme gehabt, sich effektiv in die Diskussion um den Klimawandel einzubringen. Eine regionale Position sei nicht entwickelt und ein eigener Raum für Reflektion und Informationsaustausch nicht aufgebaut worden.

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