BASF und Shell akzeptieren Millionenentschädigung

von Christian Russau

(16. März 2013, amerika21.de).- Die in Brasilien von vormaligen Arbeiter*innen verklagten Firmen BASF und Shell haben am Montag dem Schiedsspruch des Obersten Arbeitsgerichts (TST) zugestimmt. Demnach leisten beide Konzerne eine Kollektiventschädigung von 200 Millionen Reais (umgerechnet 78,5 Millionen Euro) sowie individuelle Entschädigungszahlungen für 1.068 gesundheitlich geschädigte Arbeiter*innen und deren Angehörige, in Höhe von durchschnittlich 360.000 Reais (umgerechnet 141.000 Euro), zuzüglich Inflationsanpassung und Zinsen.

Die Individualentschädigung entspricht damit laut Richtervorschlag 70 Prozent der vom Zweiten Arbeitsgericht in Paulínia im Bundesstaat São Paulo bereits im August 2008 festgelegten Entschädigungssumme. Zusätzlich sollen die beiden Konzerne die medizinische Versorgung der betroffenen Arbeiter*innen lebenslang bezahlen. Die 1.068 Arbeiter*innen hatten dem Vergleich bereits am vergangenen Freitag zugestimmt.

Die beiden Unternehmen und die brasilianische Bundesstaatsanwaltschaft für Arbeitsfragen haben jetzt zehn Tage Zeit, um die Vertragstexte aufzusetzen. BASF zeigte sich in einer in der brasilianischen Presse verbreiteten Erklärung zufrieden über die erfolgte Einigung. Im August 2010 waren BASF und Shell von dem im Bundesstaat São Paulo zuständigen Arbeitsgericht in dem Fall zu einer Gesamtstrafzahlung von 1,1 Milliarden Reais (damals umgerechnet 480 Millionen Euro) verurteilt worden. BASF hatte am 30. März 2011 Klage gegen Shell erhoben, um Shell gerichtlich zu zwingen, BASF sämtliche Schäden in dem Fall zu ersetzen.

BASF und Shell sind die früheren Eigentümer des Werks in Paulínia im Bundesstaat São Paulo, das bis 2002 Pflanzenschutzmittel für Brasiliens boomende konventionelle Landwirtschaft herstellte. Die Pestizidfabrik in Paulínia gehörte in den 1970er Jahren zu Shell, der US-Konzern American Cynamid erwarb das Werk 1995. Im Jahr 2000 übernahm BASF die rund hundert Kilometer von der Landeshauptstadt São Paulo entfernt gelegene Produktionsstätte.

Arbeiter*innen und Anwohner*innen beklagten, sie seien durch die Chemikalien vergiftet und das Grundwasser sei verseucht worden. Es ist mit krebserregenden Stoffen durchsetzt. Nach Angaben der Arbeiter*innen kam es zu mindestens 61 Todesfällen sowie zu Fällen von Krebs, Herz-und-Kreislauf- und weiteren Krankheiten auch bei Anwohner*innen. In dem Werk wurden teils hochgiftige Stoffe wie Aldrin, Endrin und Dieldrin hergestellt.

Allein die im Erdreich der Pestizidfabrik gefundenen Werte des Pestizids Aldrin überstiegen die Richtwerte um das 860-fache. Aldrin ist ein Insektizid, das gegen Termiten oder Heuschrecken eingesetzt wurde. Seit 2004 ist es weltweit verboten.

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