Deutschland Mexiko

Wir dokumentieren: Hambi bleibt! Brief von Mexiko nach Deutschland


Foto: Educaoaxaca

(Oaxaca-Stadt, 27. September 2018, educaoaxaca).- Am 20. September erhielten wir die Nachricht vom Tod des Journalisten Steffen Horst Meyn, welcher in Beechtown, einem kleinen Walddorf bestehend aus Baumhäusern im Hambacher Forst, starb. Er stürzte, als er versuchte die Räumungsaktion eines Sondereinheitskommandos zu dokumentieren. Zweck der Räumung – die komplette Zerstörung des Hambacher Forsts zu Gunsten der größten Braunkohlemine Europas.

Aus mexikanischer Sicht verurteilen wir die Gewalt, welche die deutsche Regierung gegen die Menschenrechts- und Umweltaktivist*innen einsetzte, um ihre Interessen umzusetzen. Ein derartiger Umgang mit Konflikten beweist einen eindeutigen Rückschritt in der Entwicklung unserer heutigen Gesellschaft. Wir können nicht zulassen, dass internationale Vereinbarungen, wie zum Beispiel das Pariser Klimaabkommen, aufgrund von Gewinninteressen der Wirtschaft zunichte gemacht werden.

Unter den gravierenden Umständen des Klimawandels wird weiterhin über Möglichkeiten debattiert, wie dieser Situation auf die beste Weise begegnet werden kann. Eine der Punkte in der Agenda der Energiedebatte ist, dass der Energieverbrauch einiger Länder zu einer beschleunigten Zerstörung des Planeten führt.

Der Fall des Hambacher Forsts hat gezeigt, dass die deutsche Regierung der Kapitalgewinnung durch den Abbau von Rohstoffen deutlich mehr Priorität beimisst als den Wünsche oder den Interessen der Gesellschaft oder dem Naturschutz. Die Harmonisierung von Finanzierung, der Bewilligung durch die Bevölkerung und die Verwendung von nachhaltigen und weniger schädlichen Technologien zum Abbau der Rohstoffe muss bei der Gewinnung von Rohstoffen gleichermaßen berücksichtigt werden.

Die Verwendung von nachhaltigen Energiequellen muss in Einklang stehen mit dem Einbeziehen der Bevölkerung und einer möglichst umweltschonenden Technologie. Wir – die wir in Oaxaca, einem Bundesstaat in Mexiko – leben, kämpfen bereits seit einiger Zeit mit den gesellschaftlichen Konflikten hervorgerufen durch den ewigen Disput zwischen Kapitalismus, Naturschutz und der Ausbeutung unserer Bevölkerung [insbesondere „grüne“ Energieprojekte wie Staudamm- und Windkraftprojekte, ohne dass die indigene Bevölkerung um ihre Zustimmung gebeten wird]. Die ausnahmslose Unterstützung unserer Regierung von Projekten zur Förderung von erneuerbaren Energien und die fehlende Rücksicht auf Menschenrechte und indigene Rechte verschärfen diesen Konflikt nur noch mehr. Zudem kritisieren wir die Vorgänge im mexikanischen Staat Coahuila, wo dutzende Minenarbeiter 2006 in einer Kohlenmine im Besitz des Unternehmens „Grupo México“ verschüttet und bis heute nicht geborgen wurden.

Diese Umweltkonflikte, welche durch den fehlenden Dialog und Konsens in unseren Gesellschaften vorangetrieben werden, stellen eine Rückentwicklung unserer demokratischen Gesellschaften dar.

Aus diesem Grunde:

– Drücken wir unsere Solidarität mit allen Menschenrechts- und Umweltaktivist*innen des Hambacher Forst aus.
– Verlangen wir von den deutschen Regierung, dass sie einen Dialog mit AktivistInnen zur gegenseitigen Verständigung aufnehmen.
– Verlangen wir von den Behörden, dass sie das Leben der Menschenrechts- und
Umweltaktivist*innen und der Journalist*innen garantieren und respektieren, sowie die
Sicherheit und das Recht der Bevölkerung.

Oaxaca, Mexiko den 27. September 2018.

Teilnehmer*innen des Seminars über Soziale Bewegungen und Strategien zur Verhinderung der
Ausbeutung durch die Extraktion von Rohstoffen.

Servicios para una Educación Alternativa EDUCA A.C.
Red de Defensoras y Defensores Comunitarios de los Pueblos de Oaxaca (REDECOM).
Organización comunitaria Monapaküy.
Centro de Derechos Humanos Tepeyac.
Preparatoria Comunitaria José Martí.
Organización Indígena de Derechos Humanos de Oaxaca (OIDHO) A.C.
Comité de Defensa de Derechos Indígenas (CODEDI) A.C.
Ojo de Agua Comunicación.
Pobladores Oaxaca.
Asamblea de Pueblos del Istmo en Defensa de la Tierra y el Territorio.
Unión de Comunidades Indígenas de la Zona Norte del Istmo (UCIZONI)A.C.
Comité de familiares de Pasta de Conchos, Coahuila.
Grupo de trabajo CLACSO Fronteras, regionalización y globalización en América.

CC BY-SA 4.0 Wir dokumentieren: Hambi bleibt! Brief von Mexiko nach Deutschland von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Das könnte dich auch interessieren

Gerichtsurteil: Tiefschlag für Volksbefragungen
6
(Bogotá, 12.Oktober 2018, colombia informa).- Das kolumbianische Verfassungsgericht hat ein Urteil zu Gunsten des multinationalen Konzerns “Mansarovar Energy” gefällt. Das Verfassungsgericht hat beschlossen, dass von Bergbauprojekten betroffene Gemeinden in Zukunft keine Volksbefragungen mehr verwenden können, um Projekte zu verhindern, die zum Ziel haben, Mineralien abzubauen oder Erdöl zu fördern. Das Hohe Gericht billigte mit 5:1 Stimmen den Vortrag von Richterin Cristi...
onda-info 441
114
Mit Nachrichten aus Kolumbien, Mexiko und Zentralamerika. Und zwei Beiträgen aus Argentinien und Chile. In der rohstoffreichen Provinz Chubut in Patagonien soll radioaktives Uran gefördert werden. In der Nähe von Buenos Aires ein Atomkraftwerk entstehen. Was das mit dem G20-Gipfel im November und den Rechten der indigenen Mapuche zu tun hat, darüber berichtet unser aktueller Beitrag aus der Reihe "Menschenrechte und Unternehmen", einer Kooperation mit dem FDCL. Demokratisch...
Megaminería in Patagonien. Auf Spurensuche in Chubut
74
Im argentinischen Patagonien schwelt seit vielen Jahren der Konflikt zwischen staatlicher Energiepolitik, Profitinteressen von Unternehmen und der lokalen Bevölkerung, die für ihre Rechte kämpft. Nachdem sich Bürgerinitiativen erfolgreich gegen verschiedene Bergbau-Projekte in der Provinz Chubut gewehrt haben, soll der russische Staatskonzern Uranium One dort nun im Auftrag der argentinischen Regierung hochradioaktives Uran gewinnen – mit gravierenden Folgen für Mensch und Um...
Fotoreportage: „Die Niemande“ aus La Guajira, Kolumbien
74
(Bogotá, 26. Juli 2018, Colombia Informa/desinformémonos/poonal).- Die Halbinsel Guajira liegt auf der Grenze zwischen Kolumbien und Venezuela und wird von der größten indigenen Gruppe Kolumbiens, den Wayúu bewohnt. Die Landschaft ist sehr trocken, Trinkwasser ist auf der Guajira knapp und es herrschen starke Winde. Das einzige Wasser in der Region, kam -bis zur Fertigstellung des Staudamms Cercado im Jahr 2010- von dem Fluss Ranchería. Seit diese Wasserversorgung gekappt ist...
Cool Killers: Pestizide in Brasilien
183
Brasilien ist der weltweit größte Konsument von Agrargiften. Pesti-, Herbi-, Fungizide überall. Pro Kopf nimmt jede Einwohnerin und jeder Einwohner jährlich 7,3 Liter der Chemikalien zu sich. Unbemerkt, einfach so beim Essen. Damit der Bevölkerung nicht der Appetit vergeht, fährt die Agrarindustrie seit 2016 die Marketingkampagne Agro é Pop. Die Botschaft: Pestizide sind cool!  Intensive Landwirtschaft ist modern und gut für alle. Mit der Realität hat diese PR-Kampagne nur we...