Paraguay

Rechter Regierungskandidat gewinnt knapp


Abdo Benítez

Der 46-jährige Abdo Benítez gilt als Erbe der Stroessner-Diktatur. Trotz seines knappen Wahlsieges behauptete er: „Das Volk hat für die Einheit gestimmt, nicht für die Spaltung“. Foto: Telesur

(Berlin, 26. April 2018, poonal).- In Paraguay hat Mario Abdo Benítez die Präsidentenwahl knapp gewonnen. Der 46-Jährige Kandidat der regierenden rechtskonservativen Colorado-Partei holte bei der Wahl 46,5 Prozent der Stimmen. Efraín Alegre von der Mitte-Links-Koalition Ganar kam auf 42,7 Prozent. Abdos Vater war der Privatsekretär von Diktator Alfredo Stroessner (1954-1989). Abdo selbst sagte, Stroessner habe „viel für das Land“ getan, distanzierte sich aber von den Menschenrechtsverletzungen unter dessen Herrschaft. Abdo ist erklärter Abtreibungsgegner und spricht sich gegen gleichgeschlechtliche Ehen aus. Er ist Unternehmer und hat im Wahlkampf versprochen, die Korruption zu bekämpfen und keine Steuern zu erhöhen. Es wird erwartet, dass er die wirtschaftsliberale Politik seines Vorgängers Horacio Cartes fortsetzen wird.

Betrugsvorwürfe von der Opposition

Der Mitte-Links-Kandidat Alegre verlangte am 24. April einen Stopp der Stimmenauszählung und weigerte sich, den Wahlsieg von Abdo Benítez anzuerkennen. Er hatte überraschend nur um wenige Prozentpunkte verloren. Unter anderem wurde er von Ex-Präsident Fernando Lugo unterstützt, der 2012 in einem höchst umstrittenen Verfahren des Amtes enthoben worden war.

Paraguay gehört zu den ärmsten Ländern Südamerikas mit extrem ungleicher Landverteilung. Zwei Prozent der Bevölkerung besitzen mehr als 80 Prozent des fruchtbaren Bodens. Rund ein Viertel der sieben Millionen Einwohner*innen gelten als arm. Auch knapp 30 Jahre nach Ende der Militärdiktatur ist die Demokratie in Paraguay noch schwach. Wählerbeeinflussung und Stimmenkauf sind vor allem auf dem Land an der Tagesordnung. Korruption und Vetternwirtschaft bestimmen große Teile der öffentlichen Verwaltung.

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