Brasilien Peru

Mashco-Piro leiden unter Drogenhandel


von Alberto Gonzáles Zamora*

Die Mashco-Piro in Peru. Foto: Servindi/Heinz Plenge Pardo(Lima, 06. März 2014, servindi).- Eine im Wald des peruanischen Grenzgebietes zu Brasilien in freiwilliger Isolierung lebende große Gruppe der Mashco-Piro hat unter dem Ansturm des Drogenhandels zu leiden. Dieser hat durch das Gebiet der Indigenen eine neue Route angelegt, auf der sogenannte „Mochileros“ Drogen nach Brasilien transportieren. Die Route durchquert auch den ausgedehnten Nationalpark Alto Purús – er hat sich zum letzten Zufluchtsgebiet für Hunderte von Indigenen entwickelt, die entweder nicht kontaktiert sind, oder in erstem Kontakt mit der peruanischen Mehrheitsgesellschaft stehen.

Existenz der Indigenen bestritten, um Projekte durchzusetzen

Regierungsvertreter*innen und Unternehmer*innen bestreiten immer wieder die Existenz der hier lebenden indigenen Völker. Das Motiv ist leicht zu durchschauen: Für die Ausbeutung von Gas und Öl im Amazonasgebiet sollen Konzessionen vergeben werden. Bilder und Videos, auf denen die Indigenen zu sehen sind, ignorieren die Befürworter*innen der Erschließung von Rohstoffvorkommen.

Die Anthropologin Beatriz Huertas, Expertin für isoliert lebende indigene Völker, erklärt: „Die Mashco-Piro flohen vor dem gewaltsamen Kautschuk-Boom, der von 1890 bis 1910 Besitz von der Region ergriff.“ Während der Monate Juni und Juli suchten die Indigenen die Strände der Flüsse auf, um Schildkröteneier zu sammeln, Früchte zu ernten oder Affen zu jagen. Das Leben der Indigenen hängt vom Wald und den Flüssen ab. Huertas glaubt, dass durch die Zunahme illegaler Aktivitäten wie Holzeinschlag und Drogenhandel auch die Sichtungen isoliert lebender Indigener zunimmt. Die Mashco-Piro reagieren auf die Eindringlinge aggressiv. In einigen Fällen wurden Häuser und Kontrollposten niedergebrannt. Beatriz Huertas fordert vom peruanischen Staat, dass er seiner Verantwortung gerecht werden und ein Zusammentreffen von Indigenen und Eindringlingen verhindern müsse. Gewalt sei sonst fast vorprogrammiert.

Ansteckung mit Krankheiten der Eindringlinge

Ein weiteres Problem bestehe darin, dass einer möglichen Ansteckung von Indigenen mit Krankheiten nicht vorgebeugt werde. Schon eine simple Grippe kann für Indigene tödlich ausgehen. Der Kontakt mit den Arbeiter*innen der Kautschukindustrie hatte seinerzeit Hunderte von isoliert lebenden Indigenen das Leben gekostet.

Die peruanische Gesetzgebung hat fünf Schutzgebiete für in freiwilliger Isolierung lebende indigene Völker geschaffen. Ein Gesetz aus dem Jahr 2006 erkennt zwar ihre Existenz und ihre Verwundbarkeit an, enthält aber keine Maßnahmen, um die Rechte auf Leben, Selbstbestimmung und Unantastbarkeit indigenen Landes zu garantieren. Kritiker*innen halten es für einen Hohn, dass der Staat erst Schutzgebiete schafft, um sodann Konzessionen zur Ausbeutung von Rohstoffen zu erteilen. Am 9.August 2013, dem Internationalen Tag der indigenen Völker, gab die peruanische indigene Interessenvertretung Pacto de Unidad de Organizaciones Indígenas eine Erklärung heraus, in der die Regierung in Lima dazu aufgefordert wird, auf die umstrittene Ausweitung der Erdölförderung des sogenannten Camisea-Projekts im Departamento Cuzco zu verzichten. Andernfalls werde man internationale Instanzen anrufen. Der peruanische Staat habe die Schutzbestimmungen der Vereinten Nationen für isoliert lebende indigene Völker einzuhalten. Mindestens fünf Völker wären von dem Projekt betroffen.

*Alberto Gonzáles Zamora ist ein auf indigene und Umweltthemen spezialisierter Journalist

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