Venezuela

Kaffeefabrik wird verstaatlicht


von M. Daniljuk

(Darmstadt, 15. Juni 2009, amerika21.de).-

Deutsches Unternehmen Cafea soll ausbezahlt werden. Die Produktion wird durch die Arbeiter*innen selbst verwaltet

Die vor kurzem von der Belegschaft besetzte Kaffeefabrik des deutschen Unternehmens Cafea (vgl. Poonal 847) nimmt die Produktion wieder auf. Nach Angaben von Eduardo Saman, Minister für Handel, wurde die Fabrik im Südwesten Venezuelas von der Belegschaft reaktiviert. Die Wiederaufnahme der Produktion sei der erste Schritt, um die Firma in ein Unternehmen sozialer Produktion (EPS) umzuwandeln. Saman diskutierte die Situation des Unternehmens gestern in der Fernsehsendung Àlo, Presidente mit Hugo Chávez. Ein zentrales Argument in der Diskussion war die Exportorientierung des Unternehmens. Saman betonte, dass die Anlage bisher nur für das Ausland produziere. Dabei hätte Cafea das Währungsgefälle ausgenutzt, um Gewinne zu machen.

Chávez kündigte an, dass die Anlage dem deutschen Unternehmen Cafea abgekauft werde. Der venezolanische Staat übernehme die Kosten für die Anlage und die Maschinen, die Belegschaft werde den Produktionsprozess modernisieren und die Kosten senken. Vor dem Fernsehpublikum erläuterte der Präsident, dass der Staat die Möglichkeiten hat, den Produktionsprozess im Austausch mit den Arbeiter*innen so zu reorganisieren, dass das Unternehmen zukünftig stärker an den Bedürfnissen der venezolanischen Bevölkerung ausgerichtet ist.

„Diese Kaffeefabrik ist eine Technologie zur Herstellung von Instant-Kaffee, also keinem guten Kaffe wie es notwendig wäre. Aber sie ist hier mit ihrer Belegschaft. Jetzt sollten wir die Technologie im Sinne eines sozialistischen Modells umstellen. Wenn es in Deutschland, USA oder Russland eine Nachfrage nach diesem Kaffee gibt, bauen wir anschließend eine weitere Anlage für die Unterstützung von Ländern, die diese Produkte benötigen“ sagte er.

Die Belegschaft hatte die Fabrikanlage am 25. April besetzt, nachdem die Produktion seit Dezember 2008 stillstand und die Entlassung von 80 Mitarbeiter*innen drohte. Unter der Parole „Unternehmen geschlossen, Unternehmen besetzt!“ forderten die Mitarbeiter*innen, dass die Anlage verstaatlicht und in Selbstverwaltung weiter betrieben wird. Das deutsche Unternehmen Cafea hatte die Anlage 1999 im Rahmen der Privatisierung erworben und in der Anlage Kaffeebohnen zu gefriergetrocknetem Kaffee verarbeitet. Bis dahin war das 1976 gegründete Unternehmen in Besitz des venezolanischen Staates.

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