Lateinamerika

Jede Minute stirbt eine werdende Mutter


von Lucía Lagunes Huerta

(Mexiko-Stadt, 27. Mai 2010, cimac).- Lateinamerika und die Karibik weisen bei jungen Mädchen zwischen 13 und 15 Jahren die höchste Schwangerschaftsrate auf. Gleichzeitig kommt es in dieser Region, gemessen am weltweiten Durchschnitt, fünfmal häufiger vor, dass Mütter infolge der Geburt sterben, bekräftigte Socorro Gross, die stellvertretende Direktorin der Panamerikanischen Gesundheitsorganisation OPS (Organización Panamericana de la Salud).

Vor 70 weiblichen Führungskräften aus Lateinamerika und der Karibik, die am 27. und 28. Mai an einer Regionalkonferenz für Frauen in Führungspositionen (Conferencia Regional de Mujeres Líderes) teilnahmen, sagte Gross: „Der Tod von schwangeren Frauen ist für uns so alltäglich geworden, dass wir uns nicht einmal mehr fragen, ob die Sterblichkeitsrate noch akzeptabel ist.“

Die Antwort hierauf laute: „Der Tod werdender Mütter ist ein ethisches Verschulden an Menschen- und Entwicklungsrechten. Heutzutage verfügen wir über Technologien, mit denen wir Millionenbeträge in Sekundenschnelle von einem Ende der Welt bis an das andere übertragen können“, bekräftigte Marcela Suazo, Regionaldirektorin für Lateinamerika und die Karibik des Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen UNFPA (United Nations Fund for Population Activities). Daher gebe es keine Entschuldigung dafür, dass jede Minute eine Frau an den Komplikationen ihrer Schwangerschaft sterbe, so Suazo. Sie ergänzte, dass sich 99 Prozent der Todesfälle von Schwangeren in Entwicklungsländern ereigneten. Eine Tatsache, die auf die Ungleichheit der Gesundheitsversorgung aufgrund von Hautfarbe, Herkunft und Lebensraum verweise.

Armut, mangelnde Bildung, frühes Heiraten und der begrenzte Zugang zu Verhütungsmitteln sind die Hauptursachen für die hohe Sterblichkeit unter jungen Müttern. Dies sind die Ergebnisse einer Studie, die in Bolivien, Ecuador, Peru und Kolumbien durchgeführt wurde. Dabei seien arme Frauen einem dreifach höherem Sterberisiko ausgesetzt, so Suazo. Norma Añaños, die stellvertretende Ministerin für Frauen und soziale Entwicklung in Peru, erinnerte daran, dass sich ein Viertel der Todesfälle bei Schwangeren allein dadurch vermeiden ließe, dass man unerwünschte Schwangerschaften verhindere. Es erfordere keine Millionenbeträge, das Leben von Müttern zu retten, deutete Añaños an. Jeder in die Familienplanung investierte Dollar bewirke das gleiche wie 31 in Gesundheit, Wasserversorgung, Bildung und Behausung investierte Dollar.

Die vorgestellten Daten seien nur ein Teil der Ergebnisse, die von den Staatschefs im kommenden September in einem Bericht zu ihren Fortschritten bei der Zielerreichung der Entwicklungsziele der MDGs (Millennium Development Goals) bekannt geben werden sollen. Im Bezug auf die MDGs, sagte Suarez, die Erfüllung des fünften Zieles zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung der Mütter liege noch in weiter Ferne. Die Zielvorgaben könnten in Lateinamerika und der Karibik bis 2015 nicht erreichen werden.

Hauptziel der Zusammenkunft der weiblichen Führungskräfte sei es, so Suazo, das Schweigen bezüglich des Themas Müttersterblichkeit zu brechen und die Stimmen der teilnehmenden Frauen für die Verbesserung der Situation aller Frauen in der Region zusammenzubringen. Das Treffen wurde von der regionalen Arbeitsgruppe organisiert, die 1998 gegründet wurde um die Müttersterblichkeitsrate zu reduzieren. Auf der Konferenz, die einen Tag vor dem Internationalen Aktionstag für Frauengesundheit stattfand, sollten Beschlüsse gefasst werden, die auf der nächsten weltgrößten Konferenz für Müttergesundheit („Women deliver“) vorgetragen werden sollen, erklärte Suazo.

Mit der Bekanntgabe von getroffenen Vereinbarungen und Deklarationen beendeten Frauen in Führungspositionen aus Bolivien, Brasilien, El Salvador, Ecuador, Guatemala, Guyana, Honduras, Haiti, Mexiko, Paraguay und Peru die Konferenz.

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