Lateinamerika

IV. Gipfel indigener Völker Lateinamerikas rückt näher


(Fortaleza, 30. April 2009, adital).- Vom 27. bis 31. Mai wird die Region Puno in Peru Schauplatz für Ideen, Debatten, Alternativen und Forderungen der indigenen Völker sein. Dann findet in Puno der IV. Gipfel Lateinamerikas der indigenen Völker und Nationalitäten der Abya Yala statt. Gleichfalls wird der erste Gipfel der indigenen Frauen, das zweite Treffen der indigenen Jugend sowie das Zusammenkommen indigener Kinder stattfinden.

Die Andenkoordination Indigener Organisationen CAOI (Coordinadora Andina de Organizaciones Indígenas) ist Veranstalter des Treffens. Adital hat sich mit Miguel Palacín Quispe, Hauptkoordinator der Organisation, über den Gipfel unterhalten

Frage: Wie steht es um die Vorbereitungen für den IV. Gipfel und wieviele Menschen werden voraussichtlich teilnehmen?

Miguel Palacín: Wir befinden uns mit den Vorbereitungen im Endspurt. Die Programme sind festgelegt, sowohl die der Veranstaltungen im Vorfeld sowie des eigentlichen Lateinamerikagipfels der indigenen Völker und Nationalitäten Abya Yala. Es gibt einen großen Enthusiasmus in den Organisationen sowie bei den Behörden in Puno. Wir kalkulieren, dass ungefähr 5.000 Menschen am Gipfel teilnehmen werden.

Frage: Die Rechte von Indígenas, der Kampf um Land, die Wahrung der Menschenrechte, die Einhaltung von Übereinkünften: habt ihr im Vorfeld des IV. Gipfels ausgewertet, ob es Fortschritte auf diesen Gebieten gibt?

Miguel Palacín: Es gibt zwei Blickwinkel auf diese Themen. Von Seiten der Staaten, der multinationalen Konzerne und der internationalen Finanzeinrichtungen werden indigene Rechte und die Mutter Erde angegriffen, sowie die Menschenrechte ständig verletzt. Das macht unseren Kampf und unsere Beweggründe für ihn aus. Auf der anderen Seite stehen unsere Organisationen, die mit ihrem Kampf die Verabschiedung der UN-Deklaration der Indigenen Völker erreicht haben, sowie Staaten brandmarken, die bestehende Rechte verletzen. Darüber hinaus machen wir den kommunalen Kampf angesichts der Landbesetzungen und deren Auswirkungen sichtbar. Wir befinden uns also an einem kritischen Punkt, und wir werden noch merken, ob es in Richtung Auferlegung externer Maßstäbe geht oder in Richtung Respektierung unserer Rechte, der Menschenrechte sowie Einhaltung der Gesetzesvereinbarungen.

Frage: Man kann immer noch beobachten, dass die Organisierung der indigenen Völker in verschiedenen Ländern an Stärke gewinnt. Wie erklärst du das?

Miguel Palacín: Die Öffentlichkeitsarbeit der indigenen Gemeinden findet organisiert statt, von lokaler Ebene aus bis hin zur regionalen, nationalen und subkontinentalen. Was uns von den indigenen Völkern anderer sozialer Bewegungen unterscheidet, sind unsere natürliche Präsenz und unsere eigene Symbolik. Wir gelangen von unserem Widerstand und unserer kulturellen Flexibilität hin zu Konstruktivität und Protagonismus, das alles mit unseren eigenen Behörden und unserem eigenen Publikationsapparat.

Frage: Wie bewertet ihr die Tätigkeit der Staaten in Bezug auf die Rechte indigener Völker?

Miguel Palacín: Die Staaten waren seit dem Moment ihrer Gründung Aggressoren, diesen Charakter haben sie bis heute nicht verloren. Als indigene Völker stellen wir den Staat an sich nicht in Frage, sondern seine Praxis. Niemals haben die Staaten uns Wohltaten zukommen lassen oder Gesetze zu unserem Wohl erlassen, ohne dass dies ohne Gewalteinsatz und dem Ausüben von Druck geschehen wäre. Diesen Staat wollen wir ändern.

Frage: Warum ist es wichtig, einen Frauengipfel innerhalb des Gipfels der indigenen Völker zu veranstalten?

Miguel Palacín: Dieser Frauengipfel ist außerordentlich wichtig, weil wir als indigene Völker vom Gleichgewicht sprechen. Im Inneren unserer Organisationen ist die Stärkung der Präsenz der Frauen in den Kadern der nationalen und internationalen Leitung notwendig, um das Prinzip der Gleichheit zu erfüllen. Der erste Gipfel der Frauen ist wichtig, damit unsere Schwestern mit eigener Stimmer inner- wie außerhalb der Organisation unsere Vorschläge vertreten können.

Frage: Wie steht es in Lateinamerika um den Zusammenschluss indigener Frauen?

Miguel Palacín: Es ist ein langsamer Prozess, aber die Leute sind sehr engagiert. Es sind die Frauen, die die meisten Auswirkungen der neoliberalen Politik erleiden. Und wenn sie eine Grenze überqueren, finden sie die selbe Situation vor. Von da an taucht die Notwendigkeit auf, sich zusammenzuschließen. Deshalb sind es die erfahreneren Organisationen in der CAOI, die an der Integration aller anderen Organisationen arbeiten. Und dieser kontinentale Gipfel wird die beste Möglichkeit sein, damit unsere Schwestern eine Agenda und ein politisches Auftreten festlegen.

Frage: Was für Beiträge kann der IV. Gipfel für die historischen Kämpfe der indigenen Völker erzeugen?

Miguel Palacín: Der Gipfel wird ein entscheidender Schritt in dem Prozess sein, sich kollektiv zu verbinden und Vorschläge der indigenen Bevölkerung in Lateinamerika zu erschaffen. im Prozess zur kollektiven Verbindung und Schaffen von Vorschlägen der indigenen Bewegung in Lateinamerika. Und er wird vor allem ein politischer Beitrag und eine Nachricht an die Staaten, internationalen Institutionen und Völker der Welt sein, da wir die globalen Themen aus unserer Sicht diskutieren werden. Die Eckpfeiler sind der Klimawandel, die Transformation der Staaten und Alternativen angesichts der wirtschaftlichen und politischen Krise, der Nahrungsmittel- und der Umweltkrise. Der Gipfel wird helfen, unsere Vorschläge mit einer Stimme in die ganze Welt zu tragen.

CC BY-SA 4.0 IV. Gipfel indigener Völker Lateinamerikas rückt näher von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.


Das könnte dich auch interessieren

Indigene Rechte: Zum Tag des Widerstands Viele, vor allem europäisch stämmige Nord- und Lateinamerikaner*innen, sehen im 12. Oktober bis heute einen Feiertag für die „Zivilisierung“ und Missionierung des Kontinents. In Spanien ist der Tag, an dem Christoph Kolumbus vor 525 Jahren auf den amerikanischen Kontinent traf, Nationalfeiertag; aber auch in fast allen amerikanischen Ländern wird der 12. Oktober als Tag des "Hispanischen", als Kolumbus-Tag, als Tag des Kontaktes zweier Kulturen oder, weniger schön, als Tag de...
Aufklärung des Mordes an Berta Cáceres? Sie musste ihren Kampf mit dem Leben bezahlen. Am Grab der Menschenrechtsaktivistin Berta Cáceres. Foto: Erika Harzer Am 2. März 2016 wurde Berta Cáceres in La Esperanza, Intibucá, Honduras, ermordet. Auftragskiller erschossen die weit über ihre Landesgrenzen hinaus bekannte Feministin, Menschenrechts- und Umweltaktivistin und Anführerin des Rates der indigenen Völker von Honduras COPINH. Mehr als 16 Monate sind seitdem vergangen. Acht Verdächtige sitzen in Untersuchungsh...
onda-info 409 Hallo und willkommen zum onda-info 409! Wir haben gleich drei schicke Beiträge für euch! Kolumbien: Über 300 Seiten ist er dick, der Friedensvertrag, den die kolumbianische Regierung und FARC-Guerilla ausgehandelt haben. Doch der Weg zu einem wirklichem Frieden ist weit. Helfen sollen dabei  Community Radios. Wie das geht? Wir haben uns bei Radiomachenden vor Ort umgehört. Costa Rica: Das kleine Land lebt von seinem Öko-Image. Doch Dank Globalisierung und Freihandel ist C...
Indigene Marathongewinnerin mit Rock und Sandalen Die 22-jährige Indigene María Lorena Ramírez gewinnt einen Marathonlauf in Sandalen und Rock. Foto: Servindi (Lima, 22. Mai 2017, servindi/hispantv).- Es ist eines der Bilder, von denen ganz Mexiko spricht: Eine junge Indigene hat den Bergmarathon in der Gemeinde Cerro Rojo, im Bundesstaat Puebla gewonnen. Und das ganz ohne professionelle Ausrüstung: ohne Sportschuhe, ohne speziellen Läufergürtel für Verpflegung und Getränke, sondern nur bekleidet mit einem Rock und einfa...
onda-info 407 especial – vom Panamazonischen Sozialforum in Tarapoto! Hallo und willkommen zum onda-info 407! Diesmal aus Tarapoto, Peru! Hier fand Ende April das achte Panamazonische Sozialfourm statt. Und onda war dabei! Die Veranstaltung lockt Teilnehmende aus allen neun Staaten an, die ein Stück des Amazonas-Gebietes beanspruchen: Brasilien, Ecuador, Kolumbien, Bolivien, Venezuela, Guyana, Französisch-Guyana, Surinam und natürlich das Gastgeberland Peru. Das Motto lautete diesmal: Wir folgen dem Ruf des Waldes. Fast 2.000 Indigene und ander...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.