Brasilien

Hohe Anzahl von Geburten per Kaiserschnitt wird überprüft


(Buenos Aires, 09. Juni 2010, púlsar).- Der Nationale Rat für Medizin beginnt diese Woche eine landesweite Untersuchung, um die Ursachen der extrem hohen Rate von Kaiserschnitten in Brasilien zu klären. Daten des Gesundheitsministeriums von 2008 zeigen, dass 43 Prozent der Geburten im Land mittels Kaiserschnitt durchgeführt werden. Die Weltgesundheitsorganisation hingegen empfiehlt, dass dieser chirurgische Eingriff die Rate von 15 Prozent nicht übersteigen sollte. In den Einrichtungen de kostenlosen öffentlichen Gesundheitsversorgung SUS (Sistema Único de Saude) liegt die Quote laut einer internen Erhebung vom vergangenen Jahr bei 34 Prozent. Bei den privaten Krankenhäusern hingegen liegt die Quote der Kaiserschnitte bei rund 80 Prozent aller Geburten.

Die Gynäkolog*innen und Geburtshelfer*innen werden einen Online-Fragebogen beantworten, in dem es um technische Faktoren und die Gebühren für die verschiedenen Geburtsmethoden geht. Außerdem wird erfragt, wie die werdenden Mütter zu natürlichen Geburten motiviert werden können. Nach Meinung von Fernando Maia Vinagre, Koordinator der Kommission für Natürliche Geburten und verantwortlich für die Untersuchung, gibt es Hinweise darauf, dass die hohe Anzahl von Kaiserschnitten in Brasilien auf bestimmte Faktoren und Regeln im Gesundheitssystem zurückzuführen sind. Vinagre nennt unter anderem die Bezahlung für chirurgische Eingriffe, die Planungsweise von Krankenhäusern und Ärzt*innen sowie die Desinformation der Patientinnen.

Vinagre plädiert dafür, dass Kaiserschnitte nur dann vorgenommen werden sollten, wenn sie medizinisch notwendig seien, um Gefahren für die Mutter und das Kind vorzubeugen. Die Untersuchung, so Vinagre, werde zeigen, ob die genannten Faktoren der Realität entsprechen und in welchem Maß sie auf die Entscheidungen der Schwangeren Einfluss nehmen. Insgesamt sollen 16.163 Mediziner*innen der Brasilianischen Vereinigung der Gynäkolog*innen befragt werden. Das Ergebnis der Untersuchung soll bis September dieses Jahres vorliegen.

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