
(Havanna, 4. November 2025, brasil de fato).- Knapp eine Woche, nachdem in Kuba der Wirbelsturm Melissa tobte – manche Gebiete stehen immer noch komplett unter Wasser -, sind weiterhin mehr als 120.000 Menschen in Evakuierungszentren oder bei Verwandten untergekommen.
Am 4. November wurden elf Bewohner*innen der Ortschaft Altagracia von Notfallteams gerettet, die immer noch in der Gegend tätig sind, während das Hochwasser der Flüsse weiterhin verschiedene Gemeinden beeinträchtigt.
Der als „extrem gefährlich“ eingestufte Hurrikan erreichte das Land in den frühen Morgenstunden des 29. Oktobers. Er befand sich beinahe sieben Stunden lang über kubanischem Territorium, mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 200 Kilometern pro Stunde und Regengüssen, die in manchen Gebieten eine Ergiebigkeit von über 40 cm hatten.
Laut vorläufiger Daten des Nationalen Verteidigungsrats wurden mehr als 45.000 Wohngebäude ganz oder teilweise zerstört. Die Gesundheits- und Bildungssysteme der östlichen Provinzen waren ebenfalls stark getroffen: Mehr als 460 medizinische Einrichtungen wie Krankenhäuser, Gesundheitsstationen und Apotheken sowie mehr als 1.500 Schulen wurden stark beschädigt.
Landwirtschaftliche Anbauflächen von mehr als 78.000 Hektar wurden zerstört, und das vor dem Hintergrund einer andauernden – durch das von den USA verhängte Embargo noch verschärften – Wirtschaftskrise. [Das Embargo ist seit 1960 in Kraft, Anm. d. Übers.]
Trotz der Stärke des Wirbelsturms hat Kuba bis jetzt kein einziges Todesopfer zu verzeichnen. Die frühzeitige Aktivierung des Systems zur Massenevakuierung – die es erlaubte, vorbeugend über 800.000 Menschen aus den Risikogebieten vorübergehend umzuquartieren – ermöglichte es, trotz der schwierigen Bedingungen dem Verlust von Menschenleben vorzubeugen.
Solidarität und Wiederaufbau
Nach ersten Schätzungen der Vereinigten Nationen werden circa 700.000 Menschen – was etwa 20 Prozent der Bevölkerung der fünf betroffenen Ostprovinzen entspricht – für die nächsten drei Monate Hilfe zur Grundversorgung benötigen. In diesem Zusammenhang hat das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) angekündigt, dass es Lebensmittelhilfe für circa 900.000 Menschen auf der Insel zur Verfügung stellen wird.
Im gesamten Land gab es breit angelegte Solidaritätskampagnen. Von den Stadtteilen über die Arbeitsstätten bis hin zu Jugendorganisationen und Gewerkschaften folgte die kubanische Gesellschaft dem Aufruf, den Opfern zu helfen.
„Bereits vor dem Durchzug des Wirbelsturms wussten wir, was uns erwartete“, erzählte Estrella Brito, Präsidentin der „Komitees zur Verteidigung der Revolution“ der Gemeinde Playa gegenüber Brasil de Fato. „Ich habe sofort eine Versammlung einberufen, Aushänge angebracht und die Leute zuhause angerufen. Die Menschen haben zusammengearbeitet; wir sind an solche Situationen schon gewöhnt. Alle sind sehr betroffen, denn selbst jetzt werden immer noch Evakuationen durchgeführt, sind Leute unterwegs und retten Leben. Die Situation ist sehr traurig und schwierig“, fügte sie hinzu.
Melissa ist der dritte Wirbelsturm, der in den letzten zwölf Monaten Kuba getroffen hat. Ende 2024 hatten die Wirbelstürme Rafael und Óscar bereits erhebliche Schäden angerichtet und die Energieversorgung ernsthaft beeinträchtigt.
Zerstörung in der Karibik
Melissa, der als der stärkste Wirbelsturm der letzten 90 Jahren in der Karibik angesehen wird, hat auch in anderen Ländern der Region starke Schäden hinterlassen. Insgesamt waren mehr als sechs Millionen Menschen betroffen und über 50 Todesopfer wurden verzeichnet.
Der Hurrikan traf sechs Länder der Karibik, wobei in Jamaika, Haiti und Kuba die stärksten Schäden auftraten. Laut WFP sind in diesen drei Ländern etwa sechs Millionen Menschen von den Auswirkungen des Wirbelsturms betroffen.
In Jamaica bestätigte die Regierung mindestens 32 Todesfälle. Der Premierminister, Andrew Holness, sagte, dass „ganze Gemeinden verwüstet wurden“ und beschrieb die Zerstörung als „beispiellos innerhalb der letzten Jahrzehnte“.
In Haiti berichteten die Behörden von wenigstens 31 Todesopfern und 21 Vermissten. Die Wohnhäuser und die Infrastruktur entlang der Südküste, der am stärksten betroffenen Region, wurden praktisch vollständig zerstört.
Übersetzung: Christa Röpstorff
Wirbelsturm Melissa beschädigt 45.000 Häuser von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

Schreibe einen Kommentar