NGOs warnen vor neuer Lachsfarm-Offensive

Foto: Greenpeace

 

(Puerto Montt, 8. April 2020, Greenpeace).- Während die Coronakrise alle Aufmerksamkeit auf sich zieht, droht im Süden Chiles ein weiterer Vormarsch der ökologisch schädlichen Lachszuchtfarmen. Davor warnen Greenpeace Chile sowie die ebenfalls staatenübergreifend arbeitenden Umweltorganisationen AIDA (Asociación Interamericana para la Defensa del Ambiente) und FIMA (Fiscalía del Medio Ambiente). Zwischenzeitliche Restriktionen für neue Aquakultur-Projekte in den Regionen Los Lagos und Aysén im Süden Chiles liefen am 9. April ab. Beobachter*innen fürchten nun, dass rund 100 neue Konzessionen im Schatten der Coronakrise schnell durchgewunken werden könnten. Zudem liegen für die Region Magallanes im Süden Chiles 168 Anträge vor, die in Bearbeitung sind. Ein schwacher Trost ist, dass grundsätzlich keine neuen Anträge mehr gestellt werden dürfen.

Kaum Kontrollen der Auswirkungen auf die Umwelt

Den drei Umweltschutzorganisationen zufolge gibt es derzeit im chilenischen Teil Patagoniens bereits fast 1.400 Konzessionen für die Entwicklung von Aquakultur (533 in Los Lagos, 722 in Aysén und 127 in Magallanes). Diese fügten der Umwelt enorme unkalkulierbare Schäden zu. Kontrollen gibt es indes kaum. Notwendig sei ein Gesetz, das den Vormarsch der Lachsfarmen verbiete. Greenpeace Chile spricht von einer Nacht- und Nebel-Aktion, mit der die Lachsindustrie die Konzentration auf die Coronakrise für sich nutze. Einige der großen Unternehmen hätten sich in der Vergangenheit schwerer Vergehen schuldig gemacht, die zur Verschmutzung des Meeres und zur Zerstörung der empfindlichen Ökosysteme geführt hätten. Greenpeace Chile fordert, überhaupt keinem neuen Projekt mehr die Zustimmung zu erteilen. Bestehende Projekte dürften nicht ausgeweitet werden, so Estefanía González, die Meeres-Koordinatorin der Organisation.

Indigene können nicht mehr in Ruhe fischen

Entschiedene Ablehnung kommt auch von den indigenen Gemeinden auf dem Archipel der Islas Huichas in der Region Aysén, wo es bereits 300 Konzessionen für Lachsfarmen gibt. Die Lachsindustrie habe ihnen Armut, Krankheit und Umweltverschmutzung gebracht, beklagt Nelson Millatureo, Vertreter der indigenen Gemeinden. Zudem würden die Zonen nicht respektiert, in denen die Indigenen nachhaltigen Fischfang betrieben. Das indigene Land werde den Interessen der Unternehmen geopfert. Auch die indigene Bevölkerung in Magallanes zeigt sich besorgt: „Das Verbot neuer Konzessionen reicht bei weitem nicht aus, um die Lachsindustrie zu kontrollieren. Der Süden ist voller Fischfangbecken, es gibt kaum gesetzliche Kontrollen und überhaupt keine Bereitschaft, die industrielle Entwicklung zu bremsen und das Meer in Patagonien zu schützen“, beschwert sich Leticia Caro, Vertreterin der Kawésqar-Initiative Nómades del Mar.

„Bisher hat sich die Industrie immer nur weiter ausgedehnt, ohne dass auf den Schutz der Ökosysteme geachtet wurde – mit dramatischen Folgen: Infektionen, extremer Sauerstoffmangel und massives Fischsterben. Zuzulassen, dass dieser Industriezweig sich weiter ausdehnt, ist unverantwortlich“, mahnt Florencia Ortúzar von AIDA.

Die Umweltorganisationen fordern, die Vergabe weiterer Konzessionen in allen drei Regionen zu stoppen und kündigten an, gerichtlich gegen den Aufwärtstrend der Lachsindustrie vorzugehen.

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