Neue MapBiomas-Daten zeigen alarmierende Zunahme von Großbränden

Brigadiere von Prevfogo/Ibama bekämpfen mithilfe von Flugzeugen Brände im Pantanal. Foto: Marcelo Camargo/Agência Brasil 2024 via flickr, CC BY-NC-SA 2.0.

(São Paulo, 24. Juni 2025, Brasil de Fato).- Im Jahr 2024 zerstörten Brände in Brasilien 30 Millionen Hektar. Das entspricht der Größe der Bundesstaaten São Paulo und Rio de Janeiro zusammen [zum Vergleich: Deutschland ist 35,8 Millionen Hektar groß. 100 Hektar = 1 Quadratkilometer]. Die Daten entstammen dem Jährlichen Brandbericht RAF, der am 24. Juni von der Plattform MapBiomas veröffentlicht wurde. Wie aus der Erhebung hervorgeht, lag die von Bränden betroffene Fläche im vergangenen Jahr um 62 Prozent über dem historischen Landesdurchschnitt. Dies ist hauptsächlich auf Großbrände – Brände von mehr als 100.000 Hektar – in verschiedenen Biomen zurückzuführen.

Der jährliche Durchschnitt der verbrannten Fläche beträgt seit 1985 in Brasilien 18.500.000 Hektar. Die meisten dieser Brände betrafen nach der im RAF zusammengestellten Übersicht eher kleine Gebiete: Im Durchschnitt der betrachteten Jahre machten Gebiete zwischen 10 und 250 Hektar insgesamt 27 Prozent der vom Feuer zerstörten Fläche aus. 2024 brannten fortwährend große Gebiete: Ein Drittel der verbrannten Fläche ging auf Feuer zurück, die sich jeweils auf über 100.000 Hektar ausbreiteten.

Am meisten waren Gebiete mit heimischer Vegetation betroffen. Sie machten 73 Prozent aus. Der am häufigsten betroffene Typ waren im Jahr 2024 Wälder, mit 7.700.000 Hektar zerstörter Fläche, ein Anstieg von 287 Prozent gegenüber dem historischen Mittelwert. Die größten Brandflächen entstanden im Durchschnitt zwischen August und Oktober, wobei alleine im September ein Drittel der insgesamt verbrannten Fläche zu verzeichnen war.

Der Bericht führt nicht nur Zahlen auf, sondern weist auch auf eine Verschärfung der Umweltkrise hin. Die Angaben fassen eine 40-jährige Datenreihe zusammen und zeigen wiederkehrende Muster auf, wie eine Konzentration der Brandstellen auf wenige Monate des Jahres, eine Ausweitung der Brände auf Waldgebiete und ein Anwachsen von Extremereignissen, welche die Bekämpfung erschweren.

„Das Feuer von 2024 ist kein isoliertes Ereignis, sondern ein Symptom der sich verschärfenden Klimakrise und der mangelnden Raumplanung. Diese erste Ausgabe des Berichts ist ein wichtiges Werkzeug zur Steuerung der öffentlichen Politik, zur Identifizierung von kritischen Gebieten und zur Vorbereitung effizienterer Lösungen“, meint Ane Alencar, wissenschaftliche Leiterin des Instituto de Pesquisa Ambiental da Amazônia (IPAM) (des brasilianischen Instituts für Amazonas- und Umweltforschung) und Koordinatorin von MapBiomas Fogo.

86 Prozent der verbrannten Fläche sind im Amazons und im Cerrado

Der Amazonas-Regenwald (im Nordwesten Brasiliens) war 2024 das Epizentrum der Brände, mit 15.600.000 Hektar verbrannter Fläche. Das ist der höchste registrierte Wert in der 1985 begonnenen Datenreihe. Zum ersten Mal wurden mehr Wald- als Weidegebiete von den Flammen heimgesucht.

Der Cerrado (eine Savannenregion im Herzen Brasiliens) folgt an zweiter Stelle mit 10.600.000 Hektar verbrannter Fläche. Das sind etwa 35 Prozent der landesweit betroffenen Gesamtfläche. Das Biom weist mit fast 10 Millionen Hektar pro Jahr die höchste historische Durchschnittsbrandfläche des Landes auf und ist nach wie vor am stärksten von wiederkehrenden Bränden betroffen.

„Das ist hauptsächlich auf die Trockenzeit zurückzuführen, die das Biom traf und die Vegetation anfälliger und empfindlicher für Brände machte. Aber es ist auch wichtig zu bedenken, dass kein Feuer von alleine entsteht, sondern entzündet werden muss“, erklärt Vera Arruda, Forscherin am IPAM und technische Koordinatorin von Monitor do Fogo, dem Feuermonitor der Plattform MapBiomas. „Der Amazonas ist kein Biom, in dem Feuer natürlicherweise auftreten“, stellte sie klar.

Das Pantanal ist Schauplatz von Mega-Bränden und verzeichnet 2024 wieder höhere Zahlen

Nach zwei rückläufigen Jahren verzeichnete das Pantanal (ein bis nach Paraguay und Bolivien reichendes Feuchtgebiet) wiederum einen Anstieg der von Bränden betroffenen Flächen. Im Jahr 2024 brannte es auf einer Gesamtfläche von 2.200.000 Hektar. Das ist der dritthöchste Wert in 40 Jahren. Dieses Biom ist dasjenige mit dem höchsten Anteil an Bränden in Naturgebieten, insbesondere in Grasland und Feuchtgebieten.

Die Feuer im Pantanal zeichnen sich auch durch ihre Größe aus. Im letzten Jahr war fast 20 Prozent der Brandfläche im Biom das Ergebnis von Brandnarben (durch Feuer geschädigte Gebiete) mit einer Größe von über 100.000 Hektar.

„Im Pantanal gibt es Feuerfronten, die bis zu 25 Kilometer lang sind. Das macht es vom Standpunkt der menschlichen Fähigkeiten aus sehr schwierig, das Vordringen der Flammen einzudämmen. Genau diese Schwierigkeit führt zur Entstehung solch großer Brandflächen“, erklärt Eduardo Rosa, Koordinator der Kartierung des Pantanal-Bioms bei MapBiomas.

„Das Pantanal erlebt jetzt eine neue Dürreperiode. Seit der letzten großen Überflutung im Jahr 2018 ist das Biom anfälliger für Feuer geworden. Gebiete, die früher ständig überschwemmt waren, liegen jetzt oft trocken, was zu einer leicht entflammbaren Umgebung führt. Diese Änderung bewirkt, dass Brände häufiger auftreten und schwerer zu kontrollieren sind“, analysiert Rosa.

Schlimmstes Brandjahr im Atlantischen Regenwald seit Beginn der Aufzeichnungen

Das Jahr 2024 war auch für den Atlantischen Regenwald (er ersteckt sich von der Ostküste Brasiliens der Atlantikküste entlang bis hinein nach Argentinien (Provinz Misiones) und Paraguay) das schlimmste Jahr in der langen Datenserie. Im Biom wurden 1.200.000 verbrannte Hektar verzeichnet, das sind 261 Prozent über dem Durchschnittswert. Die meisten Brandnarben traten in von Menschen geschaffenen Landschaften auf, besonders auf Weideland und landwirtschaftlich genutzten Gebieten.

Vier der zehn Gemeinden mit dem höchsten Anteil an Brandflächen in Brasilien im Jahr 2024 liegen im Bundesland São Paulo, alle rund um die Stadt Ribeirão Preto. Diese Region ist durch eine starke landwirtschaftlicher Aktivität geprägt.

„Die Naturlandschaften im Atlantischen Regenwald sind besonders anfällig für Brände, die nicht Teil der ökologischen Dynamik dieses Bioms sind. Wenn sie auftreten, haben die Flammen erhebliche Auswirkungen auf die wenigen verbliebenen Wäldern innerhalb des Bioms“, sagte Natalia Crusco vom Team Atlantischer Regenwald bei MapBiomas. Sie betonte, dass die Brände nicht nur direkt die Umwelt schädigen, sondern auch Ökosystemleistungen wie Klima, Wasser und Boden beeinträchtigen und sich damit auch auf die Gesundheit und Lebensqualität der Bevölkerung auswirken.

Caatinga und Pampa verzeichnen Rückgang, bleiben aber in Alarmbereitschaft

Im Gegensatz zu den anderen Biomen wiesen die Caatinga (eine Dornenstrauchsavanne im Nordosten Brasiliens) und die Pampa (eine Graslandschaft im Süden des Landes) im Jahr 2024 eine rückläufige Zahl an verbrannten Flächen auf. Im semiariden Biom waren es 404.000 Hektar, 16 Prozent unter dem Mittelwert. Die Pampa hingegen hatte die kleinste Brandfläche aller Biome: etwas mehr als 7.900 Hektar. Dieser Wert liegt noch unterhalb des historischen Durchschnitts.

Trotz des Rückganges warnen die Spezialist*innen vor dem Risiko einer erneuten Verschlimmerung und der Anfälligkeit der Naturgebiete. In der Caatinga waren 38 Prozent der abgebrannten Flächen über die letzten 40 Jahre mehr als einmal betroffen. In der Pampa treten die meisten Brände im natürlichen Grasland auf, wo in Trockenperioden schwere Schäden drohen.

Übersetzung: Christa Röpstorff

CC BY-SA 4.0 Neue MapBiomas-Daten zeigen alarmierende Zunahme von Großbränden von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Nachrichtenpool Lateinamerika
Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir dir die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in deinem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von dir, wenn du auf unsere Website zurückkehrst, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für dich am interessantesten und nützlichsten sind.