
Am Dienstag, den 22. Juli, fand im Hotel Quorum in der Stadt Córdoba, Argentinien, erneut ein Treffen der extremen Rechten unter dem Namen „La Derecha Fest“ statt, das sich selbst als „das entschlossenste Anti-Links-Event der Welt“ bezeichnet. Präsident Javier Milei war der prominenteste Gast des Festivals, und eine der längsten Reden hielt der ultrarechte argentinische Intellektuelle Agustín Laje, der selbst aus der Provinz Córdoba stammt.
Der hohe Eintrittspreis (über 30 Dollar) führte dazu, dass die Besucherzahl nicht so groß war wie bei früheren Veranstaltungen des „La Derecha Fest“. Zudem herrschte eine angespannte Atmosphäre, da in der Vorwoche die Gruppe „Las Fuerzas del Cielo“ – spanisch für „die Kräfte des Himmels“ – eine libertäre Troll-Gruppe unter der Führung des Influencers Daniel Parisini („Gordo Dan“) – von den Listenplätzen der Regierungspartei Mileis, La Libertad Avanza, für die Parlamentswahlen im Oktober ausgeschlossen wurde. Dennoch umarmten sich Dan und Milei öffentlich, und der Präsident gratulierte Dan zu seinem Einsatz im rechten Kulturkampf.
Die Veranstaltung „La Derecha Fest“ steht in unmittelbarem Zusammenhang mit dem zunehmenden verbalen Gewaltpotenzial, das von La Libertad Avanza ausgeht. Ende Juli kam es zu einem digitalen Angriff auf die Journalistin Julia Mengolini: Anhänger Mileis verbreiteten ein mit künstlicher Intelligenz erstelltes Video, in dem sie mit ihrem Bruder küssend dargestellt wurde. In einen ähnlichen Kontext lassen sich auch die Aussagen von Mileis Biograf Nicolás Márquez einordnen:
„Wir leben nicht in einer norwegischen Demokratie, wir haben Feinde vor uns“ und „Wir müssen nicht reden, als allgemeine Regel gilt: Wir müssen sie zerquetschen, sie politisch ausrotten.“ Márquez sagte außerdem: „Wenn der Feind am Boden liegt, treten wir ihm auf den Kopf. Denn wir sind im Krieg. Fußtritte durch Wahlen. Zivile Wahl-bedingte Schläge.“ (red. Anm.: „golpe“ im Original bedeutet sowohl Schlag als auch Putsch)
Um diese Aussagen zu krönen, griff Präsident Javier Milei in seiner Rede auf die Wortwahl seines ultrarechten chilenischen Freundes und Vorstandsmitglied der Fundación Faro (Stiftung der Partei La Libertad Avanza) Axel Kaiser zurück und bezeichnete soziale Gerechtigkeit, soziale Rechte und den Sozialstaat als „geistige Parasiten“, die die Köpfe der Menschen vergiften. Er erklärte, die Aufgabe des Kulturkampfes sei es, „Antikörper“ zu schaffen, damit sich die Menschen gegen diese Parasiten verteidigen können.
Wahrscheinlich im selben Geist agierten die Organisator*innen des „La Derecha Fest“, als sie die Journalistin Melisa Molina von der regierungskritischen argentinischen Tageszeitung Página 12 vom Gelände verwiesen.
Ihr könnt den Text auch auf Spanisch lesen.
Die Autorin Gabriela Mitidieri ist Historikerin und arbeitet bei der argentinischen Menschenrechtsorganisation Centro de Estudios Legales y Sociales (CELS).
Übersetzung: Robby Grosse.
Text und Übersetzung entstanden im Rahmen des Projekts „Linea B – Researching authoritarian politics between Latin America and Europe“ von CELS und Research Against Global Authoritarianism (ReGA) und erscheint im ReGA-Newsletter, zu abonnieren unter: http://tinyurl.com/3c6h83ny
Kritische Medien unerwünscht bei La Derecha Fest in Córdoba von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.
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