
(Santiago de Chile, 25. März 2025, La Diaria).- Michelle Bachelet, die von 2006 bis 2010 und von 2014 bis 2018 Präsidentin Chiles war, gibt ihre Kandidatur für das Amt der UN-Generalsekretärin nicht auf. Die Regierung des neuen, ultrarechten Präsidenten José Antonio Kast hat der Sozialistin jedoch die Unterstützung entzogen.
Bachelet wird bei ihrer Kandidatur weiterhin von Brasilien und Mexiko unterstützt, der beiden bevölkerungsreichsten Ländern Lateinamerikas. Die 74-Jährige hatte sich zunächst für die ursprüngliche Unterstützung des chilenischen Staates bedankt. Ihre Kandidatur war im September 2025 bekanntgegeben und im Februar 2026 offiziell vom chilenischen Staat gutgeheißen worden. Dann begann die Präsidentschaft des rechtskonservativen bis rechtsextremen José Antonio Kast, der am 11. März vereidigt wurde. Bachelet erklärte: „Ich verstehe, dass sich die Außenpolitik mit einer neuen Administration verändern kann. Als ehemalige Staatschefin betrachte ich diese Entscheidung als Teil der Prärogativen des neuen Regierungschefs, auch wenn ich eine andere Auffassung vertrete.“.
Das chilenische Außenministerium begründete den Rückzug der Unterstützung damit, dass angesichts mehrerer Kandidaturen aus Lateinamerika und bestehender Unterschiede zu einigen wichtigen Akteuren die Erfolgsaussichten Bachelets nicht mehr gewährleistet seien.
Ehemalige Außenminister*innen und Staatsekretär*innen solidarisieren sich
Präsident Kast betonte in einer kurzen Presseerklärung, eine Unterstützung Bachelets würde Chile „erhebliche Kosten“ verursachen. Als Reaktion auf diese Haltung veröffentlichten elf ehemalige chilenische Außenminister*innen und Staatssekretär*innen des Außenministeriums einen öffentlichen Brief, in dem sie ihre Unterstützung für Bachelets Kandidatur bekräftigten.
Die Unterzeichner*innen, die unter den Regierungen der Concertación sowie unter dem ausgeschiedenen Präsidenten Gabriel Boric gedient hatten, äußerten ihr tiefes Bedauern über den Kurswechsel der neuen Regierung, wie Radio Bío-Bío berichtete.
Bachelet als Garantin für die Geltung des internationalen Rechts
Die ehemaligen Spitzenpolitiker*innen hoben hervor, dass Bachelets Kandidatur für zentrale Prinzipien und Kontinuitäten der chilenischen Außenpolitik stehe: für Multilateralismus, die Achtung des internationalen Rechts, die friedliche Konfliktlösung, die Förderung und Verteidigung von Demokratie und Menschenrechten, sowie für freien, regelbasierten Handel. Besonders gewürdigt wurde ihr Vorschlag, eine tiefgreifende Reform der Vereinten Nationen anzustoßen, um die Organisation an die Zeit anzupassen und effizienter und beweglicher zu machen für die Aufgaben hinsichtlich Frieden, Sicherheit, Entwicklung und Menschenrechte.
Die Unterzeichner*innen halten die Kandidatur von Bachelet für umso wichtiger, da Unilateralismus zur Normalität zu werden drohe, ebenso wie die Missachtung von Verträgen und die rechtswidrige Anwendung von Macht. Chiles Ex-Präsidentin Bachelet gehöre zu den Kandidat*innen mit den größten Erfolgsaussichten.
Viel Erfahrung innerhalb der Vereinten Nationen
Im Brief wird zudem Bachelets internationales Ansehen und ihr Respekt hervorgehoben, die sie sich durch ihre langjährige Erfahrung innerhalb des UN-Systems erworben hat – etwa als Hohe Kommissarin für Menschenrechte und als Exekutivdirektorin von UN Women. Bachelet engagiert sich in der Bewegung, die fordert, dass erstmals seit der Gründung der Vereinten Nationen im Jahr 1945 eine Frau an der Spitze des UN-Generalsekretariats steht.
Zeit für eine/n Lateinamerikaner*in an der UN-Spitze
Die Unterzeichner führen auch ein geografisches Argument an: Der bisher einzige UN-Generalsekretär aus Lateinamerika, der Peruaner Javier Pérez de Cuéllar, verließ das Amt vor 35 Jahren, 1991, nach zehn Jahren im Amt. Pérez de Cuéllar starb 2020 im Alter von 100 Jahren. Der Brief bezeichnet den Entzug der Unterstützung für Bachelet durch die Regierung Kast als „internationale Blamage“ für Chile. Es sei unverständlich, wie man einer so hoch angesehenen Landsfrau, die über gute Erfolgsaussichten verfügt und von den beiden größten Ländern Lateinamerikas, Brasilien und Mexiko, unterstützt wird, die Unterstützung entziehen könne.
Bachelet ist jedoch nicht die einzige Kandidatin aus Lateinamerika: Auch die Costa-Ricanerin Rebeca Grynspan, ehemalige Generalsekretärin der UN-Welthandelskonferenz, sowie der Argentinier Rafael Grossi, Direktor der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), haben ihre Ambitionen auf das Amt bekundet.
Übersetzung: Bernd Stößel
Bachelet hält an UN-Kandidatur fest – Kast entzieht Unterstützung von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.
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