Ein Son für den Dichter Nicolás Guillén

Der kubanische Dichter Nicolás Guillén 1942. Foto: Wikipedia

(Havanna, 20. April 2020, Prensa Latina).- Gründe, sich dem Werk des kubanischen Dichters Nicolás Guillén (1902-1989) zu widmen, gibt es viele. Doch aktuell gibt ein Jahrestag Anlass. Am 20. April vor neunzig Jahren erschien das Werk Motivos de Son (Son-Motive oder wortwörtlich auch Gründe des Son), ein Gedichtband Guilléns, der mit kulturellen und literarischen Konventionen bricht und die Sichtweise auf die Kultur der kubanischen Insel veränderte.

Der damals in der kubanischen Zeitung Diario de la Marina veröffentlichte Text markiert ein Davor und ein Danach der Anschauung von Literatur. Der Text habe die Bindung zwischen Kunst und Gesellschaft, zwischen künstlerischem Dialog und Realität vertieft, erklärte Nicolás Hernández Guillén, Präsident der kubanischen Nicolás-Guillén-Stiftung, die das Andenken an den kubanischen Nationaldichter bewahrt und sein literarisches Werk analysiert und verbreitet.

Das Werk katapultierte den Dichter Nicolás Guillén auf die Bühne hervorragendster kubanischer Poesie und war Auslöser einer Debatte, die sich mit dem Beitrag afrohispanischer Elemente in der Identität Kubas auseinandersetzte – ein notwendiges Thema, dem bis dahin kaum Beachtung zukam. In seiner Literatur sei es dem Schriftsteller gelungen, so Hernández Guillén, sein Engagement mit der realen Situation Kubas, den Realismus, darzustellen. Sehr genau beschreibe Guillén in seinem Werk Gebräuche, Sprache, Physiognomie, interne Kämpfe, gesellschaftliche Rollen und die Traditionen der schwarzen Bevölkerungsgruppe.

Für namhafte Musiker wie Alejandro García Caturla, Amadeo Roldán, Bola de Nieve und Jorge González Allué wurden die acht Gedichte des Motivos de Son Inspirationsquelle. Hinter jedem Vers in Guilléns Werk spürten sie die unmerklich verborgenen kubanischen Rhythmen, Töne und Eigenheiten auf.

Guillén öffnete die Türen zu einer pluralistischen Identität

Trotz verschiedener Herabsetzungen von Kritiker*innen, die sich an der „Respektlosigkeit“ und an dem revolutionären Charakter der Texte Guilléns störten, genoss der Autor des Gedichts Negro Bembón von Fachkritiker*innen aber vor allem großen Beifall. So auch von Cintio Vitier, der den größten Beitrag Guilléns darin sah, dass dieser den Klang aus der mündlichen Überlieferung in den Mittelpunkt hochkultureller Poesie stellte. Auch der spanische Schriftsteller Miguel de Unamuno äußerte in einem Brief Bewunderung für das Werk und verglich es mit acht Figuren eines unvergleichlichen Schachspiels, welche die Türen zu einer vielfältigen, pluralistischen Identität öffneten; zu einer Identität, die die Sprache der Kubaner*innen zu einer der bedeutendsten Errungenschaften in der Literatur Spaniens und Amerikas erhoben habe.

Zur Feier des 90. Jahrestages des Gedichtbandes war das „XII Coloquio y Festival de Música y Poesía“ (12. Kolloquium und Festival für Musik und Poesie) angekündigt, das nun aufgrund der Ausbreitung des Coronavirus auf das Jahresende verschoben werden musste. In der Zwischenzeit seien jedoch schon weitere Aktivitäten der Stiftung in Planung, erklärte Hernández Guillén. Forumsdiskussionen, Videoveröffentlichungen, Interviews und Dokumentarfilme werden nun insbesondere über digitale Medien und in den sozialen Netzwerken stattfinden.

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