Erste Kubaner*innen können Reise fortsetzen

von Markus Plate

Costa Rica Kubaner Pfarrei Siesta in Mittagshitze. Foto: Markus Plate, Voces Nuestras(San José, 13. Januar 2016, voces nuestras).- Für die rund 8.000 Kubaner*innen, die seit Mitte November in Costa Rica und geringerer Zahl in Panama festsitzen (poonal berichtete), scheint das Warten bald ein Ende zu haben. Am Abend des 12.1. startete ein erster Flug von Costa Rica nach El Salvador. Vorausgegangen waren zähe Verhandlungen zwischen den Staaten Zentralamerikas. Zunächst dürfen aber nur 180 Menschen im Rahmen eines Pilotprojektes weiterreisen.

Luiselys Delgado ist einer der Glücklichen, die mittlerweile Costa Rica verlassen haben und von El Salvador aus in Bussen auf dem Weg in Richtung Mexiko sind. Der junge Mann hatte sich vor der Weiterreise noch die Haare schneiden lassen und Wäsche gewaschen. “Es ist wichtig, dass bei dieser ersten Reise alles glatt geht, deswegen wollen wir ‘präsentabel’ reisen.” Andere Auserwählte haben die Nacht zuvor vor Aufregung nicht schlafen können.

Migrant*innen stecken seit Wochen fest

Am 16. November hatte Nicaragua die Grenze für kubanische Migrant*innen dicht gemacht. Seither schieben sich die Regierungen Costa Ricas und Nicaraguas die Schuld an dem humanitären Ernstfall auf costa-ricanischer Seite zu. Und seither ist durch nachkommende Migrierende die Zahl der Kubaner*innen in den eilig eingerichteten Aufnahmeeinrichtungen auf fast Achttausend angewachsen.

Wochenlang war Costa Rica mit seiner Forderung auf Granit gebissen, Nicaragua möge die Weiterreise ermöglichen. Auch anschließende Verhandlungen mit Honduras, El Salvador und Guatemala blieben lange Zeit so erfolglos, dass Costa Ricas Präsident Luis Guillermo Solís am 18. Dezember sogar ankündigte, das Zentralamerikanischen Integrationssystem SICA zu verlassen. Nun gibt es also eine Lösung, zwischen Costa Rica, El Salvador, Guatemala und Mexiko, das ‘widerspenstige’ Nicaragua wird überflogen.

One-Way Trip für 555 Dollar

555 US-Dollar kostet die gerade einmal 24-stündige Reise pro Person, darin enthalten der Flug vom costa-ricanischen Flughafen Liberia nach San Salvador, danach Busse Richtung Guatemala und zur guatemaltekisch-mexikanischen Grenze. Visumskosten und eine Krankenversicherung, der Weg quer durch Mexiko dagegen nicht. Happig, wenn man bedenkt, dass ein Oneway-Ticket von San José nach San Salvador derzeit maximal 150 USD kostet und dass Busfahren in Zentralamerika nicht wirklich teuer ist. Es scheint, dass neben dem offiziellen Carrier, der Fluggesellschaft Avianca, auch andere Transporteure eine Stange Geld an dem Projekt verdienen.

555 US-Dollar, die die Kubaner*innen übrigens selbst bezahlen müssen, denn weder Costa Rica, noch andere Länder, noch internationale Organisationen wie die Internationale Organisation für Migration (IOM), die den Weiterreise-Deal vermittelt hat, beteiligen sich an den Kosten. Guatemala hatte sogar nur unter der Bedingung zugestimmt, dass die Durchreise der Migrierenden für das Land kostenneutral bliebe. So sind die 180 Menschen, die das erste Flugzeug boarden dürfen, diejenigen, die nach der langen Reise von Kuba über Ecuador, Kolumbien und Panama noch über genügend finanzielle Ressourcen verfügen. Sie müssen außerdem erwachsen und gesund sein und über ein gültiges costa-ricanisches Visum verfügen. Menschen wie Luiselys Delgado zum Beispiel.

Wer zuerst kommt, mahlt zuletzt

Diese Lösung finden längst nicht alle gut. Vor allem diejenigen nicht, die zuerst an der Grenze zu Nicaragua aufgehalten und nach Costa Rica zurückgeschickt worden waren. Denn diesen ersten fast 1.000 Menschen hatte die costa-ricanische Einwanderungsbehörde “deportiert” in den Pass gestempelt, was nicht nur Nicaragua zum Anlass genommen hatte, keine Kubaner*innen mehr ins Land zu lassen, sondern was nun auch bei der Weiterreise Probleme bereitet. Diese ersten, wie Ñurca Aday Rodríguez und ihr Mann, finden es ungerecht, dass sie nun von allen später gekommenen überholt werden.

Was allerdings noch längst nicht ausgemacht ist. Die Vereinbarung zwischen den beteiligten Ländern sieht vor, erst einmal zu sehen, ob und wie es die Pilotgruppe nach Mexiko schafft. Ab dem 20. Januar wollen sich Costa Rica, El Salvador, Guatemala und Mexiko zusammensetzen und die Pilotreise analysieren. Costa Ricas Außenminister, Manuel González, dämpfte denn auch die Hoffnung auf eine schnelle Weiterreise aller in seinem Land gestrandeten Kubaner*innen: „Wir müssen Erfahrungen sammeln, Vertrauen aufbauen und sicherstellen, dass alles glatt geht“. Bis das Warten an der costa-ricanisch – nicaraguanischen Grenze ein Ende hat, werden also sicherlich noch Wochen ins Land gehen.

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