Guatemala Mexiko
Fokus: Migration und Flucht / Migración y Refugio

Vertriebene hängen an der Grenze fest


Die vertriebenen Familien aus Guatemala hängen an der mexikanischen Grenze fest. Foto: Desinformémonos

(Mexiko-Stadt, 9. Juni 2017, desinformémonos/poonal).- Am 2. Juni sind etwa 500 Menschen aus der Gemeinde San Andrés in der guatemaltekischen Provinz Petén durch ein massives Polizeiaufgebot vertrieben worden. Nachdem sie mehrere Kilometer durch den Regenwald gelaufen sind, hängen sie nun in der Gemeinde Candelaria im mexikanischen Bundesstaat Campeche fest. Nach Angaben von Hilfsorganisationen droht eine humanitäre Krise, da sich die Vertriebenen in schlechtem Zustand und ohne ausreichend Lebensmittel und Medizin befänden. Sie hausen in einem improvisierten Camp in 35 Zelten und leiden bereits unter Magen-Darm-Krankheiten, heißt es.

Die Hilfsorganisationen kritisieren weiterhin, dass die mexikanische Migrationsbehörde INM (Instituto Nacional de Migración) den Menschen verbietet, ins nächste Dorf zu gelangen. Die mexikanische Regierung sei nicht für die Probleme von Ausländern zuständig, soll der Direktor des INM, Ardelio Vargas Fosado, gesagt haben. Weder die mexikanischen noch die guatemaltekischen Behörden hätten Maßnahmen ergriffen, um die Vertriebenen mit den notwendigen Nahrungsmitteln, Kleidung und Obdach zu versorgen. Der mexikanische Staat reagiere nicht angemessen auf den Ernst der Lage und komme seinen internationalen Verpflichtungen nicht nach: „Lebensmittel und Medizin wurden von der Zivilgesellschaft zur Verfügung gestellt, nicht von der Regierung“, beklagen Vertreter*innen von Equipo Indignación und weiteren Hilfsorganisationen.

Die mexikanische Regierung habe bereits Tage zuvor von der bevorstehenden Räumung gewusst; als die Familien am 2. Juni gezwungen wurden, ihre Häuser zu verlassen, hätten Bundespolizei, Migrationsbehörde und die Armee bereits auf die Menschen gewartet. Die Hilfsorganisationen kritisierten weiterhin, dass bei der Räumung Häuser angezündet und Habseligkeiten gestohlen worden seien. Zudem sei den Familien verboten worden, zurück zu kehren.

CC BY-SA 4.0 Vertriebene hängen an der Grenze fest von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.


Das könnte dich auch interessieren

Alarmierender Anstieg bei Festnahmen von Migrantinnen Von Redaktion Cimac Die Zahl der Festnahmen von minderjährigen Migrant*innen ist gestiegen, ihr Recht auf ein humanitäres Visum wird oft missachtet / Foto: Itandehui Reyes Díaz, cimacnoticias (Mexiko-Stadt, 24. November 2017, cimacnoticias).- In nur sechs Jahren hat sich in Mexiko die Zahl der festgenommenen Migrantinnen verfünffacht, die aus dem nördlichen Dreieck Zentralamerikas kommen: ihre Zahl stieg von 9.160 auf 47.383 Personen. 17 Prozent davon waren Mädchen unt...
US-Regierung entzieht Nicaraguaner*innen vorübergehendes Bleiberecht "Respektiert unsere Existenz oder rechnet mit unserem Widerstand", hat diese Frau auf ein Schild geschrieben. Foto: Democracy Now (Washington, 7. November 2017, democracy now).- Erneut hat die US-Regierung unter Donald Dumpf zu einem weiteren Rundumschlag gegen Einwanderung ausgeholt. Die US-Regierung hat angekündigt, das vorübergehende Bleiberecht für tausende Einwander*innen aus Nicaragua zu beenden. Viele von ihnen leben seit Jahrzehnten in den USA. Ihr spezielles Blei...
Migration und Ausbeutung indigener venezolanischer Geflüchteter in Brasilien Von Lara Ely Venezolanische Geflüchtete in Boa Vista / Bildquelle: ihu-unisinos (São Leopoldo, 18. Oktober 2017, ihu-unisinos).- In den letzten drei Jahren stieg nach Angaben der brasilianischen Bundespolizei die Zahl der von Venezolaner*innen gestellten Visaanträge für Geflüchtete von neun auf mehr als 2000 an. Die Geflüchteten kommen über den Grenzübergang im Bundesstaat Roraima nach Brasilien. Von dort reisen sie über die Bundesstraße BR-174, auch als Manaus-Boa Vis...
Kerzen für Joane Florivil – junge Haitianerin in Polizeigewalt verstorben   Kerzen für die in Haft verstorbene Haitianerin Joane Florivil. Die aus Haiti angereisten Angehörigen verlangen, dass der chilenische Staat die Überführung des Leichnams der jungen Frau veranlasst. / Foto: twitter, piensa prensa/@panbecerra (Caracas, 03. Oktober 2017, telesur).- Am 30. August hatte man Joane Florivil beschuldigt, ihre Tochter ausgesetzt zu haben. Obwohl Frau Florivil und ihr Ehemann die Anschuldigung zurückwiesen, wurde die junge Frau verhaftet u...
Kurzes Wiedersehen für getrennte Familien Die getrennten Familien durften sich nur kurz wiedersehen. Foto: Desinformémonos/Luis Pablo Hernández Espino (Mexiko-Stadt, 26. Juni 2017, desinformémonos).- Angehörige von etwa 300 Familien, die durch die Abschiebungen aus den USA getrennt worden waren, konnten sich am 24. Juni für wenige Minuten wieder in die Arme schließen. Die Aktion "Umarmungen statt Mauern" fand am Río Bravo in Höhe des Puente Negro statt und wurde von Aktivist*innen und Menschenrechtler*innen des B...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.