Kolumbien

Protestcamp in Bogotá gegen Mordserie an Aktivist*innen


Foto: Colombia Informa

(Medellín, 1. Mai 2019, colombia informa/poonal).- Im Rahmen ihrer Aktion „Humanitärer Schutz für das Leben“ (Refugio Humanitario por la Vida) haben hunderte soziale Führungspersonen vor dem Gebäude der Generalstaatsanwaltschaft in der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá eine Mahnwache abgehalten. Am 28. April waren die Aktivist*innen aus verschiedenen Regionen Kolumbiens in einer sogenannten Karawane nach Bogotá gekommen, um auf die gravierende Menschenrechtssituation sozialer Bewegungen aufmerksam zu machen. Insgesamt haben etwa 1.500 Aktivist*innen an dem fünftägigen Protestcamp teilgenommen. Mit der Aktion klagten sie unrechtmäßige Gerichtsverfahren, Stigmatisierungen und die Mordserie an, die gegenüber der Aktivist*innen kein Ende nehmen. Allein in diesem Jahr wurden bereits 147 Morde an Menschenrechtsverteidiger*innen registriert.

Fernanda Mejía von der Vereinigung der Gemeinderäte im Norden Caucas ACONC (Asociación de Consejos Comunitarios del Norte del Cauca – ACONC), die die organisatorischen Prozesse von Afro-Organisationen und Räten schwarzer Gemeinschaften begleitet und stärkt, erklärte: „Der Protest hat gezeigt, dass die Regierung nicht für die Menschen, sondern für die Unternehmer und multinationalen Konzerne da ist. Es ist traurig, das bestätigt zu sehen. Gestern waren wir bei drei Botschaften, die uns empfangen haben. Aber heute sind wir zur Generalstaatsanwaltschaft gezogen, doch der Staatsanwalt war nicht einmal fähig, sich zu zeigen und uns zu begrüßen.“ Die Afrokolumbianierin Mejía beklagte zudem, dass Beamt*innen der Staatsanwaltschaft ohne Begründung Fotos von den protestierenden Menschen gemacht hätten, die nun deshalb um ihre Sicherheit fürchteten.

Bereits 147 politisch motivierte Morde in 2019

Einige Stunden zuvor fand im kolumbianischen Kongress die öffentliche Anhörung statt, die unter anderem Alberto Castilla, Senator der sozialdemokratischen Oppositionspartei Polo Democrático, einberufen hatte. Sie hatte zum Ziel, die wirksame Umsetzung einer staatlichen Politik einzufordern, die die Aktivist*innen schützt.

Patricia Llombart Cussac, Botschafterin der Europäischen Union in Kolumbien, begrüßte die Initiative des Refugio Humanitario. „Wir sehen hier nicht die Schwierigkeiten, mit denen die Verteidiger*innen der Menschenrechte und des Lebens in vielen Regionen Kolumbiens kämpfen müssen.“ Cussac versprach, die Mordwelle an sozialen Aktivist*innen in Kolumbien im Europäischen Parlament zu thematisieren: „Die Flugblätter, die von einer „sozialen Säuberung“ (limpieza social) sprechen und den Aktivist*innen mit einem „Ausflug ohne Rückkehr“ („paseo sin regreso“) drohen sind widerwärtig. Wir dürfen nicht zulassen, dass dies Normalität wird.“

Eine Fotostrecke zu der Protestaktion findet ihr hier.

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