Fernsehsender zieht Verbindung zwischen Bolsonaro und Mord an Marielle Franco

Der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro schäumt vor Wut. Hat er was zu verbergen? Screenshot: Facebook/Brasil de Fato

(Rio de Janeiro, 31. Oktober 2019, brasil de fato).- Den brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro scheint es nicht zu stören, dass seit 600 Tagen die Morde an der Stadträtin von Rio de Janeiro, Marielle Franco, und ihrem Fahrer Anderson Gomes ungelöst sind. Stattdessen reagiert er wutentbrannt auf die Tagesnachrichten „Jornal Nacional“ des Fernsehsenders Globo. Dieser hatte in einem Beitrag aufgezeigt, dass einer der Tatverdächtigen nach Aussagen des Pförtners am Tag des Mordes in der Wohnanlage war und zum Haus des Präsidenten wollte.

In einem Video, dass er in Saudi-Arabien aufnahm, hatte Bolsonaro regelrecht einen Wutausbruch: „Ihr Halunken von TV Globo, Ihr Mistkerle. Das wird sich nicht halten. Ich hatte keinen Grund, wen auch immer in Rio de Janeiro zu töten“, zetert der Präsident. Die Anschuldigungen dauern noch weitere zwanzig Minuten an, in denen er droht, die Sendeerlaubnis für das Programm von TV Globo nicht zu verlängern. Er richtete sich auch an den Gouverneur von Rio de Janeiro, Wilson Witzel der Sozial-Christlichen Partei (PSC), den Bolsonaro beschuldigt, die Informationen an den Sender weitergegeben zu haben.

„Wir fordern Antworten“

In einer Stellungnahme am Tag der Reportage im „Jornal Nacional“ forderte die Partei für Sozialismus und Freiheit (PSOL), der Marielle angehörte, Aufklärung der Fakten. „Die PSOL hat niemals einen Zusammenhang zwischen den Morden und Jair Bolsonaro hergestellt. Aber die vorliegenden Informationen sind schwerwiegend. Brasilien kann nicht in Ungewissheit über einen Zusammenhang zwischen dem Präsidenten der Republik und einem Mord leben… Wir fordern Antworten. Wir fordern Gerechtigkeit für Marielle und Anderson.“

Auf eine Anweisung Bolsonaros, Justizminister Sérgio Moro solle in den Fall eingreifen, reagierte der Bundesabgeordnete Alessandro Molon der Sozialistischen Partei (PSB) folgendermaßen: „Wir lehnen jegliche Einflussnahme von außen, so wie diesen Fall an die Bundespolizei zu verweisen, ab und werden diese nicht akzeptieren. In diesem Sinne erscheint uns das Gesuch von Sérgio Moro an die Generalstaatsanwaltschaft, eine polizeiliche Ermittlung über die Untersuchungen zu eröffnen, eine unangemessene Einmischung“.

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