Umweltschützer in Brasilien erschossen

Guajajaras
Diese indigenen Guajajaras sind zu Beginn des Jahres 2016 ermordet worden. Foto: José Luís Guajajara/ihu-unisinos

(Rio de Janeiro, 16. August 2018, taz).- Er ist das bislang letzte Opfer im Konflikt um Land im brasilianischen Amazonasgebiet. Jorginho Guajajara gehörte zur Ethnie der Guajajara, von denen sich viele als „Wächter Amazoniens“ verstehen. Jorginho lebte in Ariboia, einem Indígena-Schutzgebiet im Bundesstaat Maranhão im Nordosten des Landes. „Schutz“ gab es in dieser abgelegenen Region nie viel. Weder für die Bewohner*innen noch für die Natur. Das wusste Jorginho und entschied gemeinsam mit anderen Indígenas, selbst dafür zu sorgen, dass ihnen ihr Land nicht streitig gemacht wird.

Spähtrupps der Guajajara gehen hier oft gegen illegale Holzfäller und auch Goldsucher vor, die das Schutzgebiet nicht respektieren. Immer wieder kommt es zu Zusammenstößen. 80 Guajajaras sollen deshalb seit dem Jahr 2000 ermordet worden sein. Und erst im Mai hatten sie mehrere Mitglieder einer berüchtigten Holzfällerbande vertrieben. Jorginho war Kazike – Anführer – des Dorfes Cocalinho und übers Wochenende in der Stadt Arame unterwegs, die direkt an der Grenze des Schutzgebiets liegt. Dort ­geben die Nicht-Indígenas den Ton an, für Indigene gilt ab 22 Uhr eine Art inoffizielle Ausgangssperre.

Jorginho beachtete die Schikane nicht und bezahlte mit dem Leben. Am Sonntag, den 12. August, wurde er tot an der Stadtgrenze an einem Bach aufgefunden, an dem bereits andere Ermordete gefunden worden waren. Bislang habe sich keine Behörde um die Tat gekümmert, klagte ein Guajajara-Sprecher.

Bereits 80 Guajajaras ermordet

Die Guajajaras leben abgeschieden, sie legen meist keinen großen Wert auf Kontakt mit dem Rest des Landes. Ebenso weiß der Rest Brasiliens wenig über sie, ihr Leben und ihre Forderungen zum Selbsterhalt. Das könnte sich bald ändern. Die Aktivistin Sônia Guajajara ist Vizepräsidentschaftskandidatin für die linke Partei PSOL, an der Seite von Guilherme Boulos von der Obdachlosenbewegung MST. Erstmals tritt eine Indígena für diesen Posten an. Auch wenn kaum Chancen auf den Wahlsieg im Oktober be­stehen, dürften die Anliegen von Jorginho Guajajara dadurch Aufmerksamkeit bekommen.

Sônia Guajajara weiß, dass der Einsatz der Wächter*innen Amazoniens ein riskanter Job ist. „Aber wir werden niemals die Plünderung unserer Mutter Erde akzeptieren“, sagte sie nicht nur im Wahlkampf. Wahrscheinlich wird sie viel weniger Stimmen bekommen als die Kandidat*innen des Agrobusiness. Für diese war Jorginho Guajajara nur ein Hindernis für ihren Fortschritt.

CC BY-SA 4.0 Umweltschützer in Brasilien erschossen von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

Das könnte dich auch interessieren

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Webseite möchte Cookies für ein optimales Surferlebnis und zur anonymisierten statistischen Auswertung benutzen. Eine eingeschränkte Nutzung der Webseite ist auch ohne Cookies möglich. Siehe auch unsere Datenschutzerklärung.

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen