
Wachsende Kritik an exklusiver Taiwan-Politik
Villalba betonte, dass eine exklusive Beziehung zu Taiwan in einem immer stärker vom Wettbewerb geprägtem internationalem Umfeld einen Verlust an Chancen hinsichtlich Zugang zu Märkten, Finanzierung und Investitionen bedeuten könnte. Ähnliche Töne schlug einen Monat früher der Abgeordnete Hugo Meza an, der ebenso wie Präsident Peña dem Flügel der regierenden Colorado-Partei angehört, der dem früheren Präsidenten Horacio Cartes nahesteht.
Nachdem Meza gemeinsam mit anderen Abgeordneten der Union Lateinamerikanischer Parteien (eine regionale Untergruppe der Internationalen Demokratischen Union, einem Zusammenschluss von konservativen, christlichen, liberalen und eher rechten Parteien – Anm. d. Übers.) durchgeführt hatte, erklärte er: „Mit Taiwan vergeuden wir nur unsere Zeit“.
In den von der Zeitung Última Hora veröffentlichten Äußerungen des Colorado-Abgeordneten sagt er, dass Paraguay „mindestens 1 Prozent der Investitionen, die China in der Region macht, für sich gewinnen könnte“, wenn es seinen Standpunkt ändern würde. „Wir sprechen von Investitionen und Kooperationen im Werte von über 6 Milliarden Dollar, so dass ich glaube, dass dieses Thema diskutiert und analysiert werden muss“, fügte er hinzu. Meza meinte, dass Taiwan im Gegenzug für seine Anerkennung durch Asunción Paraguay nur sehr wenig zu bieten habe.
Das Thema ist nicht neu, aber in den letzten Jahren äußern immer mehr Politiker*innen und Unternehmer*innen Zweifel bezüglich der historischen Politik Paraguays, die Souveränität Taiwans, offiziell als Republik China bekannt, anzuerkennen. Diese Politik verhindert nämlich diplomatische Beziehungen mit der Regierung in Peking, welche die Insel Taiwan als Teil ihres Territoriums betrachtet.
Historische Allianz seit der Stroessner-Diktatur
Die Beziehungen zwischen Paraguay und Taiwan gehen auf das Jahr 1957 zurück, als die südamerikanische Nation unter der Diktatur von Alfredo Stroessner stand. Das asiatische Land wurde damals von Chiang Kai-shek regiert, der 1949 mit seinen Anhänger*innen auf die Insel geflohen war, nachdem er den Bürgerkrieg gegen die von Mao Tse-tung angeführten kommunistischen Kräften verloren hatte.
Zu jenem Zeitpunkt war die Allianz zwischen den beiden zutiefst antikommunistischen Regierungen im Kontext des Kalten Krieges völlig normal. Aber die Zeiten haben sich geändert und China übt seit Jahren einen sehr großen Druck auf Paraguay aus, wo einflussreiche Agrarexporteure der Aufnahme formeller Beziehungen zu Peking sehr wohlwollend gegenüberstehen.
Chinas Druck und Taiwans Gegenstrategie
Angesichts des Vorrückens des asiatischen Riesen versucht Taiwan, diesem Einfluss entgegenzuwirken. Der Präsident der Insel, Lai Ching-te, hatte für August sogar einen Besuch in Paraguay und Guatemala – dem anderen lateinamerikanischen Land mit diplomatischen Beziehungen zu Taiwan – geplant. Am Ende kam diese Reise jedoch nicht zustande. Laut der Nachrichtenagentur Reuters führte Taiwan als Grund an, dass der Präsident beschlossen habe, aufgrund der durch den Taifun Danas verursachten Schäden im eigenen Land zu bleiben.
Doch offenbar haben auch andere Faktoren die Entscheidung beeinflusst, die Reise in die Region zu verschieben. Reuters berichtete, dass die taiwanische Delegation bei der Trump-Regierung eine Genehmigung für einen Zwischenstopp in den USA beantragt habe. Zwar ermöglichen die Vereinigten Staaten traditionell die Durchreise hochrangiger taiwanesischer Politiker, doch hätte der Transit von Lai und seiner Delegation diesmal erhebliche Unannehmlichkeiten für Peking bedeutet – und das ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, an dem Trump versuchte, ein Wirtschaftsabkommen mit China auszuhandeln.
Schwieriger Balanceakt zwischen Taiwan und China von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

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