Mexiko: Spätes Urteil gegen Päderasten-Priester

(Mexiko-Stadt, 20. März 2018, npl).- Die mexikanische Justiz verurteilte den ehemaligen Priester Carlos López Valdés wegen Päderastie zu einer Haftstrafe von 62 Jahren, von denen maximal 40 Jahre abgesessen werden müssen. Das Opfer, Jesús Romero Colín und seine Familie hatten den Missbrauch bereits vor zehn Jahren vor Gericht angeklagt. Teile der Justiz und der katholischen Kirche hatten das Verfahren jedoch hinausgezögert und auf eine Verjährung des Falles hingearbeitet. Colín war von 1994 bis 1999 als Messdiener in einer Pfarrgemeinde in Mexiko-Stadt im Alter von elf bis 16 Jahre wiederholt von López Valdés missbraucht worden. Die Familie traute sich erst 2007 den Fall bei der Erzdiözese von Mexiko-Stadt anzuzeigen. Die kircheninterne Untersuchung bestätigte die Vorfälle, dem Täter wurde offiziell verboten das Priesteramt weiter auszuüben. Dennoch hielt er in den Folgejahre noch Messen in Mexiko-Stadt ab, ohne dass die Kirche dagegen einschritt. Verschiedene Medien machten zudem den Einfluss der Erzdiözese unter der Leitung von Kardinal Norberto Rivera dafür verantwortlich, dass das 2008 von der Familie in der mexikanischen Hauptstadt angestrengte Gerichtsverfahren über Jahre verschleppt wurde. Erst im Herbst 2016 kam Bewegung in den Fall. Seitdem befand sich López Valdés in Untersuchungshaft.

540 registrierte Fälle von sexuellem Missbrauch durch Priester

Der Direktor des Netzwerkes der Überlebenden Sexuellen Missbrauchs durch Priester (Red de Sobrevivientes de Abuso de Sacerdotes México), Joaquín Aguilar Méndez, bezeichnete das Urteil als ein „Licht auf dem Weg“. Er wies aber gleichzeitig darauf hin, dass es sich um das einzige Urteil dieser Art in den vergangenen zehn Jahren handelt; das Netzwerk hat allerdings 540 Fälle von Opfern sexuellen Missbrauchs durch Priester registriert. Diese Fälle seien über das ganze Land verteilt. Méndez drückte sein Interesse an einem Treffen mit dem neuen Verantwortlichen für die Erste Erzdiözese Mexikos, Kardinal Carlos Aguiar Retes, aus. Vorgänger Norberto Rivera war immer wieder vorgeworfen worden, seine schützende Hand über mindestens ein Dutzend von Päderasten-Priestern gehalten zu haben. Unter Retes, der sein Amt am 5. Februar 2018 antrat, hat sich zumindest der Diskurs der Erzdiözese zum Thema geändert. Ob es die versprochene vollständige Kooperation bei weiteren offenen Fällen gibt, muss Aguiar Retes noch unter Beweis stellen. Gelegenheiten dazu wird er reichlich haben.

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