Peruanisches Kino durch Anti-Kinogesetz in großer Gefahr

Foto: Mayimbú via wikimedia commons, CC BY-SA 4.0

(Lima, 11. Juni 2024, Servindi).- Am Dienstag den 11. Juni verabschiedete die Mehrheit des Peruanischen Kongresses das so genannte Anti-Kinogesetz, welches das nationale Kino in Gefahr bringt.

Am Morgen brachte das Kollektiv “Zur Verteidigung des peruanischen Kinos” (En Defensa del Cine Peruano) in einer Pressekonferenz am Sitz des Nationalen Koordinators für Menschenrechte (CNDDHH) seine Ablehnung über die Stellungnahme der Wirtschaftskommission zum Ausdruck.

Das Gesetz kürzt die Beträge, die den Siegerprojekten eines Wettbewerbs des Kulturministeriums zur Verfügung gestellt werden, um 50 Prozent. Dabei sind diese Wettbewerbe ein Anreiz für die Förderung der aufkommenden Filmindustrie.

Das Projekt sorgt unter anderem dafür, dass Perus regionales Kino auf mehreren internationalen Filmfestivals an Bekanntheit gewinnt. Es stellt außerdem ein wichtigste Fenster dar, um die Vielfalt und den Reichtum der Geschichte, Kulturen, Sprachen und Landschaften Perus zu zeigen.

Die wichtigsten Punkte des neuen Gesetzes

Artikel 10.3 überträgt der Kommission für die Förderung des peruanischen Exports und des Tourismus, PROMPERÚ, die Funktion der peruanischen Filmkommission, die die Nutzung von Drehorten im Staatsgebiet fördert.

Das Kollektiv zur Verteidigung des peruanischen Kinos ist der Ansicht, die peruanische Filmkommission solle ein eigenes Gesetz haben, da die Funktion dieser Kommission eine völlig andere ist.

Artikel 12, über “Wirtschaftliche Anregungen zu Film- und Audiovisuellen Tätigkeiten” bindet die Prozentsätze an die Zuständigkeit des Wirtschafts- und Finanzministeriums, eine Einrichtung, die keine Erfahrung mit den Herausforderungen des Sektors hat.

Mit Bezug auf Förderungen für regionale Film- und audiovisuelle Tätigkeiten, dürfen diese keinen Werken zugute kommen, die gegen die Rechtsstaatlichkeit verstoßen oder die Verteidigung der Interessen des peruanischen Staates beeinträchtigen.

Ebenso wenig dürfen sie Werken zugute kommen, die der nationalen Sicherheits- und Verteidigungspolitik entgegenwirken oder gegen die politische Verfassung Perus und das peruanische Rechtssystem verstoßen.

Das Kollektiv hält diesen Geltungsbereich für inakzeptabel, da er gegen die politische Verfassung verstößt, indem er die Freiheit der Meinungsäußerung, die Freiheit des künstlerischen Schaffens und die Informationsfreiheit einschränkt.

Die Filmgemeinschaft erklärte bereits bei etlichen Gelegenheiten, dass die Beiträge des Kulturministeriums die Kosten eines Filmes nicht decken.

Diese seien nur eine Hilfe bei der Suche nach weiterer Finanzierung, und die Reduktion um 50% würde diese Suche viel schwieriger und länger machen, wobei viele Filme nie beendet oder gar nicht erst gedreht werden würden.

In diesem Fall würde das regionale Kino praktisch verschwinden, da seine Entwicklung hauptsächlich von Fördermitteln abhängt. Private Förderungen und Zuschüsse seien hauptsächlich für Produktionen in Lima bestimmt, die ganz bestimmten Genres angehören und reine Unterhaltungsfilme sind.

Hintergründe

Der Angriff auf das peruanische Kino wurde von der Parlamentarierin Adriana Tudela eingeleitet, die am 13. September 2023 den Gesetzentwurf 5903/2023 CR präsentierte.

Die Initiative sieht die Aufhebung der Notverordnung 022-2019 vor, die die Film- und audiovisuelle Tätigkeiten fördert und derzeit die wirtschaftlichen Anreize des Kulturministeriums regelt.

Beschäftigte der Film- und audiovisuellen Industrie haben daraufhin das Kollektiv zur Verteidigung des peruanischen Kinos gegründet, in dem mehr als 70 repräsentative Gewerkschaften und fast 700 unabhängige Beschäftigte aus dem ganzen Land vertreten sind.

Das Projekt wurde an die Wirtschafts- und Kulturkommissionen weitergeleitet, und das Kollektiv bat in Briefen an beide Kommissionen um ein Treffen, um die Gründe für die Ablehnung des Gesetzentwurfes von Tudela zu erklären. Der Kulturausschuss kam der Bitte nach, nicht aber der Wirtschaftsausschuss, obwohl das Kollektiv darauf bestanden hatte.

Am 8. Mai 2024 arbeitete der Wirtschaftsausschuss eine Stellungnahme aus, die alle ihm vorgelegten Entwürfe zusammenfasst und schließlich zu einer Vorab-Stellungnahme wurde.

Unter dem irreführenden Namen „Gesetz zur Schaffung von Anreizmechanismen für die Förderung von Film- und audiovisuellen Aktivitäten“ wird sein Inhalt in Wirklichkeit als Rückschlag für die Entwicklung des Sektors angesehen.

Der Betrag, den das Kulturministerium den Filmemacher*innen zur Verfügung stellt, macht einen wichtigen Prozentsatz des Filmbudgets aus. Außerdem schafft er Vertrauen bei der Suche nach Partnern in der Privatwirtschaft und bei Koproduktionen mit anderen Ländern, um das Budget zu vervollständigen.

Für jeden peruanischen Sol, der der Filmindustrie durch die Anreize zur Verfügung gestellt wird, geben die Filmemacher*innen 1,8 Soles an den Staat zurück. Jeder Film schafft Arbeit für mehr als 50 Personen, zusätzlich zu den in Auftrag gegebenen Dienstleistungen (Catering, Transport, usw.).

Jeder dieser Menschen zahlt Steuern, und so fließen die wirtschaftlichen Anreize langfristig an den peruanischen Staat zurück. Dies belegt eine Studie der Universidad del Pacífico.

CC BY-SA 4.0 Peruanisches Kino durch Anti-Kinogesetz in großer Gefahr von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert