Gesundheitspersonal im Streik

von Oliver Lüthi

Warteraum in Krankenhaus Clínica Bíblica / Chuck Bryant, flickr(San José, 22. Juli 2011, voces nuestras).- Tausende von Angestellten des öffentlichen Gesundheitswesens in Costa Rica befinden sich seit dem 19. Juli in einem unbefristeten Streik. Hintergrund ist ein Streit zwischen Gewerkschaften und Vertreter*innen der costaricanischen Krankenkasse um einen Lohnzusatz und Leistungskürzungen im öffentlichen Gesundheitssystem.

 

Krankenhäuser und Apotheken betroffen

Vom Streik waren in den ersten Tagen große Teile des öffentlichen Gesundheitssystems betroffen. In einem Krankenhaus in der nördlichen Stadt Liberia erschienen 85 Prozent der Angestellten nicht zur Arbeit. In der Stadt Guápiles, in der Karibikprovinz Limón, blieben 16 von 18 Basisgesundheitszentren geschlossen.

Dem Streik schlossen sich auch Angestellte öffentlicher Apotheken und Angehörige medizinischer Nebendienste, wie Putzpersonal und Sicherheitsleute an. Nichtsdestotrotz waren die Angaben über die Streikbeteiligung sehr widersprüchlich. Gemäß Vertreter*innen der costaricanischen Krankenkasse nahmen lediglich 9 Prozent des Gesundheitspersonals am Streik teil, während die Gewerkschaften von 80 Prozent sprachen.

Lohnstreitigkeiten als Hauptursache

Am Anfang des Streiks stand ein Streit um einen Lohnzusatz. Die Gewerkschaften fordern, dass Entschädigungszahlungen im Falle von Krankheit zur Berechnung von 13. Monatslohn, Schul- und Arbeitslosengeldern hinzugezogen werden. Die Kasse weigert sich dies zu tun und bewertet das Thema als „nicht verhandelbar“. Hintergrund ist eine kürzlich erfolgte Entscheidung der Obersten Verwaltungsbehörde, wonach die gewerkschaftliche Forderung nicht mit dem geltenden Arbeitsrecht vereinbar ist.

Konflikt fordert erstes prominentes Opfer

Der Streik ist aber auch im Zusammenhang mit der desolaten Finanzsituation der staatlichen Krankenkasse zu sehen. Gemäß eigenen Berechnungen wird diese bis Ende Jahr ein Defizit von 184 Millionen US-Dollar aufweisen. Die schwierige Situation des costaricanischen Gesundheitswesens hatte kürzlich auch die Panamerikanische Gesundheitsorganisation bestätigt. Gemäß deren Bericht muss die Kasse massiv Gelder einsparen, um ein finanzielles Debakel zu vermeiden. Gewerkschaftsvertreter*innen verweisen darauf, dass die angespannte Situation der Kasse bereits zu medizinischen Leistungskürzungen und zur Streichung vakanter Arbeitsstellen geführt hat.

Der Konflikt um die costaricanische Krankenkasse hat inzwischen ein erstes prominentes Opfer gefordert. Eduardo Doryan, Vorsteher des staatlichen Telekomkonzerns, ist von seinem Posten zurückgetreten, um sich der Kritik an seiner Amtsführung als ehemaliger Leiter der Institution zu stellen. Gemäß dem Bericht der Panamerikanischen Gesundheitskommission hat die Verschuldung der Kasse gerade während der Amtszeit Doryans massiv zugenommen.

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