
Am 18. September organisierte Radio Matraca die Veranstaltung „Sampleos por la Memoria“, ein Treffen mit einem kritischen Blick auf die aktuelle politische Realität Perus. Gemeinsam mit peruanischenKünstler*innen wurde diese Perspektive neu interpretiert. Sie präsentierten ihre Kunst und brachten ihre Gedanken und Ideen zum Ausdruck. Mit dabei waren Pedro Mo, Primo Beatz, Chaska, Cindy und Laura. Durch Musik, Performance, Tanz und politische Bildungsarbeit in den Gemeinden versuchen sie, Funken des Widerstands zu entfachen.
Wir halten es für notwendig, zu erinnern, warum der Fujimorismus wieder an die Machtgekommen ist. Keiko Fujimori übernahm am 28. Juli 2026 das Präsidentenamt in Peru, nachdem sie die Wahl mit einem Vorsprung von nur 50.000 Stimmen gewonnen hatte. Diese Rückkehr findet zudem in einem lateinamerikanischen Kontext statt, der vom Erstarken der extremen Rechten geprägt ist. Deshalb sprechenwir nicht nur über die 1990er-Jahre. Wir sprechen darüber, was diese Zeit hinterlassen hat und was bisheute weitergeht.
Barrios Altos: 1991 wurden 15 Menschen vom Grupo Colina ermordet und vier weitere verletzt. La Cantuta: 1992 wurden neun Studierende und ein Professor entführt und ermordet. Für diese Verbrechen wurde Alberto Fujimori zu 25 Jahren Haft verurteilt. Wir sprechen auch über die Zwangssterilisationen: Zwischen1993 und 1999 wurden Hunderttausende Menschen sterilisiert, hauptsächlich indigene Frauen und Bäuerinnen. Dabei kamen Zielvorgaben, Anreize und Zwangsmethoden zum Einsatz, ohne eine informierte und freiwillige Einwilligung der Betroffenen. Wir sprechen von einer Demokratie, die zur Ware gemachtwurde: von dem Video, das zeigte, wie Montesinos den Kongressabgeordneten Alberto Kouri bestach; vongekauften Medien, Verleumdungskampagnen und öffentlichen Geldern, die dazu eingesetzt wurden, dieöffentliche Meinung zu kontrollieren. Fujimori wurde auch dafür verurteilt, öffentliche Gelder abgezweigt zuhaben, um seine Wiederwahl zu sichern.

Und wir sprechen darüber, wie sich diese Macht bis heute fortsetzt. 2016 erhielt Fuerza Popular unter der Führung von Keiko Fujimori 73 der 130 Sitze im Kongress und trug von dort aus zur politischen Krise bei, die schließlich zum Sturz von PPK führte. Danach folgte die Begnadigung Alberto Fujimoris. In den Jahren 2022und 2023, während der Regierung von Dina Boluarte, einer Verbündeten von Fuerza Popular, kamen bei denProtesten 49 Menschen unmittelbar infolge der Mobilisierungen ums Leben (laut Angaben des peruanischen Staates selbst). Die Interamerikanische Menschenrechtskommission (CIDH) dokumentierte schwere Menschenrechtsverletzungen und kritisierte den Einsatz staatlicher Gewalt.
Angesichts des Erstarkens autoritärer Denkweisen und der Art und Weise, wie Intoleranz, Rassismus und Ausgrenzung verbreitet werden, sind wir überzeugt, dass auch die Kultur ein Ort der Auseinandersetzung und der Entwicklung von Alternativen ist. Hip-Hop und andere Kunstformen können, besonders wenn sie in den eigenen Lebensräumen verwurzelt sind und mit den dortigen Gemeinschaften zusammenarbeiten, zu Werkzeugen der Erinnerung und der Organisierung werden. Sie können dem mächtigen Gegner etwas entgegensetzen, der sich festsetzt und seinen Einfluss immer weiter ausbaut (auch durch Diskurse und Kampagnen, die bestimmte Werte und Vorstellungen zunehmend verbreiten).
Deshalb war es ein Privileg, die eingeladenen Künstler*innen bei uns zu haben, ihre Perspektiven und Erfahrungen aus nächster Nähe kennenzulernen und mehr darüber zu erfahren, wie sie in ihren jeweiligen Lebensräumen ganz konkret Formen des Widerstands aufbauen.



Veranstaltung „Sampleos por la Memoria“ von Radio Matraca von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

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