Der Kampf ums Kupfer geht weiter

Die staatliche Kupferkooperative (CODELCO) beschlagnahmt am 8. März alle Vermögenswerte des US-amerikanischen Bergbauunternehmens Anaconda Copper Company – inklusive aller Tochtergesellschaften – in Chile. Im Gegenzug veranlassen US-Gerichte die Beschlagnahmung aller Lagerstädten von CODELCO in den USA.

Währenddessen in der Welt

In Spanien eröffnete die Polizei des Franco-Regimes (1939-1977) am 10. März das Feuer gegen protestierende Gewerkschafter*innen in den Werften der Staatsunternehmens Bazán in Ferrol, Galizien. Zwei Arbeiter werden getötet und fünfzig verletzt. Dem Ereignis wird bis heute als dem „Tag der galizischen Arbeiterklasse“ gedacht.

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Opposition ruft zu Aktionen auf

Auf der Arroyo-Farm, in der Nähe der Stadt Linares, versammeln sich am 4. März 33 Vertreter*innen verschiedener Parteien und Oppositionsgruppen. In einer gemeinsamen Erklärung warnen sie, dass „unsere Freiheit, unsere Demokratie und unsere Menschenrechte ernsthaft bedroht sind“, weshalb es keinen Platz für Feigheit oder Entmutigung gäbe. “Es ist an der Zeit zu handeln.” Unter den Anwesenden sind u.a. der Minister des Obersten Gerichtshofs, der Präsident des Senats, Patricio Aylwin (DC) sowie Vertreter*innen der Nationalen Partei (PN), der rechten paramilitärischen Organisation Patria y Libertad, des Opus Dei und der Rektor der Universität von Chile (UC), Edgardo Boeninger.

Währenddessen in der Welt

In Uruguay übernimmt in der gleichen Woche Juan María Bordaberry die Präsidentschaft des Landes. Es ist eine Zeit politischer Spannungen, hervorgerufen vom Konflikt zwischen linken Kräften – vor allem der Nationalen Befreiungsbewegung Tupamaros – und rechtsextremen Gruppen wie den Todesschwadronen (Escuadrón de la muerte) sowie der Jugendorganisation Juventud Uruguaya de Pie.

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Keine Flüge mehr von Chile in die USA

Am 23. Februar verhängt ein US-Bundesgericht im Bezirk New York ein Handelsembargos gegen chilenische Staatsunternehmen und blockiert ihre Konten. Daraufhin setzt die staatliche Fluggesellschaft LAN Chile alle Flüge in die USA bis auf weiteres aus.

Währenddessen in der Welt

Im anhaltenden Konflikt zwischen der UdSSR und China kommt es am 22. Februar zu einem neuen Eklat: Die chinesische Führung um Mao Tse Tung empfängt in Peking den Präsidenten der USA, Richard M. Nixon. Es ist der Beginn einer neuen Ära in der Beziehung beider Länder, die sich auch auf den weiteren Verlauf des Kalten Krieges auswirkt.

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Miriam Makeba grüßt Allende

Zum Abschluss des Internationalen Songfestivals in Viña de Mar begrüßt die beliebte südafrikanische Sängerin Miriam Makeba das Publikum mit den Worten: “Grüße an Präsident Allende! Lang lebe die chilenische Revolution!” Viele, die die Übertragung im Fernsehen mitverfolgen jubeln. Das eher konservative Festivalpublikum pfeift Makeba während des gesamt Konzerts aus.

In der gleichen Woche teilt die Industrie- und Handelsdirektion der Regierung (DIRINCO) mit, dass seit Dezember 1970 39 strategische Unternehmen in den Bereichen Textil, Fischerei, Bauwesen, Verkehr usw. vom Staat kontrolliert werden.

Währenddessen in der Welt

Ein bereits in der Vorwoche ausgebrochener Streik im spanischen Michellin-Werk von Victoria in der Provinz Alava erhält immer mehr Zulauf. Die Proteste von 3.500 Arbeiter*innen und mehreren tausend sympathisierenden Bürger*innen bringen das Regime von Diktator Francisco Franco in Bedrängnis.

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Der Arrayán-Bericht

Das Politische Komitee der Unidad Popular übergibt am 9. Februar der chilenischen Presse den Arrayán-Bericht, eine umfassende Analyse zur Lage der Nation. Darin erwähnt die UP auch bestehende Spannungen mit der christdemokratischen Partei (DC) und der Bewegung der revolutionären Linken (MIR). Der Bericht endet mit einem Aufruf zur Mobilisierung der Massen und zur Umsetzung des Regierungsprogramms.

Währenddessen in der Welt

In derselben Woche entfesselte der Tunesische Studierendenverband (UGET) einen Aufstand zur Verteidigung der universitären Unabhängigkeit gegenüber der regierenden Einheitspartei, der Sozialistischen Destur-Partei. Der tunesische Präsident Habib Bourguiba geht gewaltsam gegen die Proteste vor und lässt die Juristische Fakultät von der Polizei stürmen. Über 1000 Personen werden verhaftet, es gibt zahlreiche Verletzte.

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Kalter Handelskrieg

Am 4. Februar beauftragt der Kupferkonzern Braden Coper Co. ein US-Gericht Vermögenswerte des chilenischen Staates in New York einzufrieren. Doch Chile bleibt vorerst „flüssig”: in der selben Woche gibt Außenminister Clodomiro Almeyda bekannt, dass China und die UdSSR seinem Land Kredite von mehr als 100 Millionen US-Dollar genehmigt haben.

Währenddessen in der Welt

In der gleichen Woche finden zwei Krabbenfischer auf der Pazifikinsel Guam Shoichi Yokoi, den letzten noch aktiven Kämpfer des Zweiten Weltkriegs. Sergeant Yokoi hatte sich hier seit 1944 versteckt gehalten und blieb kampfbereit, ohne zu wissen, dass der Krieg seit über 28 Jahren vorbei war.

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Frische Fische für die Chile

In der letzten Januarwoche nimmt der chilenische Präsident Salvador Allende im Hafen von San Antonio drei sowjetische Fischereischiffe in Empfang. Die geliehenen Schiffe sollen helfen, die jährliche Fischproduktion zu verdoppeln. Parallel dazu wird ein Plan in Kraft gesetzt, den Fang über das ganze Land zu verteilen.

Währenddessen in der Welt

In der selben Woche schießt die Britische Armee auf eine unbewaffnete Demonstration irischer Nationalisten. Die Versammelten fordern die Einhaltung ziviler Rechte in dem von ihnen als unabhängig erklärten Territorium Derry. Bei den Auseinandersetzungen sterben 14 Menschen. Der Tag geht als „Blutiger Sonntag“ (Bloody Sunday) in die Geschichte ein.

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UP verliert Innenminister und Nachwahlen in Südchile

Im schwelenden Konflikt um die Absetzung von Innenminister José Tohá erfährt die Regierung eine Niederlage: Der Senat bestätigt mit 25 Ja-Stimmen gegen 22 Nein-Stimmen die Verfassungsbeschwerde der Abgeordnetenkammer gegen Tohá. Präsident Salvador Allende bildet daraufhin sein Kabinett um: Tohá wird Verteidigungsminister und Hernán del Canto übernimmt das Innenministerium. In der gleichen Woche verlieren die Kandidaten der Unidad Popular in drei Provinzen im Süden des Landes bei außerordentlichen Wahlen um Sitze im Abgeordnetenhaus.

Währenddessen in der Welt

Der Präsident der USA, Richard M. Nixon kündigt am 18. Januar eine „harte Linie“ gegen alle Länder an, die US-Unternehmen ohne „schnelle, effektive und angemessene Entschädigung“ enteignen. Viele deuten das Vergehen Nixons als Versuch, der chilenischen Regierung eine Neuverhandlung ihrer Auslandsschulden im Pariser Club zu erschweren. Der Paris Club ist ein informelles Gremium staatlicher Gläubiger, dass zusammentritt, wenn Umschuldungen oder Schuldenerlasse verhandelt werden sollen.

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UP gewinnt studentische Wahlen und verstaatlicht weiter

An der Universität von Concepción (UdeC) gewinnt die Liste der Unidad Popular (UP) bei den Wahlen der Studierendenvertretung. Die UP löst damit die Bewegung der Revolutionären Linken (MIR) als bisher stärkste studentische Kraft ab. Die MIR hatte seit 1967 tiefgreifende Reformen an der Universität eingeleitet. Aus damaligen Sprechern wie Miguel Enríquez und Bautista van Schouven waren längst landesweit bekannte politische Akteure geworden.

In der gleichen Woche kündigt Präsident Salvador Allende an, 91 strategische Unternehmen zu verstaatlichen.

Währenddessen in der Welt

Mujibur Rahman wird zum ersten Regierungschef des neuen unabhängigen Staates Bangladesch ernannt.

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Verfassungsbeschwerde trübt Geburtstagsfeier

Am 6. Januar nimmt die chilenische Abgeordnetenkammer mit 90 zu 59 Stimmen die Verfassungsbeschwerde der christdemokratischen Fraktion gegen Innenminister José Tohá an, dem sie vorwirft, bewaffnete Gruppen im Land nicht entschieden genug zu bekämpfen. In der gleichen Woche feiert die Kommunistische Partei Chiles (CP) ihr 50-jähriges Bestehen im Theater Caupolicán in Santiago. Mehr als 200 Künstler*innen nehmen an der kulturellen Machtdemonstration teil. Wolodia Teiteilboim spricht im Namen des CP. Er verurteilt die imperialistischen Interventionspläne gegen Chile und fordert die Einheit aller linken Kräfte.

Währenddessen in der Welt

Am 5. Januar zünden die USA auf einem Testgelände im Bundesstaat Nevada die Atombombe Mescalero. Der 120 Meter unter der Erde detonierte, fast 20 Kilotonnen schwere Sprengkopf ist die 753. von insgesamt 1.132 Bomben, die die Vereinigten Staaten bis 1992 testen werden.

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Kritik an Medienzensur der UP

Am 27. Dezember legen die Christdemokraten Verfassungsbeschwerde gegen Innenminister José Tohá ein. Der Grund: Tohá sei verantwortlich für die Einschränkung der Pressefreiheit und die Schließung von elf oppositionellen Radiosendern, während die Regierung auf allen Kanälen Politik mache.

Währenddessen in der Welt…

Großbritannien gibt am 29. Dezember seine Militärbasis in Malta auf. Einen Tag später kommt es zu einer Zäsur australischer Esskultur: in Sydney wird die erste McDonalds-Filiale des Land eröffnet.

Persönliche Freunde sollen legalisiert werden

Am 22. Dezember schlägt die Regierung ein neues Gesetz vor, um die persönliche Leibgarde des Präsidenten, die Grupo de Amigos Personales (GAP) zu legalisieren. Der Präsident begründet den Vorschlag damit, sich effektiv vor Anschlägen schützen zu müssen. Im Jahr 1971 wurden mindestens zwei Attentate vereitelt. Das Gesetz sieht vor, dass die Leibgarde ausschließlich aus Zivilisten bestehen soll, die jedoch das Recht haben Schusswaffen zu gebrauchen.

Währenddessen in der Welt…

Am 20. Dezember wird die unabhängige Organisation für medizinische Nothilfe Médecins Sans Frontières gegründet. Ziel der von Ärzt*innen und Journalist*innen gegründeten NGO ist es bis heute, den Zugang zur medizinischen Versorgung über Ländergrenzen hinweg und unabhängig von Rasse, Religion, Glauben oder politischer Zugehörigkeit zu gewährleisten.

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Beinahe ein neues Bündnis

Am 13. Dezember schlagen Regionalgruppen der Unidad Popular und die Bewegung der revolutionären Linken (MIR) im „Abkommen von Linares“ eine gemeinsame Linie für Enteignungen im Agrarsektor vor. Die Idee: die sofortige Auflösung allen privaten Großgrundbesitzes und die entschädigungslose Kollektivierung aller Agrarflächen ab einer Größe von 40 Hektar. Die Kommunistische Partei erklärt den Vorschlag als nichtig. Am 18. Dezember fordern Taxi- und Kleinbusunternehmen die Regierung auf, sich nicht in ihre Geschäfte einzumischen und statt dessen den Import von Ersatzteilen sicherzustellen – 25% ihres Fuhrparks liegt still.

Währenddessen in der Welt…

Die Kapitulation pakistanischer Truppen in Ost-Pakistan am 16. Dezember markiert den Beginn der Unabhängigkeit Bangladeschs und wird dort bis heute als Victory Day gefeiert.

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Medienschließung und neuer Kredit

Am 10. Dezember verfügt die Regierung die Schließung von Radio Balmaceda. Dem Sender der christdemokratischen Partei (DC) werden Verleumdung des Präsidenten und der Streitkräfte vorgeworfen. Bereits während der gewaltsamen Proteste in der ersten Dezemberwoche hat der Befehlshaber im Ausnahmezustand, General Augusto Pinochet, den Druck der rechten Tageszeitung La Tribuna einstellen lassen. Am 12. Dezember erhält Chile den lange erwarteten Kredit des Internationalen Währungsfonds über 9,5 Millionen US$.

Währenddessen in der Welt…

Am 7. Dezember kommt es zu schweren Kämpfen zwischen der pakistanischen Armee und dem bengalischen Kämpferverband der Mukti Bahini, dem Militärs und Zivilisten angehören. Die als Schlacht von Sylhet bekannt gewordene achttägigen Konfrontation ruft am 8. Dezember auch die 7. US-Flotte auf den Plan.

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Demonstrationen und Straßenkämpfe

Am 1. und 2. Dezember setzen „die Frauen mit den leeren Kochtöpfen“ ihre Demonstrationen gegen die Mangelversorgung fort. Auffällig ist, dass die Proteste am heftigsten in den Viertel der Oberschicht sind und dass sie von Schlägertrupps begleitet werden – u.a. auch von der ultrarechten Organisation Patria y Libertad. Nach Zusammenstößen mit der Polizei errichten die Demonstrant*innen Barrikaden. Die Regierung erklärt den Ausnahmezustand und verhängt eine Ausgangssperre. Der Gewerkschaftsdachverband CUT spricht von einer rechten Verschwörung, die Kommunistische Partei (PC) kündigt an, 150.000 Parteigänger mobil zu machen und der frühere christdemokratische Minister Jaime Castillo Velasco warnt davor, die Unidad Popular „könnte das Land in die Diktatur führen“.

Währenddessen in der Welt…

Am 1. Dezember startet die maoistisch-nationalistische Guerillaorganisation Rote Khmer einen Großangriff auf Positionen der regierungstreuen Armee und zwingt diese in mehreren Städten zu einem Rückzug.

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Umkämpfte Universitäten und lärmende Kochtöpfe

Am 22. November werden bei gewaltsamen Zusammenstößen im Zentrum Santiagos vier Studierende schwer verletzt. Hintergrund ist die umkämpfte Umsetzung von Reformen an der Universidad de Chile. Der Vorschlag von Rektor Boeninger, ein Plebiszit über studentische Mitsprache und kollektive Verwaltung abzuhalten, löst seit Tagen immer wieder gewaltsame Auseinandersetzungen aus. Auch an Hochschulen in anderen Städten kommt es zu Konflikten. In Santiago besetzen zudem am 24. November studentische Anhänger der Bewegung der revolutionären Linken (MIR) für zehn Stunden das Rathaus im Stadtteil La Reina. Die Opposition organisiert am 26. November die erste Demonstration der „leeren Kochtöpfe“, auf der vor allem Frauen Lärm schlagen. Präsident Salvador Allende kritisiert in einer Rede die Präsenz paramilitärischer Gruppen auf den Umzügen.

Währenddessen in der Welt…

Am 28. November ermordet die palästinensische Terrorgruppe Schwarzer September den jordanischen Premierminister Wasfi Tell, der sich bei einer Tagung der Arabischen Liga in Kairo aufhält.

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Versorgungskommissionen und Streit um Kollektivierungskurs

Am 16. November kündigt Finanzminister Américo Zorrilla die Gründung von Versorgungskommissionen (Juntas de Abastecimientos y Precios, kurz JAP) an. Sie sollen künftig dabei helfen Preise zu kontrollieren und das Horten von Lebensmitteln verhindern. Am 19. November kündigt die Bewegung der revolutionären Linken (MIR) an, an ihren Besetzungen für eine „revolutionäre Agrarreform“ festzuhalten. Die Regierung kritisiert den Kurs und spricht sich zugleich gegen die vom MIR vorgeschlagene Gründung von Betrieben aus, die vollständig von Arbeitenden verwaltet würden.

Währenddessen in der Welt…

Intel bringt am 15. November den ersten Mikroprozessor der Welt auf den Markt. Der Intel 4004 hatte eine Leistung von 4 Bit – heutige Prozessoren rechnen etwa 350.000 mal schneller.

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Inflation, Schulden und hoher Besuch von Fidel

Am 10. November informiert die Tageszeitung El Mercurio, dass sich die in Chile im Umlauf befindliche Geldmenge verdoppelt habe. Am gleichen Tag gibt die Regierung bekannt, internationale Schulden in Höhe von 3,8 Milliarden US$ mit elf Gläubigerländern neu zu verhandeln. Überstrahlt werden die Finanznachrichten jedoch vom Besuch des kubanischen Staatsoberhaupts, Fidel Castro, der für drei Wochen Chile bereisen würde. Zwei Tage später kommt auch der Vorsitzende der französischen Sozialisten, François Mitterrand für ein Treffen mit Allende nach Santiago.

Währenddessen in der Welt…

Die maoistisch-nationalistische Guerilla-Bewegung Roter Khmer greifen am 10. November die kambodschanische Hauptstadt Phnom Penh an. Bei den Angriffen sterben mehr als 40 Menschen – es ist der Beginn eines asymmetrischen Krieges, der 1975 mit dem Sieg der Roten Khmer enden würde.

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Allende zieht Bilanz nach erstem Regierungsjahr

Bei einer Großkundgebung im Nationalstadion am 4. November resümiert Präsident Salvador Allende die Erfolge seiner einjährigen Regierungszeit: fast 2,5 Millionen Hektar kollektiviertes Land, ein Rückgang der Arbeitslosigkeit von 8,3 auf 4,8 Prozent und eine stetige Umverteilung der Einkommen. Zugleich ruft Allende die Bewegung der revolutionären Linken (MIR) auf, illegale Besetzungen zu stoppen, die „kontrarevolutionär“ seien und die Unidad Popular in Misskredit bringen würden.

Währenddessen in der Welt…

Am 1. November eröffnet in London (UK) das weltweit erste Frauenhaus, in dem Menschen Schutz vor häuslicher Gewalt suchen können. Am 3. November erscheint das erste Nutzer*innen-Handbuch des Computer-Betriebssystem UNIX, der Grundlage der heutigen freien Software-Distribution GNU-LINUX.

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Chile soll kein zweites Kuba werden

Am 31. Oktober verteidigt Präsident Allende den chilenischen Weg „zum Sozialismus im Rahmen einer formalen Demokratie“ und weißt Anschuldigungen zurück, das kubanische Modell zu kopieren. Angewandt würden nur Maßnahmen „die kompatibel mit den Bedürfnissen und historischen Realitäten Chiles sind.“ Die reale Lage in Chile ist dagegen angespannt: der Agrarunternehmer und frühere Minister Benjamín Matte polemisiert gegen die Agrarreform, US-Bergbauunternehmen reichen Klage gegen Chile ein und Unbekannte zerstören bei einem Brandanschlag Tausende Tonnen Lebensmittel, die für den Einzelhandel in Valparaiso bestimmt waren.

Währenddessen in der Welt…

Am 25. Oktober wird die Volksrepublik China (VRC) in die Organisation der Vereinten Nationen (UNO) aufgenommen. Taiwan (auch bekannt als „Republik China”), Gründungsmitglied der UNO, wird am selben Tag ausgeschlossen, da die VRC bis heute auf den Status der alleinigen legalen Vertretung Chinas besteht.

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Kirchlicher Seegen für Wirtschaftskurs der UP

Am 24. Oktober äußert sich der chilenische Kardinal Raúl Silva Henríquez positiv zur Wirtschaftspolitik der Regierung und bescheinigt, dass „der Prozess der Verstaatlichungen verfassungsrechtlich einwandfrei war“. Entsprechend den Grundsätzen der Vereinten Nationen habe jedes Land das Anrecht auf sein Bodenschätze. Die Haltung betroffener US-Unternehmen fällt indes gemischt aus: einige fordern hohe Entschädigungen und einen Wirtschaftsboykott, andere, wie Bethlehem Steel, Ralston Purina und Bank of America setzen auf gütliche Einigungen.

Währenddessen in der Welt…

Die Rote Armee Fraktion (RAF) erschießt am 22. Oktober in Hamburg (BRD) den Polizisten Norbert Schmid. Schmid hatte versucht das RAF-Mitglied Margrit Schiller zu verhaften und wurde dabei von einem Komplizen erschossen. Er war das erste Mordopfer der RAF.

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Entschädigungslose Verstaatlichungen im Bergbausektor

Am 11. Oktober gibt der Generalrechnungsprüfer bekannt, dass die US-amerikanischen Bergbauunternehmen Anaconda und Kennecott für die verstaatlichten Produktionsstätten keine Entschädigung erhalten werden. Der Grund: beide Firmen schulden dem chilenischen Staat Steuern und Abgaben in Millionenhöhe. Zwei Tage später kündigt der US-Staatssekretär William Rogers an, alle öffentlichen und privaten Kreditlinien für Chile zu blockieren.

Währenddessen in der Welt…

Am 14. Oktober gründet sich im kanadischen Vancouver offiziell die Umweltschutz-Organisation Greenpeace. Heute hat die NGO weltweit mehr als drei Millionen Mitglieder.

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Projekt Hamilton-Fuentealba – Beginn einer langen Debatte

Die christdemokratische Partei (DC) präsentiert im Kongress ein Gesetzesvorhaben, dass die Politik der Verstaatlichungen verfassungsrechtlich begrenzen will. Der als Projekt Hamilton-Fuentealba bekannt gewordene Vorstoß markiert einen Wendepunkt im Verhältnis der DC zum Regierungsbündnis der Unidad Popular. Das Vorhaben wird bis 1973 immer wieder für hitzige Debatten sorgen.

Währenddessen in der Welt…

John Lennon veröffentlicht am 8. Oktober die Single-Auskopplung des Songs Imagine. Die Fachzeitschrift Rolling Stone bezeichnet das Lied als Lennons „größtes musikalische Geschenk für die Welt“

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Rede von Außenminister Almeyda vor UNO

Am 3. Oktober druckt die chilenische Presse die Rede von Außenminister Clodomir Almeyda nach, die dieser weniger Tage zuvor auf der 26. Generalversammlung der Vereinten Nationen (UN) gehalten hatte. Darin verteidigt Almeyda u.a. die Verstaatlichung natürlicher Ressourcen, solidarisiert sich mit der Bevölkerung Vietnams und kritisiert das internationale Währungssystem.

Währenddessen in der Welt…

Bei einem Zyklon im Golf von Bengalen sterben am 29. September mehr als 10.000 Menschen. Am 1. Oktober wird Walt Disney World im US-Bundesstaat Florida eröffnet.

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Verstaatlichte Telefone, freie Presse

Am 21. September kündigt die Regierung an die Compañía de Teléfonos de Chile, eine Tochtergesellschaft des US-Unternehmens ITT verstaatlichen zu wollen. Diese hatte bereits in der Vorwoche Unterstützung bei US-Präsident Richard M. Nixon gegen die drohende Enteignung gefordert. Am 25. September wird die Schließung der Presseagentur UPI aufgehoben.

Währenddessen in der Welt…

90 Diplomat*innen der UDSSR werden am 24. September aus Großbritannien ausgewiesen. Die britische Regierung wirft ihnen Spionage und die nicht bekanntgemachte Mitgliedschaft in geheimdienstlichen Organisationen vor.

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Entlassene Journalist*innen, geschlossene Presseagentur

Am 13. September äußerst sich Präsident Allende zu einem Arbeitskonflikt in der Tageszeitung El Mercurio. Entlassenen Journalist*innen empfiehlt er, für ihre Wiedereinstellung zu kämpfen. Zwei Tage später verfügt die Regierung die chilenische Vertretung der US-Nachrichtenagentur United Press International (UPI) wegen „Diffamierung“ zu schließen. Dafür erntet Allende viel Kritik, vor allem vom Interamerikanischen Presseverband (SIP).

Währenddessen in der Welt…

Quatar, Bhutan und Bahrain werden am 21. September als neue Mitgliedsstaaten in die Organisation der Vereinten Nationen (UNO) aufgenommen. Ihnen folgt wenige Tage später das Sultanat Oman.

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Angst vor Aufruhr und Staatsstreich

Am 7. September warnt die Kommunistische Partei Chiles (PC) vor konspirativen Gruppen, die einen Staatsstreich nach dem Modell des Putsches in Bolivien vorbereiten sollen. Drei Tage später präsentiert Innenminister José Tohá vor Gericht Beweise für „aufrührerische Tätigkeiten“ seitens der oppositionellen Nationalen Partei (PN). Die CIA unterstützt derweil die regierungskritische Tageszeitung El Mercurio mit 700.000 US$.

Währenddessen in der Welt…

Der chinesische Premierminister Zhou Enlai sendet Grüße an Präsident Allende und empfiehlt der Welt: „jedes Regierung sollte ihre eigenen Streitkräfte haben, demokratische oder proletarische, die ihren Machterhalt sichern.

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Gemeinsamer Appell gegen Interventionen im Andenraum

Am 30. April setzt Präsident Salvador Allende seine Reise nach Kolumbien fort, wo er gemeinsam mit seinem Amtskollegen Misael Pastrana eine regionale Strategie zur Nutzung der Meere und atomarer Energie sowie mehr wissenschaftliche Kooperation fordert. In Bogota, ebenso wie beim nächsten Treffen mit dem peruanischen Präsidenten Juan Velasco Alvarado am 2. September, verurteilen die Staatsoberhäupter interventionistische Aktionen der USA und sprechen sich für „politischen Pluralismus” aus.

Währenddessen in der Welt…

Das in Westberlin zwischen Frankreich, Großbritannien, UDSSR und USA am 3. September unterzeichnete Viermächteabkommen, soll den Rechtsstatus der geteilten Stadt klären und zu einer weiteren Entspannung des weltweiten Ost-West-Konflikts beitragen.

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Südamerika Reise Allendes beginnt in Ecuador.

Am 24. August bricht Präsident Allende zu einer Südamerikareise auf, um Ängste vor dem „roten Chile“ abzubauen und für mehr regionale Zusammenarbeit im Andenraum zu werden. Zuerst geht es nach Ecuador, wo er In einer gemeinsamen Erklärung mit dem Präsidenten José María Velasco Ibarra offen die Blockadehaltung der USA kritisiert.

Währenddessen in der Welt…

Am 25. August kommt es an der Grenze zwischen Uganda und Tansania zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen den Armeen beider Länder. Schwelende Landkonflikte und der von Tansania aus organisierte Widerstand gegen den ugandischen Diktator Idi Amin gipfeln sieben Jahre später im Uganda-Tansania-Krieg.

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Stillstand im Bergbau, Mobilisierung auf der Straße

Am 16. August versuchen 16 Vorarbeiter die Stromversorgung des Bergwerks und Wohnquartiere in Chuquicamata, lahmzulegen. Sie werden der Sabotage angeklagt. Präsident Salvador Allende mahnt zur Wiederaufnahme der Produktion. Die Opposition versucht derweil eine Versorgungskrise auszulösen und organisiert am 21. August einen Händlerstreik, begleitet von einer Demonstration. Vor allem Hausfrauen werden aufgerufen, sich zu beteiligen.

Währenddessen in der Welt…

Putschende Militärs lösen in Bolivien am 19. August heftige Kämpfe aus. Bergleute und Studierende schließen sich den regierungstreuen Truppen an, um Präsident Juan José Torres zu verteidigen. Am 22. August schlagen die Putschisten um Hugo Banzer den Widerstand nieder. Es ist der Beginn einer sieben-jährigen Diktatur.

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