Angela Davis besucht Armenviertel in Santiago

Am 11. Oktober besucht die afroamerikanische Aktivistin Angela Davis die población José María Caro, ein Armenviertel im Süden Santiagos, später auch die Staatliche Technische Universität (UTE). Davis, die wegen der Mitgliedschaft in der Kommunistischen Partei der USA (CPUSA) 1970 ihren Lehrvertrag verlor und später als mutmaßliche Terroristin monatelang in Haft saß, war eine internationalen Ikone der Schwarzenbewegung, für deren Freilassung auch in Chile immer wieder demonstriert wurde. Nach ihrer Freilassung im Juni 1972 reiste sie in zahlreiche sozialistische Länder. In Chile verurteilt sie „den Rachefeldzug der USA gegen Allende” und verspricht, die Interessen des Landes in ihrer Heimat zu verteidigen.

Währenddessen in der Welt

In Frankreich fordern in der gleichen Woche linke Gewerkschaften und die Kommunistische Partei von Präsident Georges Pompidou, nicht länger die Zahlung chilenischen Kupfers zu behindern. Pompidou hatte mit einer Anordnung den Handel ausgesetzt.

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Fuhrunternehmerstreik legt Chile lahm

Der bereits am 1. Oktober begonnene Streik der Fuhrunternehmer in der Region Aysén weitet sich, unterstützt vom Arbeitgeberverband, zum ersten landesweiten Protest gegen die Regierungspolitik aus. Die Anführer des Streiks werden wegen Verstoßes gegen das Gesetz der staatlichen Sicherheit festgenommen, da die Demonstrationen von gewaltsamen Aktionen und terroristischen Anschlägen begleitet sind. Die Proteste, die den gesamten Oktober andauern würden und dem Land erheblichen wirtschaftlichen Schaden zufügen, gehen als „Streik der Chefs” oder „Fuhrunternehmer-Streik” in die Geschichte ein.

Währenddessen in der Welt

In der gleichen Woche erhebt Chile vor den Vereinten Nationen schwere Vorwürfe gegen den US-Kupferkonzern Kennecott. Das Unternehmen behindere weltweit den Verkaufs chilenischen Kupfers, und setzte potentielle Käufer unter Druck. Der chilenische Botschafter Humberto Díaz Casanueva berichtet zudem, dass die USA die Interamerikanische Entwicklungsbank (BID) beeinflusse, um keine Kredite mehr an sein Land zu vergeben.

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Eine neues Indigenen-Gesetz für ein pluraleres Chile

Gegen den Willen der Opposition gelingt es der Regierung am 26. September im Parlament ein neues Indigenen-Gesetz zu verabschieden. Es trägt die Nummer 17.729 und hat den Anspruch, die Rechte der indigenen Völker Chiles zu stärken. So erkennt das Gesetz die Existenz verschiedener kultureller Gruppen auf dem chilenischen Staatsgebiet an und definiert „die indigene Frage” als nationales Problem und historische Schuld.

Währenddessen in der Welt

In der gleichen Woche nehmen die Volksrepublik China und Japan wieder diplomatische Beziehungen auf. In einem bilateralen Vertrag kündigt Japan alle offiziellen Beziehungen zu Taiwan auf und erkennt die Volksrepublik China als „einzige Regierung Chinas“ an.

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Öffentliche Mensa und Verstaatlichung der ITT

Drei Wochen nach Eröffnung der öffentlichen Mensa im Metropolitanes Kulturzentrum Gabriela Mistral steht fest: das Angebot ist ein voller Erfolg und der Ort ein beliebter Treffpunkt für Arbeiter*innen und Studierende geworden. In der zweiten Septemberhälfte gibt Präsident Salvador Allende zugleich bekannt, dass die chilenischen Vermögenswerte des US-amerikanischen Telekommunikationskonzerns ITT nun vollständig in staatlicher Hand seien. Zuvor hatte es im Parlament monatelang Widerstand gegen die Vergesellschaftung gegeben.

Währenddessen in der Welt

In derselben Woche gibt der philippinische Diktator Ferdinand Marcos die landesweite Anwendung des Kriegsrechts bekannt. Hintergrund sind Massendemonstrationen und der Beginn einer neuen Guerilla-Offensive gegen seine Regierung. Die direkte militärische Kontrolle der Philippinen sollte bis 1981 andauern.

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Die Nueva Trova trifft in Chile auf die Nueva Canción

Mitte September reisen die drei Hauptvertreter des kubanischen Musikstils Nueva Trova für zwei Wochen nach Chile. Silvio Rodriguez, Pablo Milanés und Noel Nicola treten im Estadio Nacional und auf der berühmten Folklorebühne Peña de los Parra auf, wo sie Erfahrungen mit chilenischen Musiker*innen aus der Bewegung der Nueva Canción austauschen.

Währenddessen in der Welt

In der gleichen Woche nehmen die Bundesrepublik Deutschland (BRD) und Polen wieder diplomatische Beziehungen auf, die beide Ländern seit dem Zweiten Weltkrieg ausgesetzt hatten.

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Zwei Jahre demokratischer Sozialismus

Mehr als zwei Millionen Chilen*innen gehen am 4. September auf die Straße, um den 2. Jahrestag des Wahlsiegs der Unidad Popular zu feiern. Präsident Salvador Allende ist überzeugt, die Bevölkerung werde all jene zerdrücken, die Spannungen zwischen Chilen*innen schüren würden. Die Opposition ruft zum Boykott des Jahrestags auf, „um Aggressionen zu vermeiden.“

Währenddessen in der Welt

Während der XX. Auflage der Olympischen Sommerspiele, die diesmal in München (BRD) stattfinden, entführt und ermordet die pro-palästinensische Gruppe Schwarzer September elf Mitglieder des israelischen Teams. Einige Tage später erhält Heinrich Böll den Literaturnobelpreis.

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Keinen Fußbreit dem Faschismus

Das Exekutivkommittee der Unidad Popular veröffentlicht am 30. August eine Erklärung. Darin werden die Bürger*innen zur Verteidigung der verfassungsmäßigen Regierung aufgefordert. Die Bevölkerung solle wachsam, gelassen und reaktionsfähig sein. Zugleich verurteilt das Schreiben aufständische Kräfte, die den gewählten Präsidenten mit ihrem „Septemberplan“ in ein Krise treiben wollten und an der Machtergreifung des Faschismus arbeiten würden. Aber das werde man verhindern…

Währenddessen in der Welt

Im Ausland dauert unterdessen der Handelskrieg gegen Chile an. Der US-amerikanische Kupferkonzern Kennecott erwirkt, dass französische Gerichte am 30. August eine wichtige Ladung chilenisches Kupfers beschlagnahmen, die auf dem Weg zum Hafen von Le Havre war.

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Ausnahmezustand in Santiago

Die Regierung verhängt am 21. August für den Großraum Santiago den Ausnahmezustand. Grund sind eine Reihe gewaltsamer Anschläge und ein Einzelhandelsstreik, der im Stadtzentrum zu Zusammenstößen führt. Die christdemokratische Partei (DC) macht die Regierung für die Situation verantwortlich und ruft zu einer Demonstration gegen Präsident Salvador Allende auf.

Währenddessen in der Welt

Im argentinischen Süden, sorgt die Haftanstalt von Rawson, aus der in der Vorwoche einer Gruppe Guerilleros die Flucht gelang, erneut für Schlagzeilen. Am 22. August ermordet das Militär dort 16 Häftlinge, allesamt Mitglieder bewaffneter linker Organisationen. Die Vergeltungsaktion wird als „Massaker von Trelew“ bekannt.

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Eine neue Verfassung für ein neues Chile

Eine Beraterkommission von Präsident Salvador Allende beginnt Mitte August unter Leitung des katalanischen Juristen Joan Garcés Vorschläge für eine neue Verfassung zu erarbeiten. Ein novelliertes Grundgesetz, so die Hoffnung, würde es dem Land ermöglichen, anhaltende institutionelle Konflikte zu überwinden. Über den Vorschlag solle dann im September 1973 bei einem Volksentscheid abgestimmt werden.

Währenddessen in der Welt

Am 15. August flieht eine Gruppe argentinischer Guerilleros aus dem Rawson-Gefängnis in Chubut, im südargentinischen Patagonien. Mit einem entführten Flugzeug entkommen sie nach Santiago, wo sie Asyl beantragen. Präsident Salvador Allende empfängt die Gruppe und gewährt ihnen sicheres Geleit, um nach Kuba weiterzureisen.

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Faschistische Welle schwappt nach Chile

In einer Fernsehansprache am 8. August verurteilt Präsident Salvador Allende die „faschistische Welle” die das Land verwüste: 215 Angriffe auf Brücken, Erdöl-Leitungen, Eisenbahnschienen, Lastwagen und Busse, Stromleitungen, öffentliche Dienste, Medien usw. Seine Botschaft bleibt unvollständig, weil ein Bombenanschlag auf das hauptsächliche Stromnetz die Übertragung unterbricht.

Währenddessen in der Welt

In der gleichen Woche kommt es in der DDR zu einem Flugzeugunglück. Eine aus Bulgarien kommende Maschine der Linie Ilyushin stürzt in der Nähe von Ostberlin ab. 156 Menschen kommen ums Leben.

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Polizeigewalt gegen Bevölkerung

Während Präsident Salvador Allende öffentlich die von der Bewegung der revolutionären Linken (MIR) initiierte „Versammlung der Bevölkerung” in Frage stellt, sorgt am 5. August ein brutaler Polizeieinsatz in Santiago für Schlagzeilen: drei Bewohner der städtischen Landbesetzung La Hermida werden von Ordnungshütern auf der Suche nach „bewaffneten Kriminellen“ getötet. Die Bewohner*innen verurteilen zusammen mit der MIR den Einsatz der repressiven Staatswaffen gegen die Bevölkerung.

Währenddessen in der Welt

In der gleichen Woche befiehlt der ugandische Diktator Idi Amin Dada die Ausweisung aller Asiat*innen mit britischen Pässen, hauptsächlich Inder*innen und Pakistanis. Das Dekret, von dem mehr als 50.000 Menschen betroffen sind, gewährt für die Ausreise eine Frist von nur 90 Tagen.

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Eine große Versammlung gegen die Bourgeoisie

In der Stadt Concepción ruft die Bewegung der revolutionären Linken (MIR) am 27. Juli eine „Versammlung der Bevölkerung” zusammen. Drei Parteien der Unidad Popular (Sozialisten, Radikale Partei und die Bewegung der Unitaren Volksaktion, MAPU) beteiligen sich. Die Kommunistische Partei distanziert sich dagegen von diesem „politischen Abenteuertum”. Zwei Tage später weigern sich in der Hauptstadt Santiago Tausende Arbeiter*innen die verstaatlichte Textilfabrik Yarur ihren früheren Eigentümern zurückzugeben; ein Gericht hatte die Enteignung der privaten Produktionsstätte für illegal erklärt.

Währenddessen in der Welt

In der gleichen Woche enthüllt die US-Zeitung Washington Star das Tuskegee-Experiment einer staatlichen Gesundheitsbehörde. Seit 1932 enthielten Ärzte über 300 afro-amerikanische Tagelöhnern, die sich mit Syphilis infiziert hatten, Behandlungen und Medikamente vor, um den natürlichen Verlauf der Krankheit zu studieren. Das menschenverachtende Experiment wurde drei Monate später eingestellt, die 74 Überlebenden der Studie erhielten eine Entschädigung.

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Keine Waffen für die Bevölkerung

Die Abgeordnetenkammer genehmigt am 21. Juli das „Waffenkontrollgesetz“. Die Streitkräfte erhalten darin weitgehende Befugnisse und dürfen bei Verdacht auf illegalen Waffenbesitz Razzien und Verhaftungen durchführen. Der Gesetzesvorstoß, der auch von der parlamentarischen Rechten unterstützt wird, soll es der Armee erleichtern, den Waffenbesitz zu überwachen und ihre Verbreitung zu kontrollieren.

Währenddessen in der Welt

Am 21. Juli detoniert die die Provisorische Irisch-Republikanische Armee (IRA) im nordirischen Belfast mehrere Bomben. Neun Menschen werden getötet, mehr als 100 schwer verletzt. Das Ereignis ist als „Blutiger Freitag“ (Bloody Friday) bekannt.

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Regierung warnt vor Bürgerkrieg

In einer Rede am 10. Juli wirft Präsident Salvador Allende der Opposition Aufruhr und Verschwörung vor: „Diejenigen, die die Illusion eines Staatsstreichs nie aufgegeben haben, sehnen sich nach dem Brudermord als Mittel zur Erhaltung des Privateigentums von Großunternehmen, Banken und Latifundisten und versuchen nun, die demokratischen Institutionen des Landes zu zerstören.“

Währenddessen in der Welt

In derselben Woche weist der ägyptische Präsident Anwar al Sadat 20.000 sowjetische Militärberater aus, nachdem die UdSSR es abgelehnt hatte, die militärische und wirtschaftliche Hilfe für Ägypten zu erhöhen.

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Und wieder stürzt ein Innenminister…

Nach nur drei Wochen Amtszeit erzwingt die parlamentarische Opposition mit einer Verfassungsbeschwerde am 5. Juli Innenminister Hernán del Campo dazu, seine Arbeit ruhen zu lassen. Im August würde der Sozialist Jaime Suárez seine Nachfolge antreten.

Währenddessen in der Welt

In der selben Woch tötet der israelische Geheimdienst Mossad im libanesischen Beirut den Sprecher der Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP), Ghassan Kanafani, mit einer Autobombe. Die PFLP versuchte in den 1970er Jahren mit politischen und terroristischen Mitteln einen demokratischen und sozialistischen palästinensischen Staat errichten.

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Allende-Unterstützer neuer Rektor der Technischen Universität

Am 2. Juli gewinnt der Kandidat des linken Regierungsbündnis Unidad Popular, Enrique Kirberg, die Rektoratswahlen der Staatlichen Technischen Universität (UTE). Es ist Kirbergs dritte Amtszeit und zugleich das dritte Mal, dass sich an der Wahl nicht nur Lehrende sondern auch Studierende und Angestellt beteiligen – ein Erfolg der chilenischen Hochschulreform von 1967.

Währenddessen in der Welt

Pier Paolo Passolini gewinnt mit dem Film „Pasolinis tolldreiste Geschichten” (Original: I racconti di Canterbury) den „Goldenen Bären“ bei den Internationalen Filmfestspielen in Berlin. Überall sonst wird der Streifen von der Kritik zerrissen.

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Allende bildet Kabinett um

Am 17. Juni stellt Präsident Salvador Allende eine neues Kabinett vor. Vier Tage zuvor hatten insgesamt 15 Mitglieder ihre Ämter niedergelegt, unter ihnen Wirtschaftsminister Pedro Vuskovic, der ständigen Anfeindungen von rechts ausgesetzt war. Die freiwilligen Rücktritte sollten die Neuordnung der Ministerien zu erleichtern. Nur eine Frau ist unter den von Allende präsentierten Namen: Arbeitsministerin Mireya Baltra.

Währenddessen in der Welt

In der gleichen Woche nimmt in den USA die Watergate-Affäre ihren Anfang, als bekannt wird, dass CIA- und FBI-Beamte illegal Dokumente aus der Parteizentrale der Demokratischen Partei gestohlen hatten.

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Politische Blockbildung verfestigt sich

Während der Gewerkschaftsdachverband (CUT) den Wahlsieg des Kommunisten Luis Figueroa als neuen Präsidenten feiert, genehmigt die chilenische Wahlbehörde am 8. Juni den Parteien, bei den kommenden Wahlen in nur zwei Blöcken gegeneinander anzutreten. Da sich die Linke bereits als Unidad Popular zusammengeschlossen hat, bereitet die Entscheidung vor allem den Weg für ein rechtes Wahlbündnis.

Währenddessen in der Welt

Am 8. Juni erhält der vietnamesisch-amerikanische Fotograf Nick Út von der Agentur Associated Press (AP) den Pulitzerpreis für eines der bekanntesten und erschütterndsten Bilder des Vietnamkriegs: die Aufnahme eines neunjährigen nackten Mädchens, dass nach einem US-Luftangriff Angriff mit Napalmbomben aus ihrem Dorf flieht.

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Zum Verhältnis von Arbeiterklasse und Regierung

Am 6. Juni finden die allgemeinen Wahlen des Gewerkschaftsdachverbands CUT (Central Unitaria de Trabajadores) statt. Das Bündnis der Unidad Popular gewinnt mit absoluter Mehrheit. Die Opposition erlangt jedoch den Vorsitz der CUT-Vertretung in Santiago – und stellt die bedingungslose Unterstützung der Arbeiterklasse für die Politik der Regierung in Frage.

Währenddessen in der Welt

In der gleichen Wochen tritt im geteilten Deutschland ein Transitabkommen für den zivilen Güter- und Personenverkehr in Kraft. Bereits im Dezember des Vorjahres hatten sich die Regierungen der DDR auf einen solchen Vertrag geeinigt, der u.a. die Visavergabe und den gemeinsamen Erhalt von Fernstraßen verbessern sollte.

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Wachstum und höhere Löhne trotz Boykott

Die Wirtschaftskommission für Lateinamerika und die Karibik (CEPAL) veröffentlicht am 27. Mai einen Bericht, in dem sie der Regierung der Unidad Popular wirtschaftliche und soziale Fortschritte bescheinigt. So sei das Bruttosozialprodukt (BSP) um 48,5 Prozent gewachsen. Zugleich erhielten die Chilen*innen höhere Löhne, die Arbeitslosigkeit sei gesunken und der Konsum gestiegen. Dem steht jedoch ein Rückgang der Investitionen und negative Zahlungsbilanz gegenüber.

Währenddessen in der Welt

In Moskau empfängt am 26. Mai der Generalsekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion, Leonid Brezhnev, US-Präsident Richard M. Nixon. Während des Besuchs unterzeichnen beide den sogenannten ABM-Vertrag, ein Abkommen zur Begrenzung antiballistischer Raketenabwehrsysteme. Der Vertrag blieb 30 Jahre lang in Kraft, bis die USA im Jahr 2002 von dem Vertrag zurücktrat.

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Konstruktiver Abriss kapitalistischer Grundfeste

Am 21. Mai übergibt Präsident Salvador Allende dem Kongress seinen zweiten Regierungsbericht. Darin bekräftigt er die Achtung der Verfassung und gibt bekannt, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im ersten Jahr seiner Amtszeit um 8,5 Prozent gestiegen sei. Zudem verkündet Allende, dass „unsere historische Mission“ in einem konstruktiven Abriss bestehe, „in der Zerstörung der Grundpfeiler, die das kapitalistische Regime stützen, um die Grundlagen einer sozialistischen Ordnung zu schaffen.“

Währenddessen in der Welt

In der selben Woche explodieren in der Zentrale des Medienunternehmens Axel Springer im bundesdeutschen Hamburg drei Bomben. 17 Menschen werden verletzt. Zu dem Anschlag bekennt sich die linksextremistische Gruppe Rote Armee Fraktion (RAF). Sie wirft der „Springer-Presse“ mediale Hetze vor und macht den Konzern u.a. mitverantwortlich für den Tod des Studenten Benno Ohnesorg während einer Demonstration gegen den iranischen Schah in Berlin 1967 und für den Angriff auf den studentischen Wortführer Rudi Dutschke 1968.

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Verstaatlichte Kommunikation und soziale Konflikte

Am 12. Mai verstaatlicht Präsident Salvador Allende alle chilenischen Vermögenswerte des US-Unternehmens International Telephone & Telegraph (ITT), das seit Wochen in der Kritik steht, an Umsturzplänen gegen die Regierung beteiligt gewesen zu sein. Am gleichen Tag kommt es in der Stadt Concepción zu schweren Auseinandersetzungen zwischen rechten und linken Studierenden. Beim Einsatz der Bereitschaftspolizei stirbt ein Anhänger der MIR (Bewegung der Revolutionären Linken). Die Opposition gibt dem Innenminister die Schuld.

Währenddessen in der Welt

Zwei Tage später wird in die chilenische Botschaft in Washington, USA eingebrochen. Bei der nächtlichen Aktion entwenden Unbekannte offizielle Dokumente. Einen guten Monat später wiederholt sich eine ähnliche Aktion: diesmal sind es Agenten der Nixon-Regierung, die im Watergate-Gebäude Papiere stehlen. Die Parallelen führen später zu Mutmaßungen über das Mitwirken eines US-Geheimdienst beim Einbruch in die diplomatische Vertretung Chiles.

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Eine Million Bücher für die Bevölkerung

Der staatlich Verlag Quimantú feiert den Verkauf seines Millionsten Buches. Die im Februar 1971 aus der Konkursmasse des Verlagshauses Zig-Zag entstandene Quimantú setzt seit seiner Gründung auf ein günstiges Angebot literarischer Klassiker und neuer Zeitschriften.

Währenddessen in der Welt

In der gleichen Woche nehmen die USA ihre Bombardements in Nordvietnam wieder auf – eine Reaktion auf die Ende April gestartete „Osteroffensive“ der sozialistischen Befreiungsbewegung Vietnams.

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Sozialistische Christen und oppositioneller Rektor

Vom 23. bis zum 30. April findet in der Zentrale der Textilarbeitergewerkschaft Hirmas, das erste lateinamerikanische Treffen der Christen für den Sozialismus statt. Mehr als 400 nationale und internationale Delegierte nehmen teil. In der gleichen Woche gewinnt der Christdemokrat Edgardo Boeninger die Wiederwahl zum Rektor der Universität Chile. Allen studentischen Protesten zum Trotz, erhält Boeninger die Mehrheit der Stimmen; vor allem viele Professor*innen stimmen für ihn.

Währenddessen in der Welt

Am 29. April kommt es im afrikanischen Burundi zu einem Putschversuch, unterstützt von der Bevölkerungsgruppe der Hutu. Präsident Michel Micombero ruft den Ausnahmezustand aus und löst die Regierung auf. Nach wenigen Tagen wird die Rebellion niedergeschlagen, doch der Vernichtungskrieg der Armee gegen die Bevölkerung wird fortgesetzt und fordert in den kommenden Monaten mehr als 200.000 Opfer.

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Allende kündigt Verstaatlichung der ITT an

Am 20. April angesichts des Skandals um die politischen Machenschaften des Kommunikationskonzerns ITT, schlägt Präsident Salvador Allende die Verstaatlichung von dessen Produktionsmitteln in Chile vor. Die ITT hält zu diesem Zeitpunkt 70 Prozent des nationalen Anbieters Compañía de Teléfonos de Chile (CTC).

Währenddessen in der Welt

In der gleichen Woche töten im uruguayischen Montevideo Verbände aus Militärs und Polizei (Fuerzas Conjuntas) acht unbewaffnete kommunistische Arbeiter. Der Anschlag findet in der Parteizentrale der uruguayischen Kommunistischen Partei (PCU) statt und wird rückblickend oft als Vorzeichen des Militärputschs von 1973 gesehen.

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Eröffnung der UNCTAD III-Konferenz

Am 13. April eröffnet Präsident Salvador Allende die Versammlung der Dritten UN-Weltkonferenz für Handel und Entwicklung in der Dritten Welt (UNCTAD III). Das mehr als 20.000 Quadratmeter große Gebäude, in dem das Treffen stattfindet, wurde unter Beteiligung Tausender Freiwilliger unter Leitung des Architekten Miguel Lawner, in weniger als einem Jahr errichtet. Nach Ende der UNCTAD III würde der Gebäudekomplex als Metropolitanes Kulturzentrum Gabriela Mistral der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen.

Währenddessen in der Welt

In der gleichen Woche reist der chilenische Dichter Pablo Neruda nach New York, um anlässlich des 50-jährigen Bestehens des Autor*innenverbands PEN-Club als Festredner zu sprechen. Der Nobelpreisträger nutzt die Gelegenheit, um die laufenden Verhandlungen chilenischer Auslandsschulden im Pariser Club zu thematisieren und wirbt dafür, den „chilenischen Revolutionsprozess“ anzuerkennen: „Da unser Weg von uns gewählt wurde, sind wir entschlossen, ihn bis zum Ende zu gehen“.

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Versorgungskommissionen gegen Knappheit

Am 4. April gibt die Regierung den Versorgungskommissionen der JAP (Juntas de Abastecimiento y Precios) einen eigenen Rechtsstatus. Damit soll die Arbeit dieser schnell wachsenden, territorialen Basisorganisationen gestärkt werden. Den JAP ist es seit ihrer Gründung im November 1971 gelungen, die Lebensmittelverteilung im Land sicherzustellen und den Handel auf Schwarzmärkten einzudämmen. Die Opposition kritisiert dennoch die Legalisierung der JAP.

Währenddessen in der Welt

Die nordvietnamesische Armee und die Nationale Front für die Befreiung Südvietnams starten am 30. März ihre „Osteroffensive“. Ziel ist es, die südvietnamesischen Truppen zu schwächen und zu demoralisieren. Doch aufgrund strategischer Mängel und gegnerischer Unterstützung der US-Navy sollte die Operation bereits Ende April scheitern.

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Regierung vereitelt Militärputsch

Der Nationale Sicherheitsrat informiert am 28. März die Pläne eines rechten Militärputschs vereitelt zu haben. Der mutmaßliche Anführer der Verschwörung, der pensionierte Major Arturo Marshall, setzt sich nach Bolivien ab. Einen Tag später verhaftet die Polizei den ehemaligen Kapitän Julio Sarria wegen Aufruhrs.

Währenddessen in der Welt

Nachdem das Telekommunikationsunternehmen ITT anfänglich seine politische Einmischung in Chile dementiert, bestätigt die Firmenleitung am am 31. März die Echtheit der belastenden Dokumente. Ausgelöst hatte den Skandal neun Tage zuvor der Journalist Jack Anderson, als er einen Plan von ITT und dem US-Geheimdienst CIA zum Sturz des chilenischen Präsidenten Salvador Allende öffentlich machte.

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Mehr Land in Campesin@-Hände

In der Region Chillán legen am 25 März die Landarbeiter*innen regierungsnaher Gewerkschaften auf einhundert Gütern (fundos) von Großgrundbesitzer*innen die Arbeit nieder. Kurz darauf kündigt Agrarminister Jacques Chonchol die Enteignung von 144 Ländereien in der Gegend an.

Währenddessen in der Welt

Der US-Journalist Jack Anderson sorgt am 22. März mit einem Artikel in der Washington Post weltweit für Aufsehen. Unter dem Titel „ITT versprach Millionen um Allende aufzuhalten“ liefert Anderson erstmals Beweise für die politischer Einflussnahme des mächtigen Telekommunikationskonzerns ITT (International Telephone & Telegraph) in Chile. Der Journalist hatte Zugang zu einem 82 Seiten starken Dossier, in dem gemeinsame Umsturzpläne des US-Geheimdienstes CIA und der ITT seit Ende der 1960er Jahre dokumentiert sind.

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Opposition warnt vor knappen Lebensmitteln und Inflation

Am 11. März erklärt die Nationale Landwirtschaftsgesellschaft (SNA), die Chiles Großgrundbesitzer vertritt, dass das Land 40 Prozent des Weizenverbrauchs durch Importe decken müsse. Die Situation auf dem Land sei katastrophal, die Erzeuger in einer instabilen Situation, „angesichts der Bedrohungen und illegalen Besetzungen der CORA [staatliches Unternehmen der Agrarreform, Anm. Red.], die einen dauerhaften Verstoß gegen Personen und Gesetze darstellen“. Die Regierung geht nicht direkt auf die Kritik ein, bestätigt jedoch, dass Chile mit einer Inflation zu kämpfen habe.

Währenddessen in der Welt

Am 14. März wird Francis Ford Coppolas Film „Der Pate“ im US-amerikanischen New York uraufgeführt. Marlon Brando sollte für seine Rolle als Don Vito Corleone im kommenden Jahr den Oscar als bester Hauptdarsteller gewinnen. Brando würde den Preis jedoch ablehnen, um seine Kritik an der erniedrigenden Behandlung der US-Ureinwohner durch die Filmindustrie zum Ausdruck zu bringen.

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