Wieder Vertreibung von indigener Gemeinde in La Guajira

Foto: Pressenza/Nación Wayúu

(Bogotá, 8. November 2020, pressenza).- Am 6. November wurde eine Siedlung von Angehörigen der indigenen Gemeinde Painwashi am Stadtrand von Riohacha im nordkolumbianischen Department La Guajira von der Aufstandsbekämpfungseinheit ESMAD der kolumbianischen Polizei gewaltsam geräumt. Die Räumung fand mit richterlichem Beschluss und in Anwesenheit des Büros für indigene Angelegenheiten der Stadtverwaltung statt. Mit schwerem Gerät und dem Einsatz von Tränengas zerstörten sie Hütten, Gärten und Schafställe und gefährdeten Kinder, Alte, Frauen und Männer. Diese mussten hilflos mit ansehen, wie nicht nur ihre Behausungen, sondern auch ihre Rechte von den Sicherheitskräften verletzt wurden.

Die richterliche Anordnung wurde aufgrund eines Ersuchens einer Familie von Landbesitzer*innen erteilt. Diese hätten in „undurchsichtigen Verhandlungen die verfassungsgemäßen Rechte verletzt, die die Indigenen der Wayúu für ihr Land besitzen“, beklagte Bladimir Silva, Vorsitzender von Nación Wayúu, einer Organisation zur Verteidigung indigener Rechte. Die Landbesitzer*innen hätten mit Hilfe von „Anwälten und Richtern Besitzurkunden für indigenes Land an nicht-Indigene erteilt, um die Erweiterung des Stadtgebietes und der Industriegebiete von Riohacha voranzutreiben“, erklärte Silva. Dies bedeute eine Politik zur Vertreibung der Indigenen von ihrem Land.

Hütten, Gärten und Schafställe zerstört

Foto: Pressenza/Nación Wayúu

Silva und die Gemeindemitglieder verlangten Schutzmaßnahmen vom Staat. Dieser solle nicht nur die Angriffe auf die Wayúu-Gemeinde stoppen, sondern auch deren Enteignung. Zudem forderte Silva, die traditionellen indigenen Behörden zu respektieren, schließlich seien diese vom kolumbianischen Innenministerium vereidigt worden. Diese Repräsentant*innen seien die Ansprechpartner*innen bei Themen dieser Reichweite.

Zeitgleich mit der Räumung fand ironischerweise der erste offizielle Besuch des neuen Menschenrechts-Ombudsmanns Carlos Camargo Assis in La Guajira statt. Dieser hatte im indigenen Wayúu-Schutzgebiet Provincial erklärt: „Ich bin gekommen, um Ihnen zuzuhören. Nach nur zwei Monaten im Amt wollte ich persönlich herkommen, um Sie zu begrüßen und Ihnen mitzuteilen, dass wir als Institution für Sie da sind. Wir vertreten die Rechte aller Gemeinden, aber besonders die Rechte unserer indigenen Völker, ihrer Traditionen, Bräuche und ihres Glaubens.“

Artikel 63 der kolumbianischen Verfassung definiert den Landbesitz der Indigenen als Schutzgebiet. Damit ist es verfassungsmäßig festgeschrieben, dass indigenes Gemeindeland nicht verkauft oder besteuert werden darf. Durch diese Anerkennung des Gemeindebesitzes eines Schutzgebietes durch die Verfassung sollen indigene Kulturen und spirituelle Werte geschützt werden.

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