Linkes Wahlbündnis erringt Etappensieg

Wahlsieger der ersten Runde: der Pacto Histórico, vertreten durch Gustavo Petro und Francia Márquez
Foto: Coronades03 via wikimedia
CC BY-SA 3.0

(Bogotá, 29. Mai 2022, la diaria).- Rund 55 Prozent der gut 39 Millionen wahlberechtigten Bürger*innen machten am Sonntag den 28. Mai von ihrem Wahlrecht Gebrauch. Nachdem fast alle Stimmen vollständig ausgezählt sind, liegt nach offiziellen Angaben nun folgendes Ergebnis vor: Deutlicher Sieger ist das linke Bündnis Pacto Histórico mit über acht Millionen Stimmen (40,33 Prozent). Der Populist Rodolfo Hernández, ehemaliger Bürgermeister der Stadt Bucaramanga, belegt mit knapp sechs Millionen Wählerstimmen (28,16 Prozent) den zweiten Platz. Equipo por Colombia, die Partei des von Uribe-Anhängern unterstützten Fico Gutiérrez, kam mit etwas mehr als fünf Millionen Stimmen (23,9 Prozent) auf Platz drei und ist damit aus dem Rennen um die Nachfolge von Iván Duque ausgeschieden. Weit abgeschlagen, mit nur etwas über vier Prozent der Stimmen, folgt Sergio Fajardo, Kandidat der Coalición Centro Esperanza. Gustavo Petro, Wahlsieger der ersten Runde, trifft in der Stichwahl am 19. Juni auf den rechtsgerichteten Kandidaten Rodolfo Hernández. Nach Bekanntwerden der Ergebnisse kündigte Fico Gutiérrez an, er werde Rodolfo Hernández und seine Liga de Gobernantes Anticorrupción unterstützen.

„Heute ist ein Tag des Triumphs“

Am Abend des Wahltags hielt Petro im Hotel Tequendama in Bogotá in Begleitung von Vizepräsidentschaftskandidatin Francia Márquez eine lange Rede. „Wir haben gewonnen, heute ist ein Tag des Triumphs“, so der 62-jährige Ex-Bürgermeister von Bogotá. „Die mit Iván Duque verbündeten Politiker sind gescheitert, ebenso sein politisches Projekt. Kolumbien hat nicht nur eine Wahl getroffen, sondern damit zugleich eine Botschaft an die Welt gesendet: Eine Ära geht zu Ende. […] Freie Bürgerinnen und Bürger – das ist es, was eine große Nation ausmacht. Was für eine Art von Veränderung wollen wir: den Selbstmord oder den Fortschritt?“ An die Geschäftswelt gerichtet, betonte der linke Kandidat, seine Maximen seien „soziale Gerechtigkeit und wirtschaftliche Stabilität“. Gewalt, Hunger und Korruption hingegen seien die großen Übel, von denen das Land erdrückt werde. Seine Anhänger*innen erinnerte er daran, dass das Ergebnis der Stichwahl vermutlich sehr knapp ausfallen werde, und bat sie, ihre Anstrengungen für die zweite Runde zu verdoppeln. Es gelte nun, diejenigen zu erreichen und zu überzeugen, deren Unterstützung man in der ersten Runde nicht gehabt habe. „Es gibt noch eine Million Stimmen hinzugewinnen“, so Petro.

Antikorruptionspartei landet trotz unambitionierter Kampagne auf Platz zwei

Die große Überraschung des Tages war der zweite Platz von Rodolfo Hernández, der seine Kampagne ohne ideologische Inhalte, ohne starke öffentliche Präsenz, ohne klares Programm und mit geringem Werbeetat geführt hatte. Hernández verzichtete auf eine öffentliche Erklärung und sendete stattdessen eine Videobotschaft aus seinem Wochenendhaus in Piedecuesta im Großraum Bucaramanga. Der 77-jährige Ingenieur, sonst bekannt für seine umgangssprachliche und oft politisch unkorrekte Ausdrucksweise, äußerte sich ungewöhnlich förmlich: „Heute hat das Land gesiegt. Das Land und sein fester Wille, sich nicht länger von der Korruption regieren zu lassen. Es will die Männer und Frauen, die uns in diese vertrackte Lage gebracht haben, in der wir uns heute befinden, nicht einen Tag länger an seiner Spitze tolerieren. Die Korruption als Regierungssystem hat ausgedient. Das Land hat sich von Bestechlichkeit und Vetternwirtschaft losgesagt.“ Mit Blick auf die bevorstehende Stichwahl erklärte Hernández, die nächsten Tage seien für die Zukunft des Landes entscheidend. „Ich bin mir darüber im Klaren, dass das Land den Wandel geeint angehen muss. Und ich bin mir der Schwierigkeiten bewusst, die auf mich zukommen, wenn ich Präsident werden sollte“, erklärte er laut der Tageszeitung El Espectador aus Bogotá.

Der Einzug von Petro und Hernández in die zweite Runde war ein Meilenstein in der Geschichte der kolumbianischen Politik, denn beide repräsentieren Parteien, die jahrzehntelang in Kolumbien keine Regierungsverantwortung übernommen hatten.

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