Generalstreik legt Hauptstadt lahm

Der Verkehr in der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince kam zum Erliegen. Foto: AlterPresse

(Port-au-Prince, 28. September 2022, alterpresse/telesur).- Ein dreitägiger Generalstreik hat die haitianische Hauptstadt Port-au-Prince lahmgelegt. Der von den Transportgewerkschaften angeführte Streik vom 26. bis 28. September richtete sich gegen die umstrittene Entscheidung der Regierung, die Preise für Benzin, Diesel und Kerosin um rund 100 Prozent anzuheben.

Begleitet von Demonstrationen kam der Verkehr in großen Teilen der Hauptstadt zum Erliegen, Geschäfte blieben geschlossen. „Wenn (der de-facto-Premierminister) Ariel Henry seine Entscheidung nicht zurücknimmt, werden wir die Straßen weiter blockieren“, so ein Demonstrant gegenüber dem haitianischen Nachrichtenportal AlterPresse.

Die Bevölkerung des Viertels Carrefour im Süden der Hauptstadt werde bis zum Ende gegen „den illegitimen De-facto-Premierminister, der ein ganzes Volk als Geisel nimmt“ mobilisieren, kündigten die Protestierenden an. Auch an mehreren anderen Orten der Hauptstadt protestierten Haitianer*innen gegen das Elend, die Arbeitslosigkeit und die Unsicherheit. Viele Demonstrant*innen fordern zudem den Rücktritt von Ariel Henry.

Ausbruch aus Frauengefängnis

Unterdessen fand in Cabaret im Westen des Landes ein Massenausbruch aus einem Frauengefängnis statt. Bereits am 22. September begann dort ein Aufstand, bei denen es den Insassinnen gelungen war, das Sicherheitspersonal zu überwältigen und die Gefängnistore zu öffnen. Unterstützung erhielten sie von Bandenmitgliedern aus dem nahe gelegenen Canaan am Stadtrand von Port-au-Prince, die die Gefängniswache attackierten und Feuer legten.

Menschenrechtler*innen hatten schon länger davor gewarnt, dass sich das Gefängnissystem in Haiti zu einer humanitären Katastrophe entwickele. Demnach sind allein zwischen Januar und April dieses Jahres 54 Gefangene in Haiti an Unterernährung gestorben.

UN „sehr besorgt“

Die UN zeigten sich angesichts der drohenden Ernährungskrise „sehr besorgt“. Die Chefin des UN-Büros in Haiti (BINUH), Helen La Lime, forderte den Sicherheitsrat auf, dringende Maßnahmen zu ergreifen und die Bevölkerung vor eine drohenden humanitären Katastrophe zu schützen. Man müsse die Kräfte bündeln, um einen Weg aus der politischen Krise, der Wirtschaftskrise und der Bandengewalt zu finden. Dies könne nur unter Führung der haitianischen Regierung, der Behörden und der Bevölkerung geschehen.

Die Regierung macht die Bandengewalt für die Probleme verantwortlich, während die Demonstrant*innen betonen, auch gegen die desolate wirtschaftliche und soziale Lage des Landes zu protestieren. Die Lage in Haiti hat sich seit dem 12. September 2022 verschlechtert, nachdem die De-facto-Regierung angekündigt hatte, Treibstoff nicht mehr zu subventionieren und die Kraftstoffpreise um rund 100 Prozent zu erhöhen. Das führte zu einem weiteren Anstieg der Lebensmittelpreise. Die daraus resultierenden Unruhen hatten den Handel in einigen Gemeinden des Großraums der Hauptstadt und in mehreren Provinzstädten etwa zwei Wochen lang lahmgelegt. Für den 29. und 30. September wurden weitere Proteste angekündigt.

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