Corona-Pandemie: Massenproteste gegen Bolsonaro

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Foto: Fotos Públicas

(Río de Janeiro, 29. Mai 2021, la diaria).- Mit dem Slogan „Für das Leben“ protestierten Ende Mai Tausende Menschen in mehr als 200 brasilianischen Städten gegen die Führung von Präsident Jair Bolsonaro. Kritisiert wird insbesondere sein Umgang mit der Pandemie, die mittlerweile mehr als 460.000 Menschen das Leben gekostet hat. Es handelt sich um die ersten Massenproteste seit dem medizinischen Notstand. Während der Demonstrationen wurde fortlaufend darum gebeten, die Abstände einzuhalten. Angehörige von Risikogruppe waren aufgefordert, nicht teilzunehmen. Zwar konnte der Mindestabstand nicht durchgehend eingehalten werden, die Mehrheit der Protestierenden trug jedoch Masken.

„Weg mit dem Bolsovirus“

Allein in Río de Janeiro gingen an diesem #29M, wie der Protesttag in den sozialen Medien beworben wurde, rund zehntausend Menschen auf die Straße und skandierten Parolen wie „Bolsonaro raus“, „Bolsonaro Völkermörder“, „Impfung jetzt“ oder „Weg mit dem Bolsovirus“. Ziel war es, die Impfprozesse im Land voranzutreiben und finanzielle Unterstützungen für die am stärksten betroffenen Wirtschaftszweige zu fordern. Laut der Agentur Deutsche Welle wurde zugleich auch gegen die Abholzung im Amazonas und gegen Rassismus protestiert. Auch in Brasília, Belén, Curitiba, Manaos, Fortaleza und San Pablo fanden Massendemonstrationen statt. Die Proteste waren in Reaktion auf eine Reihe von Veranstaltungen zur Unterstützung der Regierung Bolsonaro organisiert worden, die an zwei vergangenen Wochenenden stattgefunden hatten. Der Präsident besitzt aktuell jedoch kaum Zustimmung: Laut der letzten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Datafolha stehen nur noch 24% der Bevölkerung hinter Bolsonaro. Initiatoren der Proteste waren Gewerkschaften, linke Parteien und soziale Bewegungen. „Auf den Straßen zu sein und zu kämpfen ist ein deutliches Statement, mit dem wir sagen: Es reicht!“, verkündete ein Sprecher der Arbeiterpartei PT (Partido de los Trabajadores).

Proteste enden mit Polizeigewalt

Seit Beginn der Pandemie hatte Bolsonaro das Virus mit einer „kleinen Grippe“ oder einer „kleinen Erkältung“ gleichgesetzt: „Die zerstörerische Macht des Virus wird überschätzt“, so der Präsident. Bolsonaro hatte Gegenmaßnahmen in Frage gestellt und dazu aufgerufen, zur Vorbeugung der Krankheit das Malariamedikament Chloroquin einzunehmen. In Recife wurden die Proteste durch den Einsatz von Gas von der Polizei aufgelöst. Wie die Agentur Efe berichtete, erlitten mehrere Protestierende durch Gummigeschosse der Militärpolizei Verletzungen an den Augen. Außerdem kam es zu willkürlichen Verhaftungen.

CC BY-SA 4.0 Corona-Pandemie: Massenproteste gegen Bolsonaro von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

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