Bundesstaat Rio de Janeiro: 10.000 Tote in 11 Jahren durch „Notwehr“ von PolizistInnen

(Buenos Aires, 19. November 2009, púlsar).- Wenn ein Polizist einen Menschen erschießt, weil er Widerstand leistet, wird dies in den Polizeiakten als „Notwehr“ bezeichnet. Durchschnittlich sind dies mehr als 1.000 Fälle pro Jahr im Bundesstaat Rio de Janeiro. Laut dem Institut für Öffentliche Sicherheit ISP (Instituto de Segurança Pública) stieg die durchschnittliche Anzahl von Toten in sogenannten Auseinandersetzungen von einem pro Tag im Jahr 1999 auf 3,3 pro Tag während der jetzigen Regierung unter Sérgio Cabral von der Partei der Demokratischen Bewegung Brasiliens PMDB (Partido do Movimento Democrático Brasileiro).

Menschenrechtsorganisationen bezeichnen die Sicherheitspolitik des Bundesstaates Rio de Janeiro in Favelas und anderen Armenvierteln als „Exekutionen“ und fordern die Veröffentlichung der Namen von Opfern sowie adäquate Vorgehensweisen bei den Untersuchungen.

Der Vizedirektor und Soziologe des Bereiches Gewaltanalyse der Staatlichen Universität Rio de Janeiros UERJ (Universidade do Estado do Rio de Janeiro), Ignacio Cano, bezeichnet die Anzahl der Toten als Zeichen der Barbarei. „Eine Polizei, die auf diese Art und Weise handelt, ist vergleichbar mit dem Vorgehen von Soldaten unter Kriegsbedingungen. Die Reduzierung dieser Zahlen auf ein zivilisiertes Ausmaß sollte die Priorität der Sicherheitspolitik sein“.

Die Bezeichnung „Notwehr“ (Auto de resistência) ist während der Militärdiktatur entstanden, um Fälle von Massenexekutionen zu verschleiern, so der Soziologe Ignacio Cano. Die Indizien beweisen jedoch in der Mehrheit dieser Fälle, dass die Opfer mit Schüssen in den Rücken oder in den Kopf schlicht ermordet wurden.

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