Wo Gold nicht glänzt – Tagebauprojekt im Norden gefährdet den wichtigsten Fluss Zentralamerikas

von Torge Löding

(Berlin, 02. September 2009, npl).- (San José). „Meine Familie und ich wehren uns gegen die Goldmine, weil es nicht sein darf, dass ein transnationaler Konzern unseren Frieden zerstört“, sagt Rosa Goméz, Anwohnerin von Las Crucitas im Norden Costa Ricas, wo das Goldminentagebauprojekt Las Crucitas entstehen soll. Die Kleinbäuerin berichtet von zahlreichen lokalen und nationalen Protestaktionen, bei denen sie oder ihr Mann und die Kinder dabei gewesen sind. Bereits vor 17 Jahren installierte der transnationale Minenkonzern Vanessa Ventures mit Sitz in Kanada ein erstes Minencamp und begann mit der Erkundung der Goldvorkommen. Heute firmiert das Unternehmen unter dem Namen Infinito Gold Ltd. und verfügt über erstklassige Kontakte in Politik und Wirtschaft. Präsident Oscar Arias erklärte, das Vorhaben habe „nationalen Belang“. Daran änderte auch der Skandal nichts, der im März aufgedeckt wurde. Es kam heraus, dass die Ehefrau des damaligen Umweltministers Roberto Dobles eine Geschäftsbeziehung mit dem Minenunternehmen unterhält. Dobles trat zurück; ein Bauernopfer.

Unterdessen stehen die schweren Baumaschinen und Kettensägen still. Für den Moment haben die Gegner*innen des Goldminenprojektes Las Crucitas juristisch eine Atempause erstritten. Doch schon bald wird das Oberste Verfassungsgericht sein endgültiges Urteil sprechen. Für den 11. September haben die Obersten Richter einen Besuch in der entlegenen Region angekündigt — sie wollen sich persönlich ein Bild machen.

Edgardo Araya, Anwalt und stellvertretender Vorsitzender des Naturschutzbundes UNO VIDA ist besorgt: „Es gibt in Zentralamerika keinen Ort, wo eine Goldmine eine andere Konsequenz gehabt hätte als Umweltzerstörung, Vergiftung des Wassers, Krankheit und mehr Armut für die Anwohner“. Ein Hohn sei das Versprechen des Unternehmens, hochgiftige Substanzen wie Zyanid und Arsen — die im Tagebau zum Einsatz kommen — zirkulierten in einem geschlossenen Kreislauf. Costa Rica ist ein Land mit extremer seismologischer Aktivität. Kein System aus Behältern und Rohren sei gegen ein wirklich starkes Erdbeben gefeit. „Außerdem kommt Säure bei dem Vorgang der `sauren Trocknung` des Bodens mit dem Grundwasser in Berührung“, fügt der Umweltschützer hinzu. Rund eine Tonne Erde und Gestein müssten aufgewühlt und bewegt werden, um ein Gramm Gold zu fördern. Einen Dominoeffekt fürchtet er für den Fall, dass das Verfassungsgericht grünes Licht für die Mine gibt — dutzende Projekte würden folgen. Nahe Las Crucitas und anderswo im Land.

Die Bedrohung für die Umwelt berührt indes nicht nur die umliegenden Gemeinden. Nur drei Kilometer sind es vom Terrain des Minenunternehmens zum Rio San Juan, dem Grenzfluss mit Nicaragua. Der San Juan ist das größte und wichtigste Flussbecken Zentralamerikas. Er dient nicht nur als Transportader, viele Menschen leben von seinem Wasser und betreiben hier Fischerei. Zudem ist das Gewässer ein Touristenmagnet. Wiederholt äußerten sich Regierungsvertreter*innen aus Managua deshalb ablehnend gegenüber dem Minenprojekt.

Auch soziale Folgen des Projektes sind spürbar: „Früher lebten die Menschen hier in Harmonie. Fast alle von Viehzucht oder Landwirtschaft, dazu kamen einige kleine Betriebe wie meine Sägerei. Wenn es eine Scheune zu bauen galt, packten alle Nachbarn mit an. In den Gemeindesälen feierten wir gemeinsam“, sagt Guillermo Herrera Matamoros. Das habe sich mit der Präsenz der Minengesellschaft verändert, denn diese habe mit ihren Versprechen von Arbeitsplätzen und Fortschritt die Gemeinschaft gespalten. Die Versprechen blieben bisher unerfüllt. Befürworter*innen und Gegner*innen stehen sich indes noch immer unversöhnt gegenüber.

„Wir werben für ein alternatives, umweltfreundliches Entwicklungsmodell“, berichtet Kleinbauer Danilo Solis. Für die Region mit ihren Naturschönheiten sei „ländlicher, gemeindebasierter Tourismus“ ein passendes Werkzeug, mit dem die Anwohner*innen zu bescheidendem Wohlstand kommen könnten.

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