Klima- und Umweltkrisen im Jahr 2021

Unabgesprochender Straßenbau
Foto: Foto: DRTC Loreto via Servindi

(Lima, 31. Dezember 2021, Servindi).- Das Nachrichtenportal Servindi hat am letzten Tag des Jahres eine Auswahl der wichtigsten Nachrichten zum Thema Klima und Umwelt aus dem Jahr 2021 zusammengestellt.

Klimakonferenz 2021

Enttäuschendes Ergebnis: Immer häufiger ist die Rede von den unumkehrbaren Folgen der Klimaerwärmung. Dennoch sind die Treibhausgasemissionen im Jahr 2021 weltweit und in Peru konstant geblieben. Auch die Klimakonferenz der Vereinten Nationen in Glasgow (COP 26) brachte nicht die von kritischen Wissenschaftler*innen und indigenen Völkern aus verschiedenen Teilen des Planeten erhofften Ergebnisse. Nach Ansicht von Expert*innen wurden im Rahmen der Klimakonferenz keine ausreichenden Vereinbarungen zur Eindämmung der Umweltkrise getroffen. Nun sind die Länder, die den größten Teil der Umweltverschmutzung zu verantworten haben, am Zug. Es wird erwartet, dass sie auf erneuerbare Energien umstellen und die nötigen Mittel dafür bereitstellen.

Indigene Stimmen: Taily Terena, eine indigene Jugendliche aus Brasilien, verlas bei der Eröffnung der UN-Klimakonferenz 2021 die Hoffnungen und Erwartungen der indigenen Völker an die internationale Zusammenkunft. Auf einer Veranstaltung im Rahmen der Konferenz verwies der Koordinator der Indigenen-Verbände im Amazonasgebiet Gregorio Diaz Mirabal de Coica auf die Lösungsansätze der indigenen Völker, die sich vorrangig an ihrer Kosmovision und den Bedürfnissen der Natur orientieren. Galois Flores, Vizepräsident der Autonomen Regierung der Wampís-Region in Peru, stellte bei der Konferenz seine Strategie zum Umgang mit der Klimakrise vor: In verschiedenen Teilen der Welt fordern indigene Völker wie die Wampis in Peru die Verwaltungshoheit der Schutzgebiete. Die Ausübung der lokalen Verwaltungsfunktion und der Schutz eines bestimmten Gebiets durch seine indigenen Bewohner*innen nennt sich „TICCA„. Die Regionen werden als „Gebiete des Lebens“ oder territorios de vida bezeichnet. Die Aktivist*innen dieser Bewegung vertreten diesen Ansatz als einzig wirksame Strategie, um der Klimakrise zu begegnen und den Verlust der biologischen Vielfalt zu stoppen.

Internationaler Klimanotstand: Verheerende Brände in Europa: Wochenlang wüteten Hunderte von Waldbränden und verursachten Sach- und Umweltkatastrophen. Die Feuer gingen einher mit einer der schlimmsten Hitzewellen in Südosteuropa.

Entwaldung

Entwaldung in der Amazonasregion. Laut Angaben des MAAP-Projekts wurden im Amazonasgebiet in Brasilien, Peru und Kolumbien zwischen Januar und Oktober 2021 mehr als 860.000 Hektar Wald vernichtet.

Entwaldung in den indigenen Gebieten Brasiliens. Nach Angaben der brasilianischen NGO Instituto Socioambiental (ISA) hat die Abholzung in den indigenen Gebieten im dritten Jahr der Regierung Bolsonaro um 138 Prozent zugenommen.

Entwaldung in Peru. Trauriger Rekord: Nach Angaben des Umweltministeriums hat die Entwaldung in Peru den höchsten Stand seit 20 Jahren erreicht, trotz Pandemie. Im Jahr 2020 wurden 203.272 Hektar Wald abgeholzt. Ein paar Tausend Hektar gehen auf das Konto mennonitischer Siedler*innen. Seit 2015 beobachtet das MAAP-Projekt die fortschreitende Entwaldung in der Amazonasregion. Zwischen 2017 und 2021 wurden laut ihrem Bericht in den Regionen Loreto und Ucayali 3.968 Hektar Wald für die Errichtung von vier Mennonit*innen-Kolonien abgeholzt.

Bedrohte Ökosysteme

Entschädigungsforderungen an den Konzern Pluspetrol, führender Öl- und Gasproduzent in Lateinamerika. Am 27. April wurden Wasser- und Bodenkontaminierungen durch austretendes Öl in den Anlagen von Pluspetrol bekannt. Nachdem der Konzern es abgelehnt hatte, Verantwortung für Kontaminierungen zu übernehmen, fordert die Gemeinde San José de Nueva Esperanza in der peruanischen Region Loreto nun die Behörden auf, einzugreifen und gegen Pluspetrol Stellung zu beziehen.

Noch eine Ölpest. Im Mai wurde bekannt, dass Block 8 der Pluspetrol-Anlage Öl verloren und den Fluss Corrientes in der Nähe von Trompeteros in Loreto verschmutzt hat. Insgesamt wurden im nördlichen Regenwald in der Region Loreto 373 Ölaustritte gezählt, die auf das Konto von Pluspetrol gehen.

Straßenbau durch indigenes Gebiet nicht ordnungsgemäß abgestimmt. Die Regionalregierung von Loreto hat quer durch das Gebiet isoliert lebender Völker zwischen den Bezirken Jenaro Herrera und Colonia Angamos den Bau einer Straße vorangetrieben, ungeachtet der Folgen für Mensch und Natur. Indigenen-Verbände kritisierten das Vorgehen.

Bedrohte Tierwelt

Dorsal de Nasca. Schutzgebiet schützt nicht Flora und Fauna, sondern die Rechte der Fischereiindustrie. Mit der Ausweisung des Schutzgebiets Dorsal de Nasca entstand das erste reine Meeresschutzgebiet Perus: Fachleute kritisierten, dass der Fischfang in dem Gebiet weiterhin gestattet werde und der Erhalt der Artenvielfalt somit nicht gewährleistet sei.

Run Run. Die Geschichte des Andenfuchses Run Run, der in Lima als Hund verkauft wurde, ging viral und rückte den illegalen Tierhandel in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Landesweit gründeten sich in Peru verschiedene öffentliche und private Initiativen, um gegen den illegalen Handel mit Wildtieren vorzugehen. Dieser bedrohe die biologische Vielfalt und die öffentliche Gesundheit und ebne den Weg für weitere Straftaten wie Geldwäsche, so die Kritiker*innen. Ein wirksames Vorgehen gegen illegalen Handel mit Wildtieren und die Abholzung von Wäldern erfordere eine stärkere Zusammenarbeit von Regierungsbehörden und zivilen Initiativen. Wildtier Run Run wurde nach seiner Rettung in einen Zoo verbracht.

Unzureichende Strafverfolgung. Illegaler Handel mit endemischen Pflanzen und wild lebenden Tieren ist kein Kavaliersdelikt. Studie zufolge widmet der peruanische Staat dem kriminellen Phänomen nicht die gebührende Aufmerksamkeit, trotz der schwerwiegenden ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen.

Unzureichende Informationen. Peru ist immer noch das Land mit der zweithöchsten Anzahl an Säugetierarten in Südamerika. Es existieren jedoch zu wenig Studien über Leben und Vorkommen der verschiedenen Tierarten sowie über Möglichkeiten ihrer Erhaltung.

Was tun?

Naturbasierte Lösungen helfen uns nicht“. 257 Organisationen aus 61 Ländern erklärten öffentlich ihre Kritik an den “Soluciones Basadas en la Naturaleza” (SbN). Diese enthielten versteckte schädliche Praktiken gegenüber Naturgebieten und indigenen Völkern, so die Unterzeichner*innen der Erklärung.

Neue Zugeständnisse an den Schutz der Wälder. Mehr als 100 Staats- und Regierungschefs, in deren Ländern sich mehr als 86 % der weltweiten Wälder befinden, verpflichteten sich, den fortschreitenden Verlust von Waldflächen und die Bodendegradation bis 2030 zu stoppen.

Indigene Ansätze

Die autonome Regierung der Wampís-Nation (Gobierno Territorial Autónomo de la Nación WampisGTANW) hat Maßnahmen zur Bekämpfung des illegalen Holzhandels an der Grenze zu Ecuador entwickelt und Pläne zur Wiederaufforstung angekündigt.

Indigene Wache. Der Rat der Shipibo Konibo Xetebo (Coshikox) in Ucayali kündigte die Gründung einer indigenen Einheit an, die in ihren Gebieten Wache halten und Invasionen und illegalen Eingriffen vorbeugen soll.

Geschützte Gebiete. Im rund 11.000 m² großen Schutzgebiet Yavari Tapiche leben indigene Gemeinschaften ohne Kontakt zur Außenwelt. Das weitläufige Gebiet weist eine hohe biologische Vielfalt auf und wird von der weltweitgrößten Gruppe PIACIs (indígenas en aislamiento y contacto inicial – indigener Menschen ohne Kontakt zur Außenwelt) bewohnt.

CC BY-SA 4.0 Klima- und Umweltkrisen im Jahr 2021 von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

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