Illegaler Fossilienhandel – ein lukratives Geschäft

Eines der gefundenen Fossilien / Foto: InSight Crime (CC BY-NC 3.0)

(Washington, D.C., 10. November 2020, InSight Crime).- Die Aufdeckung eines Fossilienhandel-Netzwerks im nordostbrasilianischen Bundesstaat Ceará wirft Licht auf ein kriminelles Geschäft, das unter dem Radar seit Jahrzehnten gewachsen ist. Ende Oktober haben brasilianische Behörden ein Kommando gestartet, um den Fossilienhandel in der Region Chapada do Araripe zu bekämpfen, eine der weltweit reichsten Fossilienlagerstätten. Die Operation ist Teil bereits 2017 begonnener Ermittlungen, nachdem die örtliche Polizei Informationen über illegalen Export und Fossilienhandel in den Gemeinden Nova Olinda und Santana do Cairi erhalten hatte.

Einer Erklärung der Polizei zufolge richtete die Operation sich gegen Unternehmer*innen, Beamt*innen sowie Mittelspersonen, die in der Region mit seltenen Fossilien handelten. Darunter befand sich sogar ein auf Fossilien spezialisierter Professor von der Universidade Federal do Rio de Janeiro, der angeblich monatlich Bestechungsgelder an die Ausgrabungsarbeiter*innen zahlte, um auf illegale Weise an Fossilien zu kommen. Die korrekte Vorgehensweise beim Fund eines Fossils sieht vor, die zuständige Behörde Agência Nacional de Mineração (ANM) zu kontaktieren.

Kompletter Flugsaurier bei eBay angeboten

Das Phänomen des Fossilienhandels ist in Brasilien keineswegs neu. Mindestens seit den 1990er Jahren schaffen kriminelle Netzwerke Fossilien illegal aus Ceará heraus und verkaufen sie in den USA, Japan und Europa. Im Zeitraum von 1998 bis 2008 beschlagnahmten Angestellte des Bundesstaates 32.000 Fossilien, die illegal aus Brasilien exportiert wurden.

2014 stieß die Paläontologin Taissa Rodrigues von der Universidade Federal do Espírito Santo (UFES) bei eBay auf das Fossil eines vollständigen Flugsauriers, das für 262.000 Dollar angeboten wurde. Die Wissenschaftlerin kontaktierte die Generalbundesanwaltschaft. Nach Ermittlungen wurde das fast komplette Skelett, das in den 1980er Jahren aus der Region Chapada do Areripe geschafft worden war, in Frankreich gefunden – zusammen mit weiteren 45 Fossilien, darunter versteinerte Meeresschildkröten, Fische und Reptilien, die vor Millionen von Jahren lebten. 2019 schließlich ordnete ein französischer Richter die Rückführung eines Pakets von 45 Fossilien an. Brasilianische Paläontolog*innen sprachen von einer wichtigen Aktion im Kampf gegen den illegalen Fossilienhandel.

Fossilien in Brasilien selbst zu Spottpreisen erhältlich

Nach Ansicht der Stiftung InSight Crime, die sich dem Studium des organisierten Verbrechens in Lateinamerika und der Karibik widmet, lohnt sich das Risiko für die illegalen Fossilienhändler*innen. Das Thema erhalte wenig öffentliche Aufmerksamkeit, gleichzeitig winkten riesige Profite. Die Preise schwankten ziemlich, abhängig von der Qualität des jeweiligen Fossils und der Frage, wie viel des Skeletts unbeschädigt und wie exotisch die Art sei. Dem Staatsanwalt Rafael Ribeiro zufolge werden in Brasilien Fossilien zu sehr niedrigen Preisen verkauft. In Europa dagegen seien sie Tausende Euro wert.

Wie ein Gebiet von sechsfacher Größe São Paulos überwachen?

Der Fossilienhandel ist auch für die wissenschaftliche Forschung ein Ärgernis. Er bedeutet einen erheblichen Verlust an kulturellem Erbe. Das Becken von Araripe ist weltberühmt für seinen Reichtum an Fossilien und deren guten Zustand. Kriminelle Netzwerke, die mit Fossilien handeln, haben es in der Chapada do Araripe relativ leicht, da die Behörden auf Schwierigkeiten stoßen, das Gebiet der sechsfachen Größe der Metropole São Paulo effektiv zu kontrollieren.

Zwar gibt es in Brasilien Gesetze, welche die Fossilien schützen, sowie eine UNESCO-Konvention aus dem Jahr 1970 zu kulturellem Eigentum. Der illegale Fossilienhandel bleibt aber zumeist straffrei. Die Beteiligten behaupten gerne, nicht gewusst zu haben, dass der Verkauf von Fossilien illegal sei.

 

Dieser Artikel ist auf Spanisch bei InSight Crime erschienen und wird hier unter der Lizenz CC BY-NC 3.0 veröffentlicht.

Übersetzung: Bernd Stößel

CC BY-SA 4.0 Illegaler Fossilienhandel – ein lukratives Geschäft von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

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