Genmanipuliertes Saatgut: „Monsanto hat keinen Respekt vor dem Leben“

Foto: Flickr/fsgm(Montevideo, 05. Juni 2011, comcosur).- Der multinationale Pestizidproduzent Monsanto bediene sich eines besorgniserregenden politischen und medialen Lobbyismus, um genmanipulierte Baumwolle der Marke Cotton BT in der Region anzubauen. Das erklärte Horacio Lucero, Leiter des Laboratoriums für Molekularbiologie an der Universidad Nacional del Nordeste in der nordargentinischen Provinz Chaco, in einem Interview mit dem Sender “Radio Ciudad”. Die Situation versetze ihn in Unruhe, nicht nur aufgrund des Einsatzes von Technologien mit fragwürdigem Effekt auf Mensch und Umwelt, sondern auch aufgrund der weltweiten üblen Vorgeschichte des Konzerns, so Lucero.

“Diese Nachricht verheißt nichts Gutes. Wir müssen im ganzen Land die Konsequenzen des Anbaus von genmanipuliertem Soja tragen. Die genetische Manipulation sorgt dafür, dass die Samen gegen Herbizide wie zum Beispiel Glyphosat resistent werden. Genau das lässt die Verkäufe der Samen exponentiell ansteigen” äußerte sich Lucero besorgt. “Die Leute, die in diesem Bereich arbeiten, benutzen jedes Mal mehr chemische Produkte, da sich jedes Lebewesen durch natürliche Selektion anpasst. Jeder Schädling, der durch die Herbizide nicht vernichtet wird, wird resistenter” erklärte der Biologe gegenüber Radio Ciudad.

“So werden sie Ernte für Ernte mehr von den Schädlingsbekämpfungsmitteln brauchen. Außerdem mischen sie diese mit Insektiziden wie Endosulfan, die wohl schon bald vom Markt geholt werden, weil ihre Auswirkungen für Menschen zu schädlich sind. Es gibt viele Firmen, die das Gleich tun, aber Monsanto hat eine schlimme Vorgeschichte auf der ganzen Welt. Den Behörden müsste doch bewusst sein, dass diese Firma sich einen Dreck um die Lebensqualität der betroffenen Bevölkerung schert. Das macht mir große Sorgen.”

Lobby-Arbeit durch US-Botschaft

Wie die Zeitung “Página 12” bekannt gab, hat die Internet-Enthüllungsplattform WikiLeaks eine Depesche veröffentlicht, in der die US-amerikanische Botschaft Details darüber preisgibt, wie Monsanto die politische und mediale Lobbyarbeit in Angriff genommen hat, um genmanipulierte Baumwolle in der Provinz anzubauen. Der damalige Präsident der argentinischen Niederlassung des Konzerns, Juan Ferreyra, erklärte der US-amerikanischen Botschaft im August 2008, er habe “gute Gespräche mit den Baumwollproduzenten geführt, um mit diesen zusammenzuarbeiten und die Verwendung des genmanipulierten Baumwollsamens Cotton BT in der Provinz Chaco voranzutreiben.”

Wie es in dem Geheimdokument weiter heißt, “unterzeichnete Monsanto am 12. August 2010 ein Kooperationsabkommen mit dem Gouverneur der Provinz Chaco. Der Botschafter unterstützte die Initiative durch einen Kommentar auf der Titelseite der größten Tageszeitung im Chaco und durch Gespräche mit dem Gouverneur am gleichen Tag. Gouverneur Capitanich war begeistert von der Idee, mit Monsanto zusammenzuarbeiten, um die lokale Produktion von Baumwolle zu verbessern und auszuweiten.”

Produktion von Herbiziden wird erhöht

In diesem Zusammenhang erklärte Lucero, dass “es klar ist, dass ein multinationaler Konzern der für die Akzeptanz dieser Technologie kämpft, einzig und allein die Produktion erhöhen will, und zwar mit Hilfe von herbizidresistenten, genmanipulierten Samen. Das nennt sich dann technologisches Paket und wird auch für die anderen gentechnisch veränderten Samen verwendet”. Auch wenn ihm keine konkreten Details über die Effekte und die genetische Zusammensetzung von Cotton BT bekannt seien, wies er darauf hin, dass dieses Produkt mit Sicherheit dem selben Modell wie genmanipulierte Baumwolle entspreche. “Für dieses Produkt verantwortlich ist ein Unternehmen, dass agrochemische Produkte herstellt. Es geht Hand in Hand mit dem Verkauf von Schädlingsbekämpfungsmitteln. Jemand, der die Samen kaufen möchte, ist gezwungen, gleichzeitig auch die entsprechenden Herbizide zu kaufen, gegen die die Samen resistent sind”.

“Das einzige Ziel bei der Herstellung genmanipulierter Samen liegt darin, diese so zu manipulieren, dass sie resistent gegen Pflanzengifte sind”. Im Fall des Sojas sei dies ein Herbizid und bei anderen Samen würden es entsprechend andere Herbizide sein, beklagt Lucero und schließt: “Es geht einzig darum, die Produktion zu erhöhen, um den Bedarf an Schädlingsbekämpfungsmitteln zu erhöhen.”

Mit Informationen von Radio Ciudad und Página 12

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