BRASILIEN – DEUTSCHLAND: Fatales Energieabkommen zwischen Brasilien und Deutschland

(Berlin, 10. Mai 2008, npl).- Deutschland und Brasilien wollen ein bilaterales Energieabkommen unterzeichnen, in dessen Mittelpunkt Vereinbarungen über den deutschen Import von Agrarkraftstoffen aus Brasilien stehen. So will Deutschland vermehrt aus Zuckkehrrohr gewonnenes Ethanol aus Brasilien importieren, um damit deutsche Autotanks zu befüllen. Am 12. Mai wird Bundeskanzlerin Angela Merkel nach Brasilien fliegen, um das Abkommen zu unterzeichnen.
Scharf kritisiert wird das u.a. von brasilianischen und deutschen NGOs sowie der brasilianischen Kirche. So hatte Roberto Malvezzi, Umweltexperte der Brasilianischen Bischofskonferenz, am 30. April in einem Interview mit der Katholischen Nachrichtenagentur KAN Bundesumweltminister Sigmar Gabriel widersprochen. Gabriel hätte während seines Brasilienbesuchs Ende April, auf dem er mit Amtskollegin Marina Silva zusammen traf, um das Abkommen vorzubereiten, behauptet, in Brasilien werde schon jetzt das Prinzip der Nachhaltigkeit für den Zuckerrohranbau respektiert. Malvezzi verwies darauf, dass jedoch immer mehr Regenwald für zusätzliche Plantagen abgeholzt werde und Zuckerrohrplantagen eine der umweltschädlichsten Monokulturen überhaupt seien. Arbeiter*innen würden auf den Plantagen zudem unter sklavereiähnlichen Bedingungen ausgebeutet und der großflächige Anbau von Zuckerrohr für Agrartreibstoffe gefährde die Nahrungsmittelproduktion.
In einer gemeinsamen Presseerklärung vom 9. Mai sprachen die Organisationen Rettet den Regenwald, ROBIN WOOD, das Forschungs- und Dokumentationszentrum Chile-Lateinamerika, das landesweite Netzwerk der Brasiliensolidarität Kooperation Brasilien und BLUE 21 von einem “Pakt zur Vernichtung des Regenwalds” und forderten Bundeskanzlerin Angela Merkel auf, das deutsch-brasilianische Energieabkommen zu stoppen und die obligatorischen Beimischungsziele auf bundesdeutscher und europäischer Ebene zurück zu nehmen.
Die Organisationen verweisen darauf, dass die Agrarindustrie in Brasilien in immer neue Gebiete vordringe und unmittelbar wertvolle Ökosysteme wie Cerrado, den Amazonas-Regenwald und den Pantanal bedrohe. Die regionale Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln werde vermindert, die kleinbäuerliche Landwirtschaft unterminiert, die Ernährungssouveränität und Biodiversität gefährdet und die Agrarindustrie gerate immer stärker mit der Agrarreform in Konflikt.
Die Organisationen widersprachen damit auch den Darstellungen der brasilianischen Umweltministerin Marina Silva, die während Gabriels Besuch beteuert hatte, man könnte die Zuckerrohrproduktion in Brasilien verdoppeln, “ohne auch nur einen einzigen Baum zu fällen”. Den beschleunigten Rückgang des Regenwaldes belegen auch vor kurzem veröffentlichte Zahlen des brasilianischen Forschungsinstituts Imazon. Danach sind in den süd- und südostamazonischen Bundesstaaten Mato Grosso und Pará von Januar bis März mindestens 214 Quadratkilometer Regenwald abgeholzt worden. Drei Mal so viel wie im ersten Jahresquartal 2007. Dabei wird der Regenwald oft nicht direkt für den Zuckerrohranbau abgeholzt. Vielmehr belege die monokulturelle Plantagenwirtschaft Flächen, “die vormals als Weideland genutzt wurden, so dass die Viehwirtschaft in die Regenwaldgebiete vordringt”, so Guadalupe Rodríguez von Rettet den Regenwald.

von Eva Völpel

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