Verteidigungsminister mit Covid-19 gestorben

Wegen den tödlichen Polizeischüssen vom 9. September 2020 wurde Strafanzeige gegen Verteidigungsminister Carlos Holmes Trujillo (links) und General Oscar Atehortua gestellt. Foto: Contagio Radio

(Berlin, 28. Januar 2021, poonal).- Am 26. Januar ist der kolumbianische Verteidigungsminister Carlos Holmes Trujillo durch Komplikationen im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung gestorben. Trujillo ist der erste hochrangige Funktionär in Lateinamerika, der im Zusammenhang mit dem Coronavirus gestorben ist. Bisher sind in Kolumbien rund 51.000 Menschen an oder mit dem Virus gestorben.

Der Minister erfuhr zwei Wochen zuvor von seiner Infektion und wurde am 13. Januar in das im zentralen Militärkrankenhaus in Bogotá eingeliefert. Am 19. Januar wurde er mit einer Lungenentzündung auf die Intensivstation verlegt. Der 69-Jährige hatte Vorerkrankungen wie Bluthochdruck und Adipositas.

Carlos Holme Trujillo war jahrelang Botschafter Kolumbiens in verschiedenen Ländern. Von 1992 bis 1994 war er Bildungs-, von 1997 bis 1998 Innenminister. Als Duques Außenminister war Holmes Trujillo ab August 2018 federführend daran beteiligt, die Regierung Venezuelas von Nicolás Maduro in Venezuela unter Druck zu setzen und Oppositionsführer Juan Guaidó zu unterstützen. Im November 2019 wurde er Verteidigungsminister als Nachfolger von Guillermo Botero. Dieser musste zurücktreten, nachdem bei der Bombardierung eines mutmaßlichen Guerillacamps acht Kinder und Jugendliche starben.

Verantwortlich für tödliche Polizeigewalt

In die kurze Amtszeit Trujillos als Verteidigungsminister fiel der Anstieg an Ermordungen von sozialen Führungspersonen und Mehrfachmorde. Trujillo hingegen behauptete, die Gewalt im Land würde abnehmen. Er bestritt stets, dass es zu Gewaltexzessen der Sicherheitskräfte, wie der Spezialeinheit zur Aufstandsbekämpfung ESMAD (Escuadrón Móvil Antidisturbios) gekommen sei. Als am 4. September neun junge Menschen in einer Arrestzelle in Soacha verbrannten, stellte sich Trujillo genauso vor die Polizei wie am 9. September, als bei gewaltsamen Protesten gegen tödliche Polizeigewalt in Bogotá und Soacha 14 Protestierende von der Polizei erschossen wurden.

Trujillo war einer der erfahrensten Minister im Kabinett des rechtskonservativen Präsidenten Iván Duque. Er war enger Mitstreiter von Expräsident Álvaro Uribe, einer der führenden Köpfe der rechtskonservativen Partei Centro Democrático und wurde als möglicher Präsidentschaftskandidat gehandelt. Sein Tod ist damit auch ein Schlag für den Uribismus.

Die Regierung verfügte eine dreitägige Staatstrauer. An Trujillos Stelle ernannte Präsident Duque den Kommandeur der Streitkräfte, General Luis Fernando Navarro Jiménez, zum verantwortlichen Verteidigungsminister.

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