Quarantäne in Usme: Bevor es Hilfe gibt, kommt die Polizei

(Bogotá, 15. April 2020, Colombia Informa).- Nach drei Wochen obligatorischer Isolation hat der Hunger die in Quarantäne befindlichen Menschen in verschiedenen Vierteln der Hauptstadt und des Landes erreicht. Die hohe Rate der informellen Beschäftigungen und der Armut machen es inmitten einer gesundheitlichen Notlage immer offensichtlicher, dass entsprechende staatliche Maßnahmen vonnöten sind, um die Folgen der Isolation zu überstehen.

Brazuelo gehört zu Usme, dem südlichsten Stadtbezirk der kolumbianischen Hauptstadt. Am Morgen des 15. April 2020 gingen die Einwohner von Brazuelo auf die Straße, um von der Bürgermeisterin von Bogotá, Claudia López und von der Regierung Iván Duques minimale Garantien zu fordern, um die Quarantäne einhalten zu können. Opfer des bewaffneten Konflikts, informelle Verkäufer*innen, ältere Menschen, Bauarbeiter*innen und Kinder blockierten die Straßen mit dem Ziel, um die Forderungen der Gemeinschaft auf der lokalen und nationalen Verwaltungsebene zu Gehör zu bringen. Unter anderem forderten die Mitglieder der Gemeinde Hilfen für die am stärksten von Armut betroffenen Familien der Stadt, die es schon längst hätte geben sollen, bisher waren sie jedoch nicht angekommen.

Keine Reaktion

Bis zum Vormittag gab es keine Reaktion. Die Protestierenden erklärten, die Blockade werde bis zu einer klaren Antwort seitens der Regierung aufrechterhalten. Ungefähr gegen Mittag erschien die Polizei und wies die Menschen an, die Straßen zu räumen, das Coronavirus sei schließlich nicht die Schuld der Sicherheitskräfte. „Aha. Bevor es Hilfe gibt, kommt die Polizei“, kommentierten die Menschen auf den Straßen ihr Erscheinen, das im Übrigen nicht zur Auflösung der Blockade führte. Erst gegen 22:00 zogen sich die Beamten zurück. Die Mitglieder der Gemeinde verbrachten den Rest der Nacht auf der Straße. Doch auch Stunden später hatte die Regierung sich zur Forderung nach grundlegenden Garantien zum Überleben während der Quarantäne nicht geäußert.

Immer mehr Leute haben Hunger

Überall hängen nun rote Stofffetzen an den Fenstern. Sie sind das Symbol eines zugespitzten Versorgungsproblems, von dem insbesondere Menschen in unsicheren Beschäftigungsverhältnissen und diejenigen, die von ihren Tageseinnahmen leben, betroffen sind. Der Hunger wird zunehmend zum Problem, nicht nur in Usme sondern auch in anderen Stadtbezirken wie La Candelaria und Santa Fe.

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