Kommentar: Brasilien blickt in eine ultra-rechte Zukunft

Brasilien, Quo vadis?
Bild: geografianewtonalmeida.blogspot.com

(Rio de Janeiro, 8. Oktober 2018, taz).- Noch besteht etwas Hoffnung in Brasilien. Nicht ausgeschlossen, dass der Ex-Militär Jair Bolsonaro doch noch gestoppt wird. Dass sein rechtsextremer Diskurs die Menschen stutzig macht und verhindert, dass er weitere vier Prozent Stimmen hinzugewinnt und auch den zweiten Durchgang der Präsidentschaftswahl gewinnt. Doch es ist unwahrscheinlich. Zu befürchten ist, dass das fünftgrößte Land der Welt sich demnächst in die Staatengruppe einreiht, deren Regierungen den Rechtsstaat in Frage stellen und bestimmte Menschengruppen für die Alltagsprobleme verantwortlich machen. Dabei ist Bolsonaros Diskurs noch ungeschminkter als bei anderen Vertretern des ultrarechten Lagers. Er werde dafür sorgen, dass alle Verbrecher erschossen werden, sagte er im Wahlkampf. Und auch die Petistas, also die Anhänger seines Gegners in der Stichwahl. Dazu die Pose mit angelegter Waffe. Später ließ er mitteilen, er habe nur gescherzt.

Seine Wähler schreckt nichts ab. Sie wählen ihn, weil er einen Aufbruch nach der langen Krise verspricht. Weil er der Korruption den Garaus machen will, obwohl er selbst fragwürdige Geldbeträge von Unternehmen bekam. Weil die Pastoren in unzähligen evangelikalen Kirchen predigten, er sei die richtige Option. Seine Fans misstrauen der ganzen Politikerkaste und vergessen, dass Bolsonaro seit über 20 Jahren Jahren Bundesabgeordneter ist. Einige sagen, er vergreift sich nur im Ton, wenn er sagt, eine Kollegin sei zu hässlich, um vergewaltigt zu werden. Er übertreibe nur, wenn er Schwarze als faul bezeichnet. Andere stimmen schlicht zu, da sie selbst rassistische und sexistische Einstellungen haben.

Seine Klientel ist die weiße Mittelschicht

Bolsonaro, der bis vor kurzem auch in Brasilien nicht sonderlich bekannt war, ist kein Außenseiter, dessen Popularität überrascht. Er ist Teil des Establishment, und wurde zu einer politischen Option, als sich abzeichnete, dass kein anderer konservativer Kandidat in den Wahlumfragen anstieg. Die Massenmedien, Unternehmer und zahlreiche Parteien setzten ohne jede Scham auf den Ex-Militär, weil dieser gegen links wetterte und ein liberales Wirtschaftsprogramm in Aussicht stellte.

Anders als klassische Rechtspopulisten spricht er kaum zu denjenigen, die am meisten unter Krise und Armut leiden. Seine Klientel ist die weiße Mittelschicht, die Angst vor jeder Veränderung hat. Ihr bietet sich Bolsonaro als Garant von Familienwerten an, ebenso wie der Elite als Bollwerk gegen links – das heißt im heutigen Brasilien gegen die Erfahrung von 14 Jahren sozialdemokratischer Reformpolitik der Arbeiterpartei. Ein Präsident Bolsonaro ginge schlussendlich auf das Konto derjenigen, die seit 2014 alles daran setzten, die Arbeiterpartei aus der Regierung zu drängen und ihre althergebrachte Macht wiederzuerlangen.

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