Jair Bolsonaro während Wahlkampfveranstaltung niedergestochen

Der Attentäter von Jair Bolsonaro nach seinem Verhör durch die Bundespolizei. Foto: Tomaz Silva/Agência Brasil

(Montevideo, 7. September 2018, la diaria).- Der brasilianische Kandidat der Ultrarechten, Jair Bolsonaro, wurde mit einem Messer niedergestochen, das ihn im Unterbauch traf, während er am Ende einer politischen Veranstaltung auf den Schultern seiner Anhänger durch die in der im südöstlichen Bundesstaat Minas Gerais liegenden Stadt Santa Casa de Juiz de Fora getragen wurde. Er wurde umgehend in ein Krankenhaus gebracht und dort operiert. Dort lag Bolsonaro auf der Intensivstation, sein Zustand war stabil.

Nach dem Anschlag äußerten sich mehrerer Politiker*innen zu dem Geschehenen. Auch wenn alle den Angriff auf Bolsonaro verurteilten, so waren doch einige der Meinung, er sei vermutlich Opfer seiner eigenen Hetzreden geworden. „Möge Bolsonaro selbst seine Hassrede bewerten und sich bewusst werden, wie zerstörerisch diese ist“, erklärte Senator Humberto Costa von der Arbeiterpartei PT. Erst einige Tage vor dem Attentat hatte Bolsonaro bei einer Wahlkampfveranstaltung ein Kamerastativ wie ein Maschinengewehr angelegt und dazu aufgerufen, die Anhänger*innen der Arbeiterpartei zu erschießen. Als er von der zu Rio de Janeiro gehörenden Favela Roncinha sprach und was er mit ihr machen würde, sollte er die Wahlen gewinnen, sprach er ebenfalls von Maschinengewehren.

Bolsonaro: „Ich habe noch nie jemandem etwas Böses angetan“

Nach der lebensgefährlichen Messerattacke meldet sich Bolsonaro aus dem Krankenhaus in einem von seinem Sohn Eduardo gefilmten Video zu Wort. Er sei auf diesen Moment vorbereitet gewesen; als Präsidentschaftskandidat sei man hohen Risiken ausgesetzt. Nach Aussage seines Sohnes wurde Bolsonaro eine zwölf cm tiefe Stichwunde zugefügt: „Es ist ein Wunder, dass er noch lebt. Hätten sie ihn ein paar Minuten später ins Krankenhaus gebracht, wäre er an der Verletzung gestorben.“

Einer der Hauptberater Bolsonaros, Ex-General Augusto Heleno, dessen Name als Kandidat für die Vizepräsidentschaft im Gespräch ist, versicherte, der Messerangriff sei die Konsequenz „einer durchgeführten Hasskampagne“ gegen den Präsidentschaftskandidaten.

Mutmaßlicher Attentäter war ex-Mitglied einer linken Partei

Nach dem Angriff auf Bolsonaro wurden sowohl Polizei als auch Justiz öffentlich aufgerufen, schnell zu handeln, damit der Verantwortliche verurteilt werden könne. Wenige Minuten nach der Messerattacke verhaftete man Adélio Bispo de Oliveira.

Schnell begannen die brasilianischen Medien, Informationen über den mutmaßlichen Angreifer zu veröffentlichen. Demnach war er bis 2014 einige Jahre lang Mitglied der Partei für Sozialismus und Freiheit PSOL (Partido Socialismo e Libertade) gewesen und hat an einigen Veranstaltungen des Ex-Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva teilgenommen. Außerdem glaubte er an Verschwörungstheorien. Er hat einige homophobe Artikel veröffentlicht und befürwortet, dass Brasilien per Gesetz zu einem christlichen Staat werden solle. Zudem besuchte er eine Schießschule, die auch von den Söhnen Bolsonaros aufgesucht wird. Nach Informationen der Tageszeitung „O Estado de São Paulo“ gab Bispo de Oliveira bei der Polizei an, „aus persönlichen Gründen“ gehandelt zu haben.

Verschiedenen Umfragen zufolge würde Bolsonaro den ersten Wahlgang gewinnen, bliebe es dabei, dass Ex-Präsident Luiz Inácio Lula da Silva sich nicht zur Wahl stellen darf. Am 6. September 2018 lehnten zwei Richter zwei der drei von den Anwälten Lulas eingelegten Einsprüche ab, die zum Ziel hatten, die Entscheidung der obersten Wahlbehörde aufzuheben. Diese hatte Lula verboten, sich als Präsidentschaftskandidat aufstellen zu lassen.

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