Gesundheitsministerium soll Angaben über Todesfälle nach unten korrigieren

Schwarze Brasilianer*innen demonstrieren in Rio de Janeiro, da sie besonders von der Gefahr durch das Coronavirus, aber auch von Armut und Polizeigewalt betroffen sind. Foto: Desinformémonos

(Montevideo. 8. Juni 2020, la diaria).- Der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro hat Anfang Juni das Gesundheitsministerium angewiesen, die Anzahl der Todesopfer, die auf Covid-19 zurückzuführen sind, nach unten zu korrigieren. Die Zahl sollte in keinem Fall mehr als 1000 Tote pro Tag betragen. Nach Angaben der Tageszeitung O Estado de São Paulo haben die Änderungen der Kriterien für die Zählung der am Coronavirus gestorbenen Personen in Brasilien für große Kontroversen gesorgt.

Die Lösung zur Beschönigung der Daten war, die Anzahl der in den letzten 24 Stunden aufgetretenen Todesfälle von denen zu trennen, die schon zuvor aufgetreten waren, aber erst jetzt bestätigt wurden. Damit will der ultrarechte Staatschef der Gesellschaft vermitteln, dass sich das Fortschreiten des Virus verlangsame – um so seine Aussage aufrecht zu erhalten, das Ausmaß der Krankheit sei lediglich eine Übertreibung der Medien.

Nachdem am Freitag, 5. Juni 2020, das Verfahren für die Veröffentlichung der Daten geändert worden war, wurde die Kritik an der brasilianischen Regierung immer stärker. Diese gab am 7. Juni bekannt, ein interaktives Portal schaffen zu wollen, auf dem die Fälle eingesehen werden könnten. Ein genaues Datum, wann die Plattform aktiviert werden soll, wurde aber nicht genannt.

Widersprüchliche Angaben über Todesszahlen

Darüber hinaus gab die Regierung brasilianischen Medien zufolge am Sonntag zwei verschiedene Mitteilungen über die Anzahl der Todesopfer bekannt – in einem Abstand von nur eineinhalb Stunden. Im ersten Bericht gaben die Gesundheitsbehörden eine Anzahl von 1.382 Todesfällen in den vergangenen 24 Stunden an. Danach wurde jedoch berichtet, die Anzahl der Opfer betrage 525 – das sind 857 weniger als im ersten Bericht. Die Differenz wurde von der Regierung mit einem Rechenfehler begründet.

Diese absolut widersprüchliche Situation löst Besorgnis bei der Weltgesundheitsorganisation aus, die über ihren Direktor für Notfallhilfe, Mike Ryan, erklärte, man erwarte „ dass jegliches Durcheinander, das bislang entstanden sein könnte, gelöst werden kann und das die Regierungen Brasiliens sowie der Bundesstaaten auch weiterhin in einheitlicher und transparenter Weise mit ihren Bürgern kommunizieren“.

Gegenwärtig verzeichnet Brasilien fast 42.000 Todesfälle, die auf das Coronavirus zurückgehen, und 829.000 bestätigte Krankheitsfälle. Mit diesen Zahlen ist Brasilien das Land mit den zweitmeisten infizierten Personen – nach den Vereinigten Staaten – und das Land mit den drittmeisten Todesfällen, nach den USA und Großbritannien.

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