Der 1. Mai 2022 in Lateinamerika – Proteste und Schüsse

1. Mai 2022: Arbeitsrechte und Respekt für Sexarbeiter*innen
Foto: Vicente Arista

(Mexiko-Stadt 1. Mai 2022, Desinformémonos/La Jornada/servindi/poonal).- Überall auf der Welt fanden zum 1. Mai Kundgebungen und Demonstrationen statt. Hier eine kleine Auswahl der Schwerpunkte und Ereignisse in einigen Ländern Lateinamerikas.

Argentinien

In Buenos Aires brachte eine von der Linken organisierte Kundgebung ihre Ablehnung der Rückzahlung von Krediten des Internationalen Währungsfonds (IWF) zum Ausdruck. Auf einer anderen Demonstration unterstützten Anhänger*innen der argentinischen Regierung die Politik von Präsident Alberto Fernández .

 

Chile

Auch in Chile gingen Tausende von Menschen auf die Straße. Eine Veranstaltung zwischen der Universität und dem Hauptbahnhof zum Internationalen Tag der Arbeit konnte wie schon in den letzten Jahren nicht beendet werden, weil Spezialeinheiten der Carabineros, der chilenischen Militärpolizei, mit Tränengasbomben und Wasserwerfern gegen die Versammelten vorgingen. Personen in Zivilkleidung schossen mit scharfer Munition auf die Aktivist*innen. Dabei wurden eine Berichterstatterin des Canal Señal 3 in La Victoria leicht und zwei weitere Personen schwer verletzt. Minuten später wurde aus einem fahrenden Auto mit getönten Scheiben auf die Demonstration geschossen. Glücklicherweise wurde bei dem zweiten Angriff niemand verletzt. Das Auto flüchtete in voller Geschwindigkeit – ein Bild, das an die schlimmsten Zeiten der Militärdiktatur erinnert. Eine vom Dachverband der chilenischen Gewerkschaften CUT und der Sozialistischen Partei organisierte Demonstration verlief ohne Zwischenfälle. Ein großer Teil der Anwesenden jedoch kritisierte den CUT-Vorsitz für seine Defensivhaltung gegenüber der amtierenden Regierung. Deren Initiative zur Anhebung der Mindestlöhne wurde als unzureichend für die Bewältigung der aktuellen Krise bewertet. Wenige Tage zuvor hatte die Regierung des linken Präsidenten Gabriel Boric den Mindestlohn um 12,5 Prozent erhöht. Dieser wird nun ab August 400.000 Pesos (470 Dollar) pro Monat betragen. Das Ziel des Präsidenten ist es, den Mindestlohn bis 2026 auf 500.000 Pesos anzuheben.

Honduras

In Honduras wurde die linksgerichtete Präsidentin Xiomara Castro von Tausenden jubelnder Menschen begrüßt. Castro versprach, für das Volk zu regieren und der Ära von Korruption und Drogenhandel ein Ende zu setzen.

Mexiko

Mexiko-Stadt: „¡Respeto total al trabajo sexual!“ lautete der Ruf von Sexarbeiterinnen, die am 1. Mai die Anerkennung ihrer Arbeit forderten. Die Demonstration ging von der Plaza de la Soledad in La Merced, wo viel Sexarbeit geleistet wird, zum Zócalo, dem Mittelpunkt der Innenstadt. Die Straßenbrigade „Elisa Martínez“ zur Unterstützung von Frauen hatte zu der Demonstration aufgerufen. Die Organisation kämpft seit 32 Jahren für die Anerkennung von Sexarbeit und den Zugang zu Arbeitsrechten für Sexarbeiterinnen. Die Situation der unabhängigen Sexarbeiterinnen sei durch die Pandemie noch schwieriger geworden, erklärte die Vorsitzende der Brigade Elvira Madrid: „Das Einkommen um bis zu 70 Prozent gesunken.“ Außerdem habe sich die Zahl der Menschen, die Sexarbeit auf den Straßen der Hauptstadt anbieten, nahezu verdoppelt: Gab es vor Covid-19 etwa 7.700 Prostituierte, sind es mittlerweile um die 15.200. Etwa 40 Prozent der Frauen, die schon mal aus der Sexarbeit ausgestiegen waren, seien auf den Straßenstrich zurückgekehrt, so Madrid weiter. Weitere 40 Prozent hätten aufgrund der Krisensituation mit Sexarbeit angefangen. Weitere 20 Prozent seien außerhalb des Straßenstrichs auf der Suche nach Kunden.

Peru

Am diesjährigen Internationalen Tags der Arbeit gab die peruanische Linke sich zugleich resigniert und kämpferisch. Die Wahl Pedro Castillos habe große Hoffnungen auf Veränderung und soziale Gerechtigkeit geweckt, diese jedoch nicht erfüllt. Daher sehe man keinen Anlass zum Feiern, aber vieles, wofür gekämpft werden müsse. Wirkliche soziale, politische und wirtschaftliche Veränderungen müssten keine Utopie bleiben.

Venezuela

Bei Demonstrationen in Caracas forderten Krankenhausmitarbeiter*innen und andere Beschäftigte der Grundversorgung einen „existenzsichernden Lohn“. Unterdessen feierten Tausende von Anhänger*innen der Regierung des sozialistischen Präsidenten Nicolas Maduro die „wirtschaftliche Erholung“ des Landes. In seiner Rede versicherte Maduro, nach dem „wirtschaftlichen Sturm“ in Washington, den Finanzsanktionen und dem Ölembargo sei Venezuela „auf dem Weg zum Wohlstand“. „In der zweiten Jahreshälfte 2022 werden wir wirtschaftlich doppelt so gut dastehen wie jetzt, der Aufschwung hat gerade erst begonnen“, erklärte der Präsident.

 

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